Jack O’Connell spielt den amerikanischen Olympialäufer und Kriegshelden Louis Zamperini, der in japanische Gefangenschaft gerät und von Kommandant Watanabe (Miyavi) gequält wird: „Unbroken“

© UPI

Jolie als Regisseurin
01/12/2015

"Therapiesitzung war es keine"

Der Brite Jack O’Connell und der Japaner Miyavi über ihre Rollen in Angelina Jolies Kriegsdrama "Unbroken".

von Alexandra Seibel

In Japan ist Miyavi ein berühmter Rockstar. In Angelina Jolies neuem Film "Unbroken" jedoch kratzt der 33-Jährige schwer an seinem Beliebtheits-Image. In Jolies Weltkriegsdrama "Unbroken" (Kinostart: Donnerstag) übernahm Miyavi die Rolle eines perfiden Sadisten, der als Kommandant eines japanischen Gefangenenlagers die Insassen quält. Und ganz besonders den US-Soldaten Louis Zamperini, einstiger Olympia-Teilnehmer für die Amerikaner in Hitlers Berlin von 1936. Auf Zamperini hat Miyavi als Kommandant Watanabe ein besonders scharfes Auge geworfen: Er lässt keine Gelegenheit aus, Zamperini zu demütigen und aufs Ärgste körperlich zu malträtieren.

Während der Dreharbeiten habe er sich übergeben, so schwer wäre es ihm gefallen, diese brutalen Szenen zu drehen, erzählt Miyavi mit schwacher Stimme im KURIER-Gespräch. Und fügt hinzu: "Ich hoffe, die Leute hassen mich nicht dafür."

Mit "die Leute" meint er seine japanischen Landsleute. Und tatsächlich rief "Unbroken" bereits japanische Nationalisten auf den Plan, die sich über die "bösartige" Darstellung Watanabes entrüsteten und zu einem Boykott des Films aufriefen. Miyavi selbst beschwört die Friedensbotschaft von Jolies verklärendem Heldenepos: ",Unbroken‘ will eine Brücke zwischen Japan und den USA bauen. Es geht um Vergebung und um Versöhnung."

Absturz

Louis Zamperini, Sohn italienischer Einwanderer, wuchs in Kalifornien auf und entwickelte sich prächtig zum Kleinkriminellen. Erst durch den Zuspruch seines Bruders begann er mit intensivem Sporttraining und mauserte sich als talentierter Läufer zum Olympia-Teilnehmer. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs stürzt er als Mitglied einer Bomberbesatzung über dem Pazifik ab. Unglaubliche 47 Tage lang treibt Louie mit zwei Kameraden in einem Schlauchboot auf offener See. Zuletzt wird die marode Truppe von einem japanischen Kriegsschiff aufgegriffen. Doch dann, in japanischer Gefangenschaft, geht das Martyrium erst so richtig los.

Ausgerechnet ein waschechter Brite mit irischem Hintergrund, Jack O’Connell, übernahm die Rolle des Zamperini, einem Prototypen amerikanischer Heldenhaftigkeit. O’Connell hungerte sich von seinen 66 Kilo Lebendgewicht auf 56 hinunter, um dem Gefangenen realistischer darstellen zu können.

Er habe Zamperini, der im vergangenen Juli 97-jährig verstorben war, noch persönlich kennengelernt, berichtet O’Connell in schwer verständlichem Brit-Akzent: Dieser hätte ihm mit viel Humor geholfen, seine Schüchternheit zu überwinden: "Louie war ein typischer Vertreter der alten Generation", sagt O’Connell: "Er hat nicht viel von seinen Gefühlen erzählt, sondern alles in amüsantem Licht dargestellt. Therapiesitzung war es also keine. Aber gerade dadurch habe ich auch sehr viel über seinen Charakter erfahren."

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.