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Bayreuther Festspiele
07/26/2015

Wagners "Tristan" endet im szenischen Nichts

Nachtkritik: Für "Tristan" hagelte es zahlreiche Buhs + Angela Merkels Stuhl brach.

von Gert Korentschnig

Am Ende der großen Wagner-Premiere auf dem Grünen Hügel in Bayreuth gab es doch zahlreiche Buhs:

Für Evelyn Herlitzius, eine ziemliche schrille Isolde mit starkem Tremolo und wenigen berührenden lyrischen Passagen.

Sogar für Christian Thielemann, den neuen Musikdirektor der Bayreuther Festspiele: Er dirigierte "Tristan und Isolde" über weite Strecken zwar berückend schön, manchmal aber so kraftvoll und lautstark, dass er die Sänger vor ziemliche Probleme stellte.

Und (erstaunlicherweise nur ganz vereinzelt) für Katharina Wagner, die Urenkelin des Komponisten, Festspielchefin in Bayreuth und Regisseurin der Premiere zur Eröffnung des diesjährigen Festivals: Ihre Inszenierung ist sehr enttäuschend, sie versucht "Tristan" mit einigen doch recht krampfhaften Gags gegen den Strich zu bürsten, erzählt dabei aber keine tiefgründige Geschichte und bringt schon gar keinen neuen Ansatz ein.

Der erste Aufzug spielt in einer technisch aufwändigen Mischung aus Stiegenhaus und Innenleben eines Schiffs, der zweite in einem Straflager, der dritte im Nichts.

Bis zum Finale sehr gut präsentiert sich Stephen Gould als Tristan – er hat viel Kraft, ein schönes Timbre, ist in der Höhe aber nicht immer ganz präzise, was möglicherweise auch daran lag, dass er aufgrund des Dirigats fallweise ziemlich forcieren musste. Christa Mayer ist eine dramatische Brangäne, Iain Peterson ein tadelloser Kurwenal und Georg Zeppenfeld ein fabelhafter König Marke. Sie alle bekamen völlig zurecht viel Applaus.

Stuhl kollabiert unter Kanzlerin Merkel

Einem schadhaften Stuhl im Festspielhaus Bayreuth ist gelungen, was politischen Gegnern von Angela Merkel bislang versagt blieb: Er brachte die Bundeskanzlerin zu Fall, jedenfalls kurzzeitig. Das Sitzmöbel gab am Samstagabend unter der Regierungschefin nach, als diese in einer Opernpause darauf Platz nahm, wie ihr Vizesprecher Georg Streiter in der Nacht zu Sonntag mitteilte.

Streiter dementierte damit zugleich Berichte, die in der Nacht in Internet-Medien die Runde machten - nämlich, dass die Kanzlerin in Bayreuth einen Schwächeanfall erlitten habe. Schwäche zeigte lediglich der Stuhl. Wie die Bild-Zeitung berichtete, rutschte die Kanzlerin nach dem Zusammenbruch des Möbelstücks während einer Kaffeepause im Restaurant des Festspielhauses unter den Tisch, was für erhebliche Aufregung im Raum gesorgt habe. Operngäste kamen der Kanzlerin zu Hilfe, die dann umgehend einen neuen Stuhl erhielt.

Merkel wohnte danach unbeirrt und unfallfrei der restlichen Aufführung von "Tristan und Isolde" bei. Sie demonstrierte dabei jene Robustheit, die ihr auch bei nächtelangen Verhandlungsmarathons in Brüssel immer wieder kommt zugute kommt: "Es hat mir gut gefallen", zitierte Bild die Kanzlerin nach Ende der Aufführung.

Hier geht es zur Nachtkritik zu "Tristan und Isolde".

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