Kultur
05.12.2011

Aufstand der Roboter?

Karl Capeks vor 90 Jahren geschriebenes Stück "Rossum's Universal Robots" ist brennend aktuell - und wird in Hainburg gespielt

Ein schmales Tor. Dahinter eine große Wiese. Geradeaus Blick auf die Donau. Rechter Hand ein großes weißes Zelt, "Herberge" für das folgende Theaterstück. Dahinter Reste einer uralten Ziegelmauer. Noch weiter dahinter Steinbruch. Dominierender in diesem Freiraum ist aber die linke Seite: Ein verfallendes Gebäude, die Wasserkaserne. Morbid und doch spannend. Und auf sie wird im Stück auch Bezug genommen werden.

Der Prototyp eines eher sehr kühlen Wissenschafters (Martin Schlager) im weißen Mantel auf der beinahe spartanischen Bühne: Eine Alutonne als Tisch, zwei Barhocker. Am linken Ende ein - nur durch glänzenden blauen Stoff - fast edel wirkender Sitz. Er, genannt Harry Domin, fühlt sich als Chef dieser Roboterfabrik auf einer beinahe menschenleeren Insel. CEO der vom alten Rossum in den 20er Jahren gegründeten, nach ihm benannten " Universal Robots"-Fabrik. Seelenlose Maschinen, möglichst menschenähnlich gebaut, um den Menschen aber die sklavenähnlichen Arbeiten abzunehmen, werden hier en masse produziert.

Liga für Humanität

Eine junge, sehr attraktive Frau tritt in Erscheinung, will sich die Fabrik anschauen, was Domin natürlich längst weiß, "weil das alle wollen…."
Sie aber, Helen Glory (Manuela Seidl) ist Tochter des Präsidenten. Die Skepsis auf Domins Seite bleibt dennoch (zunächst) bestehen. Sogar eher milde belächelt er ihre Reden über die Befreiung der Roboter und Wünsche, sie zu beseelen - die Forderung der "Liga für Humanität"
Bald treten auch noch Roboterin Sulla, die Wissenschafterin Dr. Gall (beide von Monika Schmatzberger verkörpert) sowie Baumeister Alquist (Christian Schratt) auf.

Break - ein Video mit witzigen filmischen Roboter-Animationen. In zwei weiteren Schnitten zeigen Videos zum einen vielfältige reale Produktionsroboter bzw. Bilder der von Menschen erfundenen maschinellen Vernichtung von Millionen Menschen in den Konzentrationslagern des Faschismus.

Zehn Jahre später

Helene und Harry sind verheiratet. Und in Sorge, angesichts diverser Roboter-Aufstände.
Die Situation des Zauberlehrlings oder Frankensteins. Menschen, die etwas schufen, das sich zu verselbstständigen beginnt und die Erfinder_innen ihrerseits bedroht.

Übrigens: Karl Čapek hat " Rossum's Universal Robots" vor 90 jahren geschreiben, bereits 1921 wurde es Prager Nationaltheater uraufgeführt.
Regisseur Marius Schiener hat aus der Version mit mehr als einem Dutzend Figuren eine Bühnenversion für vier Schauspieler_innen (mehrere Doppelrollen) verfasst. Wobei der Kunstgriff gerade Helene und Harry gegen Ende als Roboter, die aufkeimende Gefühle zeigen, vom selben Duo spielen zu lassen, besonderen Reiz hat.
Vollarg meinten nicht wenige nach dem beeindruckenden Spiel des Quartetts, dass dieses so aktuelle Stück, wie von Menschen erfundene Technik die Menschheit bedroht (siehe Fukushima) von Čapek bereits vor fast einem Jahrhundert auf den Punkt gebracht wurde. Wenig gelernt von jenen, die sich für die intelligentesten Wesen des Planeten halten.

Infos

"R.U.R." oder "Rossum's Universal Robots"
Theaterstück von Karel Capek


Bis 11. Juni,
Donnerstag - Samstag, jeweils 20 Uhr
2410 Hainburg an der Donau, Wasserkaserne, Oppitzgasse 9, Zelt

Verein zur Förderung des kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Austausches in der EU; Projektleitung: Manuela Seidl

Mitwirkende:
Monika Schmatzberger, Manuela Seidl, Martin Schlager, Christian Schratt
Regie: Marius Schiener
Technik: Markus Strohmayer

Karten und Infos:
12 - 15 €;
Telefon: (02165) 621 11-23
Abendkasse: Hotline an Vorstellungstagen: 0664/ 963 95 28
eMail: info@hainburg-donau.gv.at

Ein Projekt der Kulturvernetzung NÖ