Bejun Mehta (li.) in Claus Guths Deutung von Händels "Messiah"

© Theater an der Wien/Armin Bardel

Bejun Mehta
04/13/2014

Nur eine Frage des Herzens

Der berühmte Countertenor ist in nächster Zeit auch in Wien sehr präsent.

von Peter Jarolin

Tenöre sind keine Wesen von dieser Welt", heißt in Carlos Goldonis brillanter Komödie "Der Impresario von Smyrna". Doch wenn schon Tenöre nicht von dieser Welt sein sollen, was ist dann erst mit den Countertenören? Bejun Mehta: "Und wie wir von dieser Welt sind! Ich stehe mitten im Leben, bin ein ganz normaler Mensch. Nur ist mein Beruf eben das Singen. Oder besser: Singen ist meine Leidenschaft", so Bejun Mehta im KURIER-Gespräch.

Seiner Leidenschaft folgt der gebürtige Amerikaner – ja, der Künstler ist mit Topdirigent Zubin Mehta verwandt – in nächster Zeit vor allem in Wien. So ist Mehta ab Montag sechs Mal im Theater an der Wien zu erleben. Dort singt er die Alt-Partie in Georg Friedrich Händels Oratorium "Messiah", das Regisseur Claus Guth in eine Art "szenische Familienaufstellung" über Leben, Liebe, Tod, Verlust, Schuld und Erlösung umgewandelt hat. Eine Produktion, die zugleich Herz-und Kernstück des diesjährigen OsterKlangs ist.

Neue Wege

Ein "wahres Herzensprojekt" steht für Mehta ab 11. Mai auf dem Terminkalender. Dann wird der vielseitige Countertenor im Rahmen der Wiener Festwochen den Orfeo in Christoph Willibald Glucks "Orfeo ed Euridice" gestalten. Und das in der Regie von Romeo Castellucci, der immer wieder für Aufregungen, ja für handfeste Kontroversen gut ist, der diesen ,Orfeo‘ ins Reich der Wachkomapatienten verlegen wird.

Mehta: "Das sind beides außergewöhnliche Projekte. Mir geht es als Sänger nicht nur darum, gut und schön zu singen, sondern auch darum, immer neue Herausforderungen zu suchen. Ich denke, das kann auch für das Publikum eine spannende Erfahrung sein." Berührungsängste mit ungewöhnlichen Regie-Konzepten kennt Mehta also nicht. "Warum auch? Die Musik, im Speziellen die Barockmusik, ist doch am Leben, sie hat uns auch heute etwas zu sagen. Das sollte man nur auch visuell transportieren. Unsere Sehgewohnheiten haben sich verändert; die Ästhetik spielt eine ganz entscheidende Rolle. Und ich finde sowohl Claus Guths ,Messiah‘-Deutung, als auch die Ideen von Romeo Castellucci und Festwochen-Chef Markus Hinterhäuser großartig. In so einem Umfeld fühle ich mich extrem wohl."

Richtiges Fach

Wie aber wird man Countertenor? Bei Mehtas ebenso berühmten Kollegen Max Emanuel Cencic etwa blieb einfach der Stimmbruch aus. "Das war bei mir anders", erklärt Mehta, der an der Universität Yale sogar eine Abschlussarbeit über Gedichte Heinrich Heines verfasste.

Mehta: "Mit einem Pianisten als Vater und einer Sopranistin als Mutter bin ich mit Musik aufgewachsen und ich wollte auch immer singen. Ich habe also Gesang studiert und kam irgendwann drauf, dass ich in der falschen Lage singe. Das war im Bariton-Bereich. Meine Lehrerin schlug vor, etwas Neues zu probieren. Und siehe da, das Fach Countertenor lag meiner Stimme einfach viel besser. Und über einen Mangel an Rollen kann ich mich nicht beklagen."

Zweite Leidenschaft

Viele von Mehtas Rollen sind auch auf Tonträger dokumentiert. So wird Anfang Mai Händels "Orlando" auf CD erscheinen. René Jacobs dirigiert dabei das Ensemble B’Rock Orchestra, das auch bei Glucks "Orfeo ed Euridice" im Einsatz sein wird. Bejun Mehta schwärmt von diesen Musikern. Aus gutem Grund, immerhin hat auch der Countertenor ein neues Betätigungsfeld für sich entdeckt. "Ich dirigiere leidenschaftlich gern", lacht Mehta. "Ich habe als Dirigent auch schon die ersten Gehversuche gemacht. Ich denke, sie waren ganz gut."

Wird Mehta diesen Weg auch weiter verfolgen? "Ja, unbedingt. Dirigieren macht mir sehr viel Spaß. Und sollte ich eines Tages nicht mehr singen, dann kann ich mich ganz dieser Profession widmen. Aber keine Angst: Das hat noch sehr viel Zeit, und ich habe noch sehr viel vor."

www.bejunmehta.com

Höhepunkte des OsterKlang (bis 20. April)

Auftakt

Bachs "Johannes-Passion" ist heute, Sonntag, um 11 Uhr an der Wien zu hören. Giovanni Antonini dirigiert die Wiener Symphoniker. Es singen: Johannes Chum, David-Wilson Johnson, Horst Lamnek, Klara Ek, Bernarda Fink, Singverein der Gesellschaft der Musikfreunde.

Messiah

Am 14., 17., 19., 22., 24. und 26. April an der Wien. Dirigent: Christophe Rousset. Orchester: Les Talens Lyriques. Regie: Claus Guth. Mit: Bejun Mehta, Charles Workman, Florian Boesch, Maria Bengtsson, Ingela Bohlin.

La clemenza di Tito

Ab 13. April in der Wiener Kammeroper. Dirigent: Rubén Dubrovsky. Bach Consort Wien. Regie: Alberto Triola. Mit Sängern aus dem Jungen Ensemble des Theaters an der Wien.

Konzerte

"Frühling in Wien":20. 4., Wiener Symphoniker. Dirigentin: Simone Young. Solist: Johan Botha. Musikverein. "Missa Solemnis" (Beethoven, 16. 4.,Theater an der Wien). Wiener Akademie. Dirigent: Martin Haselböck. Plus zwei Konzerte (15. und 18. 4.) in der Minoritenkirche.

Infos unter: www.theater-wien.at

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