Kultur
01.06.2017

"Baywatch": Wieder was los am Strand

Die TV-Erfolgsserie kommt nach 16 Jahren und mit neuen Gesichtern ins Kino. In den USA startete der "Baywatch"-Movie mit einem Bauchfleck.

Der rote Badeanzug sitzt, die Muskeln sind perfekt geformt: Am Strand von Malibu sind nach 16 Jahren Pause wieder die wohl knackigsten Badewascheln der Welt im Einsatz. Während David Hasselhoff und Pamela Anderson die wohlverdiente Schwimmreifen-Pension angetreten haben und eher mit Alkohol und Botoxpannen als mit Notfällen am Strand hadern, tritt die nächste Generation der Rettungsschwimmer an. Allen voran Dwayne "The Rock" Johnson, der Mister Ich-kann-vor-lauter-Muskeln-kaum-gehen in der Rolle des Chef-Bademeisters Mitch Buchannon.

Da sind sie also nun, die "Baywatch"-Helden der nächsten Generation. Fesch und jung und makellos, immer auf dem (Hecht-)Sprung und bereit zum Kriseneinsatz. Wie damals in den Neunziger Jahren laufen die Mädels immer noch in Superzeitlupe über den Strand, um ihre Kurven perfekt zum Schwingen zu bringen – obwohl, diese Bemerkung sei erlaubt, die Kurven nicht mehr so üppig sind wie jene von Pam Anderson. Irgendwie sind sie alle steriler und perfekter als die alte Crew. Gut funktionierend und gut aussehend – so wie man eben heute sein muss.

Alphatierchen

Eine Story gibt es nur peripher, sie hat keinen wirklichen Belang: Eine Nachtclubbesitzerin in der Bay Area betreibt Drogenhandel in großem Stil, und nachdem ein paar Leichen am Strand angeschwemmt werden, beschließen die Rettungsschwimmer, der bösen Hexe das Handwerk zu legen.

Was der Plot nicht hergibt, wird allerdings durch ein paar wirklich gelungene Gags ausgeglichen: Da rollen Mitch Buchannon und Matt Brody (dargestellt von Zac Efron in narzisstischer Bestform) in Alphatierchen-Konkurrenzmanier Traktorreifen über den Strand. Da zwickt sich Ronnie, der nerdige Newcomer im "Baywatch"-Team, seine Genitalien in einer Strandliege ein. Da stolziert Pamela Anderson im blütenweißen Hosenanzug quasi als Elder Starlet für 15 Sekunden durchs Bild, und da sitzen ganz am Ende des Films "The Hoff" David Hasselhoff und Dwayne Johnson am Strand in zwei Klappstühlen, jeder eine Flasche Bier in der Hand.

Hasselhoff fragt mit seinen 64 Jahren nonchalant in Richtung Kamerateam: "Do I look like a tiny little asshole next to him?"

Alle, die hier mitgemacht haben, hatten Spaß, das ist offensichtlich. Wer kümmert sich da schon um die durchwachsenen Kritiken, die der Film eingeheimst hat? Da zählen schon eher die Kino-Einspielergebnisse, die aber auch – zumindest in den USAunter den Erwartungen liegen. Mal sehen, wie es bei uns für die klamaukfeste Malibu-Crew läuft.

INFO: USA 2017. 119 Min. Von Seth Gordon. Mit Dwayne Johnson, Zac Efron, Kelly Rohrbach.

KURIER-Wertung:

Das Murmeltier lässt grüßen

Samantha, das angesagteste It-Girl der Schule, hat mit ihren Freundinnen auf der Heimfahrt von einer Party einen Autounfall, der für sie tödlich endet. Nur: Am nächsten Morgen um 6.30 Uhr erwacht Sam, als wäre nichts geschehen. Aber es ist nicht der nächste Tag, sondern sie erlebt immer wieder den Tag des Unfalls.

Was ihr die Chance gibt, dem Lauf desselben eine andere Richtung zu geben: Konflikte mit anderen Mädchen zu bereinigen, netter zu ihrer Familie zu sein, die Zicke in sich in den Schrank zu sperren, zu erkennen, dass der hippe Typ, den sie sich angelacht hat, eigentlich ein Schuss in den Ofen ist.

"Und täglich grüßt das Murmeltier", Harold Ramis’ amüsante Zeitschleifenkomödie aus dem Jahr 1993 um den schrulligen Wetteransager Phil (Bill Murray) lässt grüßen. Sich mit diesem Komödienklassiker messen zu wollen, ist natürlich ein hoffnungsloses Unterfangen.

Die junge Filmemacherin Ry Russo-Young wagt den Versuch dennoch und schafft es, dank ihrer vor allem visuell ausgetüftelten und unbekümmerten Inszenierung das Thema gut umzusetzen.

Auch dank ihres Casts mit angesagten Jungstars wie Zoey Deutch (die die Sam spielt), Halston Sage ("Bad Neighbours") oder Logan Miller ("The Walking Dead") wirkt die Verfilmung der Jugendroman-Trilogie von Autorin Lauren Oliver aktuell und modern.

Also ab in die Zeitschleife!

INFO: USA 2017. 98 Min. Von Ry Russo-Young. Mit Zoey Deutch, Halston Sage.

KURIER-Wertung:

Der lustigste Roadtrip seit langem

Wollen Sie wieder einmal lachen im Kino? – Dann sind Sie herzlich eingeladen, sich diesen Film anzuschauen. Denn die vierte Kinoadaptierung der Comicroman-Reihe "Gregs Tagebuch" ist geradezu befreiend komisch.

Da bricht der 11-jährige Greg mit seiner Familie zu einem Trip zu Oma auf, die ihren 90. Geburtstag feiert. Die Begeisterung über die lange Autofahrt quer durch Amerika hält sich allerdings in Grenzen: Greg muss tagelang seinem liebsten Vergnügen, dem Spielen von Video-Games, entsagen. Noch dazu erlässt seine Mutter einen Handy-Bann.

Was die Heffleys dann bei ihrem Trip erleben, ist wahrhaft abenteuerlich: Greg legt sich auf dem Campingplatz mit einem dicken Mann an, vor dem die Familie schließlich flüchten muss. Sein kleiner Bruder Manni gewinnt auf einem Jahrmarkt ein Schweinchen, das im Auto der Heffleys Chaos auslöst.

Vom Autodach löst sich eine Plane, und alle Gepäckstücke fliegen davon. Das Auto geht ein und beim Versuch, es in der Pampa wieder in Gang zu bringen, spritzt Papa den Rest der Familie mit Schlamm voll. Greg isst im Auto Erdnusslocken und vergisst, das Autodach zu schließen, worauf ihm Tauben die Chips aus der Tüte fressen. Und so weiter und so fort im Klamauk-Modus.

Jason Ian Drucker ist als verträumter, tollpatschiger Greg eine Idealbesetzung, Alicia Silverstone gibt die immer auf Korrektheit bedachte Mutter. Wann startet der nächste Trip?

INFO: USA 2017. 94 Min. Von David Bowers. Mit Jason Ian Drucker, Alicia Silverstone.

KURIER-Wertung: