Kultur 05.12.2011

Ausstellung: Das unbekannte Afrika

Der andere Kontinent, ohne Krieg und Not, zum Entdecken: Afrika. Afrique. Africa. Die Sammlung Stepic bis 1. Oktober im BA Kunstforum.

Herbert Stepic sagt von sich selber: "Ich bin ein Sammlertyp." Und gesammelt hat der Banker und Vorstandsvorsitzende der Raiffeisen Bank International schon schon viel: Eierschwammerln, japanische Holzschnitte, Buddha-Figuren, Möbel aus Korea, Teppiche aus Tibet und China
Treu geblieben ist er der afrikanischen Stammeskunst. Die hat jetzt einen großen Auftritt im BA-Kunstforum: "Afrika. Afrique. Africa." (bis 1. 10).
Zu entdecken ist bei der Sammlung Stepic - ergänzt um Gold- und Perlenobjekte aus Ghana, Leihgaben des Museum Liaunig in Neuhaus, Kärnten - die alte Kunst, die einmal Kult war: Masken, Skulpturen und Fetische, vielfach ausdrucksstärker als alles, was die westliche Moderne in Auseinandersetzung mit diesen Objekten hervorgebracht hat, geschaffen von Künstlern, deren Namen wir nie erfahren werden.

Positive Assoziationen zu Afrika wecken

Masken, Skulpturen und Fetische: Afrikanische Stammeskunst hat jetzt ihren großen Auftritt in Wien.
© Bild: Cristian Caba / Die Sammlung Stepic

Afrika ist oft mit negativen Assoziationen wie Seuchen, Hunger, Krieg und Naturkatastrophen verbunden. "Aber der vergessene, verlorene und unbekannte Kontinent ist nicht nur die Wiege der Menschheit, sondern hat früh auch Hochkulturen hervorgebracht", so Stepic. Thronstühle, Masken, Holz- und Metall-Objekte, Tanzkleider mit Amuletten, Fetisch-Figuren und wilde Gestalten, als litten sie die Qualen des Purgatoriums, rund 2000 Jahre alte Terracotta-Nok-Figuren ...

Die Kuratorin und Historikerin Elisabeth Buxbaum hat sie in sieben Räumen thematisch arrangiert. Eine mystische Aura umgibt die Exponate. Die mit ihnen verbundenen Rituale sind in der globalisierten Welt in Vergessenheit geraten. Geblieben ist ihre archaische und spirituelle Ausdrucks- und Symbolkraft, eine Ästhetik, die keineswegs "schönlich, oft sogar fratzenhaft ist", so Stepic. Hier gilt mehr noch als anderswo: Kunstwerke brauchen keine Sprache, um verstanden zu werden.
Oder, um es mit Giorgio de Chirico zu sagen, der seine Bilder nicht erklären wollte, weil das ihr Geheimnis entweiht hätte: Was sonst soll ich lieben, wenn nicht das Rätsel?

Ethnic Art: Afrika vor den Vorhang geholt

Ausstellung Schwarzafrikanische Stammeskunst steht im Mittelpunkt von "Afrika. Afrique. Africa." mit rund 250 Exponaten aus Holz, Metall und Terracotta sowie Webe- und Perlenarbeiten. Der Sammler Herbert Stepic hat sie in 30 Jahren auf zahlreichen Afrika-Reisen zusammengetragen.
Wann & Wo Bis 1.10. im Bank Austria Kunstforum, 1., Freyung 8, täglich 10 bis 19 Uhr, Freitag 10 bis 21 Uhr. Führungen: Freitag 18.30 Uhr, Samstag. 15.30 Uhr (ausgenommen 17. 9.), Sonntag 11 Uhr. Besucherservice / Ticketkasse 01 / 537 33 26;
Katalog 29,90 €

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( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011