Surrealismus, nackte Haut und eine Prise jüdischer Humor

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Foto: Kurier

Die Wiener Museen starten mit einem spannenden Programm ins neue Jahr. Nur die Kunsthalle hält ihres noch zurück. Ein Überblick.

Während die meisten Museen derzeit ihr Ausstellungsprogramm für das nächste Jahr veröffentlichen, ist auf der Website der Kunsthalle in Wien bislang kein Programm zu finden. Die macht derzeit eher mit den Anschuldigungen gegen Ex-Direktor Gerald Matt Schlagzeilen. Der bereits im Juni von Mailath-Pokorny als neuer künstlerischer Leiter der Kunsthalle präsentierte Nicolaus Schafhausen hält seine Programmierung noch geheim. Dabei hat er bereits am 1. Oktober offiziell sein Amt angetreten. Blöd. Vor allem, wenn die Kunsthallen-Jahreskarte sich in den letzten Jahren als probates Weihnachtsgeschenk erwiesen hat.

Aber kein Grund dem allgemeinen Kulturpessimismus zu verfallen. Das Programm der Wiener Museen ist vielversprechend...

So starten die Wiener Museen ins neue Jahr
 

Die Albertina eröffnet 2013 mit der ersten großen Retrospektive des Dadaisten und Surrealisten Max Ernst, der zweifelsohne zu den Jahrhundertfiguren der Kunstgeschichte gehört. // 23. Jänner bis 5. Mai 2013 // Das Kunsthaus Wien startet im neuen Jahr mit einer großen Saul-Leiter-Retrospektive. Der 89-jährige Fotograf gehört zu den Pionieren der Farbfotografie. Im Kunsthaus wird der Bogen von Frühwerken in Schwarz-Weiß über die ersten Farbversuche bis hin zu seiner Malerei gespannt. // 31. Jänner bis 26. Mai 2013 // Im Essl Museum wird anlässlich des 75. Geburtstags von Georg Baselitz eine ausgiebige Werkschau gezeigt. Baselitz ist einer der wichtigsten Künstler der Nachkriegsgeneration in Deutschland und hat die figurative Malerei konsequent weiterentwickelt. Das Spektrum reicht von frühen auf den Kopf gestellten Motiven bis zu den Remix-Serien der letzten Zeit, in denen der Künstler Motive seiner Malerei der frühen Jahre wieder aufgreift. // 18. Jänner bis 20. Mai 2013 // Das Mumok startet mit einer großen Ausstellung zu Ehren des im Sommer verstorbenen Künstlers Franz West ins neue Jahr. West hatte die Ausstellung bis kurz vor seinen Tod noch enthusiastisch mitentwickelt. Im Zentrum der Ausstellung "Wo ist mein Achter?" stehen seine "Kombi-Werke", unterschiedliche Werktypen die immer wieder neu zusammengestellt wurden. // 23. Februar bis 26. Mai 2013 // Parallel dazu zeigt das Mumok die erste große Einzelausstellung der Wiener Künstlerin Verena Dengler, eine Meisterin pointierter Anspielungen, die sich gerne mit österreichischen Spezifika auseinandersetzt. Der Ausstellungstitel "Fantastischer Sozialismus" spielt auf die vor allem hierzulande populären Phantastischen Realisten an. //  23. Februar bis 23. Juni 2013 // "Nippon Chinbotsu" ist ein 1973 veröffentlichter Science-Fiction-Bestseller, der den Untergang Japans skizzierte. Der Manga-Zeichner Tokihiko Ishiki ließ sich davon inspirieren. Die erste Ausstellung 2013 im MAK, "Nippon Chinbotsu. Japan sinkt. Ein Manga", widmet sich diesem Massenphänomen zeitgenössischer Kultur und blickt Ishiki bei der Arbeit über die Schulter.  // 16. Jänner bis 21. April 2013 // Unterhaltsam startet das Jüdische Museum ins neue Jahr mit der Ausstellung "Alle meschugge? Jüdischer Witz und Humor". Humor ist ein wesentlicher Bestandteil jüdischen Lebens. Neben bekannten Größen wie Ephraim Kishon in Israel oder Woody Allen in Hollywood trugen hierzulande Karl Farkas oder Fritz Grünbaum ganz wesentlich zur Hochblüte der Wiener Unterhaltungskultur bei. //
20. März bis 8. September 2013 // Nach den "Nackten Männern" begeht das Leopold Museum das neue Jahr wesentlich ruhiger. Und zwar mit der Ausstellung "Wolken - Bilder zwischen Himmel und Erde". Zu sehen sind Bilder von Künstlern wie Magritte (im Bild), die Wolkenbilder in den Mittelpunkt ihres Interesses rückten. // 22. März bis 01. Juli 2013 // Das Bank Austria Kunstforum widmet sich 2013 erst einmal einer der eigenwilligsten Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Meret Oppenheim war eine wichtige Vertreterin des französischen Surrealismus und galt als feministische Identifikationsfigur. Zum 100. Geburtstag gibt es hier die erste postume Retrospektive in Österreich. // 21. März bis 14. Juli 2013 // Dass Barock kein Rückzugsgebiet für Konservative, sondern vielmehr Ansatzpunkt für die Moderne ist, möchte die Ausstellung "Barock" im unteren Belvedere zum Ausdruck bringen. // 27. Februar bis 09. Juni 2013 // Im 21er-Haus steht die erste Ausstellung des Jahres ganz im Zeichen der heimischen Fotografie. "Fotos. Österreichische Fotografien von den 1930ern bis heute" geht der Frage nach, wo österreichische Fotografie heute steht und wohin sie geht. // 30. Jänner bis 05. Mai 2013 Von 10. Jänner bis 6. Februar widmet sich das Österreichische Filmmuseum dem italienischen Nachkriegskino mit einer Doppel-Retrospektive von Valerio Zurlini und Antonio Pietrangeli. Die beiden jung verstorbenen Filmemacher beschäftigten sich umfangreich mit dem Aufbruch des Neoliberalismus im Stile des klassischen Kunstfilmes. // 10. Jänner bis 6. Februar 2013 // Fabriken sind unzulängliche Orte, meist in andere Länder ausgelagert und auch sonst für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. In der ehemaligen Ankerbrotfabrik, wo sich die Galerie Ostlicht befindet, widmet sich die Fotografie-Ausstellung "Industrie" den verschiedenen Aspekten industrieller Produktion. // 24. Jänner bis 31. März 2013 // Roger Ballen begreift jede Fotografie als Teil des Selbst und damit als Ausweitung der eigenen Person. Das mag daran liegen, dass der New Yorker Fotograf zunächst Psychologie studierte, bevor er Fotograf wurde. Die Galerie Westlicht widmet ihm zu Jahresbeginn die erste umfassende Werkschau in Österreich. // 22. Februar bis 28. April 2013 // Die Ausstellung "Im Schatten der Pyramiden" im Kunsthistorischen Museum gibt ab Jänner einen Einblick in die österreichischen Grabungen, die von 1912 bis 1929 in Gizeh (Ägypten) durchgeführt wurden und bis heute als Grundlage für die Erforschung des ägyptischen Alten Reiches (ca. 2650 – 2190 v. Chr.) gilt. // 22. Jänner bis 20. Mai 2013 //
(Kurier) Erstellt am
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