Kultur
05.12.2011

Beifall für Cronenbergs Freud-Film

Applaus für den teils in Wien gedrehten Wettbewerbsbeitrag "A Dangerous Method", Buhrufe für Monica Bellucci und "Un ete brulant"

Nach Roman Polanskis "Carnage" mit Christoph Waltz ist am Freitagvormittag der zweite Wettbewerbsfilm mit Österreich-Bezug bei den Filmfestspielen von Venedig präsentiert worden. David Cronenbergs "A Dangerous Method", der wie Polanskis Film auf einem Theaterstück basiert, wurde teilweise in Wien gedreht - nicht zuletzt in der Berggasse 19, der ehemaligen Heimstatt von Sigmund Freud. Der Begründer der Psychoanalyse wird von Viggo Mortensen verkörpert, sein Schweizer Counterpart C.G. Jung von Michael Fassbender. Als dieser sich in seine Patientin Sabina Spielrein verliebt, gespielt von Keira Knightley, entstehen Risse in der intensiven Beziehung der beiden Mediziner. Bei der Pressevorführung erhielt das etwas zähe Drama starken Applaus.

Innere Spannung

Leider konnte der Beifall aber nicht darüber hinweg täuschen, dass die Geburtswehen der Psychoanalyse nicht nur ungewöhnlich brav für Cronenberg-Verhältnisse verfilmt wurden, sondern der Film auch sonst einige Schwächen aufweist. Die innere Spannung der Akteure vermag der Regisseur etwa nur selten in eine dramaturgische Spannung zu verwandeln, auch visuell bleibt der Film abgesehen von der Schweizer Landschaft und den Wiener Herrscherbauten die meiste Zeit über sehr uninspiriert. Am störendsten wirkt sich jedoch aus, dass man Keira Knightley als einer der Protagonistinnen ihre Rolle über die gesamte Zeit hinweg nicht abkauft. So funktioniert der dialoglastige Film im Wesentlichen über die Leistungen von Fassbender, Mortensen und nicht zuletzt Vincent Cassel in der Gastrolle des Otto Groß.

Buhrufe für "Un ete brulant"

Recht fatalistisch ging es unterdessen bereits am Donnerstagabend bei Philippe Garrel zu. Früher, als man guten Gewissens kommunistisch sein konnte und der Kampf in der Resistance dem Leben einen Sinn gab, war das Dasein noch sinnvoll, so die kulturpessimistische Grundhaltung des Wettbewerbsbeitrags "Un ete brulant". Heute ist der Glaube an die Revolution lächerlich und die Heirat, das Glück mit einer schönen Frau das einzige Ziel, das geblieben ist. Louis Garrel, der Sohn des französischen Regisseurs, und Monica Bellucci, schon im Voraus aufgrund einer Nacktszene im Film eines der Gesprächsthemen am Lido, frönen als Ehepaar der Kunst und dem Müßiggang mit Freunden - bis sich die Liebe verflüchtigt und das Leben aus dem Gleichgewicht gerät. Bedeutungsschwanger und unfreiwillig komisch, wurde der Wettbewerbsbeitrag schließlich zurecht mit Buhrufen bedacht.