Ars Electronica: Wunderkammer der Techno-Kunst

Hirngymnastik: Die Ars Electronica bringt erstaunliche Projekte nach Linz. Ein Animationsfilm widmet sich den "Chernokids".
Foto: arselectronica

Musik aus Blitzen, Teilchenphysik und das soziale Netz: In Linz macht sich das Kunstfestival auf die Suche nach Quellen für einen Wandel zum Besseren.

Die Musik von Lady Gaga kann ziemliche Nebenwirkungen haben: positive (Tanzverlangen) und negative (Fluchtinstinkt). Aber beim Tesla Orchestra ist sie (potenziell) lebensgefährlich. Denn die US-Truppe macht Musik mit Blitzen.

Und zwar keinen kleinen: Durch zwei gewaltige Tesla-Spulen werden 26 Kilowatt Energie geschickt, die vier Meter hohe künstliche Blitze erzeugen. Und deren Millionen Volt an Spannung wird in Klangwellen verwandelt, die wiederum "Poker Face", "Final Countdown" oder "Also sprach Zarathustra" erklingen lassen.

Klingt schräg? Ist es auch, und damit perfekter Bestandteil in der Wunderkammer der Techno-Avantgarde, die das Computerkunst-Festival Ars Electronica jährlich in Linz öffnet. Ab heute, Mittwoch, bis zum 6. September dreht sich dabei alles um "Origin", um Orte, geschichtliche Momente und geniale Hirne, die Neues entstehen lassen.

Revolution

Hirngymnastik: Die Ars Electronica bringt erstaunliche Projekte nach Linz. Ein Animationsfilm widmet sich den "Chernokids". Foto: arselectronica Hirngymnastik: Die Ars Electronica bringt erstaunliche Projekte nach Linz. Ein Animationsfilm widmet sich den "Chernokids".

Für den künstlerischen Leiter Gerfried Stocker ist einer jener zentralen Freiräume des Denkens das Forschungszentrum CERN, mit dem das Festival kooperiert. Teilchenphysik, Urknall-Theorie und Weltall-Wissen werden auf ihr Potenzial hin abgefragt, positiven Wandel für die Menschen herbeizuführen.

Aber auch soziale Online-Plattformen (bei den Revolutionen im arabischen Raum) und die Kunst sind Starthilfen gesellschaftlicher Veränderungen. Die angesichts diverser Reformstaus ja auch hierzulande durchaus notwendig sind, wie die Festivalmacher betonen. So macht man sich auch in der Kunst auf die Suche nach "Neuland": Das Theater Hausruck veranstaltet eine gleichnamige theatrale "Prozession" zu einem Forschungscamp im Wald. Und der japanische Forscher Hiroshi Ishiguro stellt einen täuschend lebensechten Androiden auf eine Theaterbühne.

Grundzutaten der Ars Electronica

Hirngymnastik: Die Ars Electronica bringt erstaunliche Projekte nach Linz. Ein Animationsfilm widmet sich den "Chernokids". Foto: arselectronica Hirngymnastik: Die Ars Electronica bringt erstaunliche Projekte nach Linz. Ein Animationsfilm widmet sich den "Chernokids".

Natürlich gibt es auch wieder die Grundzutaten der Ars Electronica: Computeranimation und Neue Musik, den virtuellen Besuch von Online-Communities und den Blick auf jene Ideen, die von Vordenkern des Digitalen gesponnenen werden. Eine Schau im umfangreichen Programm untersucht, wovon Roboter wohl träumen, eine andere widmet sich dem Schleimpilz. Auch innovative Interfaces und eine Applaus-Maschine werden dem Publikum nähergebracht.

Der Klangkünstler Sam Auinger, heuer zentraler Künstler des Festivals, bewegt im Mariendom 100.000 Kubikmeter Luft. Am Freitag werden bei der traditionellen Gala wieder die "Goldenen Nicas" vergeben. Sie gehen u. a. an eine Performerin, die sich Pferdeblut injizieren lässt, und eine südamerikanische Polit-Website.
Und in der heurigen Klangwolke "Feuerwelt" (Samstag, 20.30 Uhr) geht es darum, wie eine außerirdische Intelligenz den Planeten Erde beschützt.

INFO: Ars Electronica 2011, von 31.8. bis 6.9. in Linz. Link zur Homepage siehe unten.

(kurier) Erstellt am
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