Aufregung vor ORF-Wahl um Niko Pelinka

Das "Nikofon" wird intensiv genutzt: Unvorsichtige Zitate des SPÖ-"Freundeskreis"-Leiters Niko Pelinka sorgen vor der ORF-Wahl am 9. August für Wirbel.
Foto: Reuters

Alexander Wrabetz ist kurz vor seiner Wiederwahl mit einem Zitat des SPÖ-Stiftungsrats konfrontiert, wonach er mit diesem die Besetzung von "Im Zentrum" abspreche.

Ein Porträt des SPÖ-Stiftungsrates Niko Pelinka in einer Online-Ausgabe des Magazins Fleisch hat Freitagabend gehörig Wellen geschlagen. Darin wurde Pelinka zu seinem Verhältnis mit ORF-Chef Alexander Wrabetz sinngemäß damit zitiert, dass man sich über die Besetzung von der Diskussionssendung "Im Zentrum" abspreche: "Ja, wir telefonieren ziemlich häufig und seitdem er (Wrabetz, Anm.) Infodirektor ist, fragt er mich immer um meine Meinung, wer 'Im Zentrum' auftreten soll."

Nachdem die Austria Presse Agentur (APA) und der Branchenonlinedienst etat.at die Passage übernommen hatten, setzte hinter den Kulissen heftiges Telefonieren ein - Fleisch änderte schließlich die Passage ab. Begründung: "Nicht autorisiert". Pelinka selbst sieht sich falsch wiedergegeben.

Pelinka Junior sieht sich falsch wiedergegeben

Fleisch-Herausgeber Markus Huber begründete die teilweise Rücknahme gegenüber der APA am Freitagabend so: "Tatsache ist, dass ich für diese Geschichte ein elendslanges Band transkribiert und die Passage einfach missverständlich zusammengekürzt habe. Bei einer Autorisierung wäre das gleich zu Beginn aufgefallen und wir hätten die Passage so im Blatt gehabt, wie sie jetzt ist."

Ursprünglich war in dem Magazin, das über den Sommer auf PDF veröffentlicht wird, gestanden, Pelinka habe mit Wrabetz auch vor einer Ausgabe von "Im Zentrum" zur Ortstafelfrage diskutiert: "Als mich Alex (Wrabetz, Anm.) vor der Sendung angerufen und gefragt hat, wen er einladen soll, der Alex ist jetzt auch Infodirektor, weißt du, als er mich angerufen hat, hab ich jedenfalls gesagt, dass er nicht nur einen Slowenenvertreter einladen soll. Mir war klar, dass das nur schiefgehen kann."

"Wir telefonieren ziemlich häufig"

Die am Freitagabend von Fleisch mutierte Version lautet so: "Als mich Alex (Wrabetz, Anm.) vor der Sendung angerufen hat, hab ich jedenfalls gesagt, dass er nicht nur einen Slowenenvertreter einladen soll. Mir war klar, dass das nur schiefgehen kann." Und: "Wir telefonieren ziemlich häufig."

Huber bedauerte die Verwirrung um die Zitate, die in ORF- und in Journalistenkreisen bereits seit einigen Wochen kursierten. Die Zitate stammten aus einer gemeinsamem Straßenbahnfahrt, die Huber und Pelinka gemeinsam für ein Porträt mit Pelinka unternommen haben. Die Aussagen liegen nach Angaben des Fleisch-Herausgebers auch auf Band. Ob die veröffentlichen Zitate Pelinkas dem entsprechen, was aufgenommen wurde? "Kein Kommentar", so Huber.

Pelinka erbost, Wrabetz dementiert

Pelinka zeigte sich gegenüber der APA jedenfalls erbost: "Diese Zitate wurden ziemlich aus dem Zusammenhang gerissen." Das im Magazin zitierte Gespräch mit Wrabetz "fand lange nach der Veröffentlichung der Teilnehmer der Diskussion statt". Gegenüber dem Standard sagte Pelinka darüber hinaus, er habe erst nach der Sendung, die abwechselnd sein Vater Peter Pelinka und Ingrid Thurnher moderieren, mit Wrabetz telefoniert.

Alexander Wrabetz hat die Vorwürfe am Samstag in einer Aussendung zurückgewiesen. "Es gab weder mit Stiftungsrat Pelinka noch mit sonst jemandem diesbezügliche Absprachen. Generell halte ich fest, dass ich von Unzuständigen keine journalistischen Ratschläge annehme. Es ist selbstverständlich ausnahmslos Sache der jeweiligen Redaktion, wen sie zu einer Sendung einlädt", so Wrabetz.

Die Anschuldigungen, sowohl was die Sendung als auch die behauptete Einflussnahme betrifft, würden jeglicher Grundlage entbehren. Selbstverständlich gebe es regelmäßig Kontakte zu verschiedenen Mitgliedern des ORF-Aufsichtsgremiums, das sei nichts Ungewöhnliches, redaktionelle Belange seien dabei aber kein Thema, so Wrabetz. Er kritisierte, dass "wenige Tage vor der Wahl eine derart vordergründige Debatte losgetreten wird".

Dittlbacher erklärt Einladungsvorgang bei "Im Zentrum"

ORF-TV-Chefredakteur Fritz Dittlbacher betonte, dass "externe Ratschläge" zu ORF-Diskussionsrunden grundsätzlich "weder erwartet noch angenommen" würden. Zu der von Pelinka in dem vom Magazin "Fleisch" gebrachten Zitat angesprochenen Ausgabe zum Kärntner Ortstafelstreit sei die Gästeliste "klar auf der Hand" gelegen. Die Auswahl für die Gäste der Talksendungs sehen laut Dittlbacher wie folgt aus: "Für einen aktuellen Sonntagabend-Polit-Talk wie 'Im Zentrum' setzt sich die Redaktion für gewöhnlich bis Mitte der Woche eine Frist, um das interessanteste Thema zu definieren.

Über diese grundsätzliche Themenwahl findet dann selbstverständlich auch eine Information an das für den Aktuellen Dienst zuständige Geschäftsführungsmitglied, also Generaldirektor Alexander Wrabetz, statt." In weiterer Folge erstelle die Diskussionsredaktion in eigener Verantwortung eine Gästeliste, so Dittlbacher. "Hier geht es um Fragen der Relevanz, aber auch der Gesprächsdramaturgie. Diese Liste wird für gewöhnlich gegen Ende der Woche zuerst dem Generaldirektor und in weiterer Folge per Presseaussendung auch der interessierten Öffentlichkeit mitgeteilt."

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(apa / tem) Erstellt am
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