Die übernächste digitale Revolution

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Foto: /Ars Electronica/Caress of the Gaze / Behnaz Farahi Dieses Kleid weiß, wo das Gegenüber hinsieht

Das Linzer Festival Ars Electronica wirft einen Blick auf die Verknüpfung von Materie und Daten

Ein gewisses Schwindelgefühl stellt sich derzeit beim Gedanken an die Zukunft recht rasch ein: So richtig angekommen ist das Land noch nicht mal in der ersten digitalen Revolution, der mit den Online-Shops und schönen Webseiten. Da steht schon die nächste digitale Revolution vor der Tür: Das wird die sein mit den künstlich intelligenten Robotern, die viele der derzeitigen Jobs anstatt der Menschen machen können. Ob dadurch ausreichend neue Jobs entstehen werden, um die aus dem Job gedrängten Menschen zu beschäftigen, weiß man derzeit nicht.

Auch im Silicon Valley, dem derzeit wohl kapitalistischsten Ort der Welt, betrachten manche diese Entwicklung mit Sorge – und sprechen sich für eine Mindestsicherung aus.

Alchemie

Die Ars Electronica (8. bis 12. September), womit wir wieder beim Schwindelgefühl sind, beschäftigt sich schon mit der übernächsten Revolution. Das wird die sein, die nach den intelligenten Robotern und den selbstfahrenden Autos kommen wird – und bei der alles, was uns umgibt, mit der digitalen Welt direkt verknüpft sein wird. Da geht es im klitzekleine Roboter, die im menschlichen Körper Krankheiten "reparieren"; um ein Kleid, das weiß, wo das Gegenüber hinschaut; um jene künftige Verknüpfung von Atomen und Daten also, die unser Leben erneut grundlegend verändern wird. Es geht, so der Festivaltitel, um "radikale Atome", und um die "Alchemisten unserer Zeit". Jene Forscher, Ingenieure, Entwickler also, die unseren Alltag mit der digitalen Welt endgültig verschmelzen lassen werden.

Teenager

Etwas, worauf man sich in der technikbegeisterten Grundstimmung der digitalen Entwicklerszene freuen kann; aber auch etwas, auf das man mit Respekt, wenn nicht Sorge blicken kann.

"Das erste iPhone ist gerade einmal neun Jahre alt", sagt Festival-Chef Gerfried Stocker zum KURIER. "Wir sind wie Teenager, die glauben, schon alles zu beherrschen, aber eigentlich überfordert sind. Wir werden uns erst langsam der Dimension der Verantwortung bewusst, die das Entwickeln von Technologie mit sich bringt. Als Festival ist es eine wunderbare Möglichkeit, aber auch eine Verantwortung, dieses Feld aufzumachen. Und es ist wichtig, künstlerische Blickwinkel zu zeigen, und dadurch jene ambivalenten Momente zu erzeugen, wo wir Hin- und Hergerissen sind zwischen Begeisterung und dem Gefühl, dass es uns kalt über den Rücken läuft."

Themen sind die "smarte", vom Digitalen durchwirkte Materie, Robotik, Drohnen oder auch die Biotechnologie, also die direkten Eingriffe in den menschlichen Körper.

(kurier) Erstellt am
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