Kultur 05.12.2011

Anton-Wildgans-Preis für Doron Rabinovici

© Bild: apa

Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung wird dem österreichischen Schriftsteller am 9. September überreicht + Thomas-Mann-Preis an Jan Assmann

Doron Rabinovici erhält den von der österreichischen Industrie gestifteten Anton-Wildgans-Literaturpreis 2010. Rabinovici setze sich "in seinem literarischen Werk konsequent mit Fragen von Identität und Geschichte auseinander", wie es in der Jurybegründung heißt. "Wie komplex sich Geschichte manifestiert, Vergangenheit und Gegenwart einander durchdringen, erzählt er mit sanfter Genauigkeit, erzählerischem Raffinement und mit Witz." Der mit 10.000 Euro dotierte Preis wird dem Autor am 9. September im Haus der Industrie überreicht, wie heute, Mittwoch, in einer Aussendung der Industriellenvereinigung mitgeteilt wurde.

Rabinovici wurde 1961 in Tel Aviv geboren und lebt seit 1964 in Wien, wo er Geschichte, Ethnologie, Medizin und Psychologie studierte. 2000 promovierte er mit der historischen Arbeit "Instanzen der Ohnmacht". Zu seinen bisherigen Auszeichnungen zählen etwa der 3sat-Preis im Rahmen des Ingeborg-Bachmann-Preises 1994, der Preis der Stadt Wien für Publizistik oder der Heimito-von-Doderer-Förderpreis. Mit seinem aktuellsten Roman "Andernorts" schaffte es der Autor und Essayist im Vorjahr auch auf die Shortlist zum Deutschen Buchpreis.

Bernhard bekam 1968 Wildgans-Preis mit der Post

Der Anton-Wildgans-Preis wird seit 1962 von einer unabhängigen Jury an einen österreichischen Schriftsteller der jüngeren oder mittleren Generation vergeben, "dessen Schaffen die abschließende Krönung noch erwarten lässt". Zu den bisherigen Preisträgern zählten etwa Thomas Bernhard, Ilse Aichinger, Ingeborg Bachmann, Ernst Jandl, Christoph Ransmayr, Brigitte Hamann, Michael Köhlmeier, Peter Rosei, Wolfgang Hermann, Sabine Gruber oder Kathrin Röggla. Im Vorjahr wurde der in Innsbruck lebende Autor Alois Hotschnig ausgezeichnet.

1968 fand keine Verleihungszeremonie statt. Zwei Monate zuvor war nämlich die Verleihung des Österreichischen Staatspreises an Thomas Bernhard mit einem Skandal geendet. Deshalb wurde der Preisträger zum Festakt für den Wildgans-Preis kurzerhand ausgeladen. Die Preisurkunde wurde Bernhard mit der Post zugestellt.

Zweiter Thomas-Mann-Preis geht an Ägyptologen Jan Assmann

Der Thomas-Mann-Preis geht in diesem Jahr an den Ägyptologen Jan Assmann. Die Bayerische Akademie der Schönen Künste und die Hansestadt Lübeck würdigen damit die Arbeit des 73-Jährigen, wie die Akademie am Mittwoch in München mitteilte. Die mit 25.000 Euro dotierte Auszeichnung wird am 4. Dezember in der Münchner Residenz verliehen.

Assmann war von 1976 bis 2003 Professor für Ägyptologie in Heidelberg. Er verbinde in seinen Büchern souverän religionsgeschichtliche und anthropologische, literatur- und kulturwissenschaftliche Perspektiven, urteilte die Jury. Damit erreiche er nicht nur Experten, sondern eine breite Leserschaft. Seine Wissenschaftsprosa komme ohne Jargon und Imponiergehabe aus und gewinne so den literarischen Glanz großer Essayistik. Assmanns gesamtes Werk sei im Geiste des Romanciers und Essayisten Thomas Mann geschrieben.

Der Thomas-Mann-Preis wurde erstmals im vergangenen Jahr verliehen. Preisträgerin war die Schriftstellerin Christa Wolf.

Erstellt am 05.12.2011