┬ę apa

Kultur

Autoren kritisieren "Spiegel"-Artikel zu Krachts neuem Roman

Jelinek, Kehlmann und weitere Autoren protestierten gegen eine "denunzierende" Kritik des neuen Romans von Christian Kracht. Dieser sagte die Buchpremiere in Berlin ab. ab

03/15/2012, 11:49 AM

In einem offenen Brief an die Spiegel-Chefredaktion haben 17 Schriftsteller einen Artikel des Magazins zu dem neuen Roman "Imperium" von Christian Kracht scharf kritisiert. Zu den Unterzeichnern des Briefes z├Ąhlen auch Nobelpreistr├Ągerin Elfriede Jelinek und Bestseller-Autor Daniel Kehlmann. Der Verfasser habe "die Grenzen zwischen Kritik und Denunziation ├╝berschritten", hie├č es in dem Schreiben. ├äu├čerungen literarischer Figuren w├╝rden dem Autor zugeschrieben und als Beweis einer gef├Ąhrlichen Haltung gewertet.

Der Spiegel-Journalist Georg Diez hatte dem Schweizer Autor Kracht N├Ąhe zu rechtem Gedankengut vorgeworfen. Dabei st├╝tzt sich Diez jedoch nicht nur auf Passagen aus "Imperium", sondern bezieht sich insbesondere auch auf einen 2010 publizierten, bisher wenig beachteten Briefwechsel Krachts mit dem US-K├╝nstler David Woodard. Krachts Brieffreund schw├Ąrmt laut Spiegel unter anderem f├╝r den Terroristen Timothy McVeigh und Goebbels Propagandaschreiber, Wilfred von Oven. Kracht seinerseits soll Woodard geraten haben, seine Gesinnung hinter einem "Nebelvorhang" vor den Linken in Europa zu verstecken, hei├čt es in dem Artikel weiter.

Die Absender des Offenen Briefes, darunter neben Kehlmann und Jelinek auch Monika Maron, Kathrin Schmidt und Katja Lange-M├╝ller, gehen auf die Woodard-Passagen des Spiegel-Artikels nicht ein. Kracht selber ├Ąu├čerte sich bisher nicht zu dem Fall. Nach den Spiegel-Vorw├╝rfen sagte Kracht seine f├╝r den 22. Februar geplante Buchpremiere in Berlin ab. "Der `Spiegel`-Angriff bedr├╝ckt Christian Kracht so sehr, dass er sich im Moment au├čerstande sieht, nach Deutschland zu kommen", teilte sein Verlag mit. Die Premiere fand daher in Z├╝rich statt.

In seinem vierten Roman schildert der 45-j├Ąhrige Kracht die Geschichte eines Aussteigers mitten in der deutschen Kolonialzeit. Der N├╝rnberger August Engelhardt hatte 1902 eine S├╝dsee-Insel gekauft, um dort das "Kokovorische Weltreich" zu gr├╝nden. In Engelhardts Lehre ging es darum, nackt der Kokosnuss zu huldigen.

Kehlmann: "Kracht ist fasziniert von der ├ästhetik totalit├Ąrer Systeme"

Der ├Âsterreichische Bestseller-Autor Daniel Kehlmann ("Die Vermessung der Welt") hat seinen Schriftsteller-Kollegen Christian Kracht auch in einem Zeit-Interview gegen die Vorw├╝rfe verteidigt: "Ich habe Krachts Roman `Imperium`, der mir sehr gut gef├Ąllt, eine Weile vor der Ver├Âffentlichung gelesen und darin gar nichts weltanschaulich Bedenkliches gefunden."

Im Spiegel hatte der Rezensent Georg Diez dem Schweizer Kracht ├╝berdies vorgeworfen, "T├╝rsteher der rechten Gedanken" zu sein. Der Vorwurf wiege hierzulande au├čerordentlich schwer, sagte Kehlmann. "Das kann regelrecht vernichten."

"Kracht ist in seinem Werk seit langem von der ├ästhetik totalit├Ąrer Systeme fasziniert", sagte Kehlmann. "Das st├Ârt mich nicht, aber ich verstehe, dass man das kritisieren kann. Man kann das aber nicht in der Form kritisieren, dass man Kracht zum neuen Sarrazin macht."

Unterdessen erobert "Imperium" die Bestsellerlisten. Auf dem Spiegel-Ranking stand der Roman zuletzt auf Platz vier, ebenso auf der Focus-Bestsellerliste.

Mehr zum Thema

  • Hauptartikel

  • Hintergrund

  • Hintergrund

Jederzeit und ├╝berall top-informiert

Uneingeschr├Ąnkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.

Kommentare

Autoren kritisieren "Spiegel"-Artikel zu Krachts neuem Roman | kurier.atMotor.atKurier.atKurier.atFreizeit.atFilm.atImmmopartnersuchepartnersucheSpieleCreated by Icons Producer from the Noun Project profilkat