Kultur
20.01.2013

And the Oscar goes to Österreich

Zahlreiche Österreicher wurden bereits mit dem begehrtesten Filmpreis der Welt ausgezeichnet.

Das tut gut in Zeiten, da Namen wie Strasser, Mensdorff, Scheuch & Co die Schlagzeilen beherrschen: Dass es auch Österreicher gibt, die das Ansehen des Landes in aller Welt heben. Zurzeit dringt Austria wieder einmal bis nach Hollywood vor, wo sich Christoph Waltz und Michael Haneke bei der 85. Oscar-Verleihung am 24. Februar gleich mehrfach in Stellung bringen. Die beiden Wiener sind für insgesamt sechs Awards nominiert.

„Man gewöhnt sich dran“

„Ach Gott, man gewöhnt sich dran“, sagte Billy Wilder im schönsten Wienerisch, als er mir vor gut 20 Jahren im Bücherregal seines Appartements in Los Angeles seine sieben Oscars zeigte. „Um ganz ehrlich zu sein, sie stehen mir ein bisschen im Weg herum“, ätzte er, während er sie mit einem Staubwedel reinigte, „denn jeder Oscar nimmt mir den Platz für zwei Bücher weg“. Wilder ist einer von bisher 17 österreichischen Oscar-Preisträgern. 112 Mal wurden Österreicher für den Award nominiert, 34 Oscars wurden überreicht – doch ganz exakt sind diese Zahlen nicht, weil es einige „Streitfälle“ gibt.

In Hollywood werden seit mehr als 100 Jahren Filme gedreht, aber aus Österreich stammende Regisseure wie Billy Wilder und Fred Zinnemann (dessen Film „High Noon“ 1953 vier Oscars abräumte) waren es, die den amerikanischen Film mit Charme, Witz und Erotik bereicherten. „Die beiden wichtigsten Wörter der Filmindustrie sind Billy und Wilder“, meinte Alfred Hitchkock, der es wissen musste.

Die Österreicher bei den Oscars

Die Österreicher bei den Oscar

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ANKUNFT VON OSCAR-PREISTRAEGER STEFAN RUZOWITZKY I

Nominierungen fuer den Europaeischen Filmpreis 201

Actor Christoph Waltz arrives at the 70th annual G

Judgement at Nuremberg

Florian Henckel von Donnersmarck

Der gro§e Ziegfeld

Viele der mit Oscars geehrten Österreicher aus den frühen Tagen des Films sind längst vergessen, für die Geschichte Hollywoods aber nicht minder bedeutsam. Darunter Kameraleute, Ausstatter und Cutter, aber auch die Komponisten Max Steiner (21 Nominierungen, drei Oscars) und Erich Wolfgang Korngold (zwei Oscars). Die Beiden kannten einander noch aus Wien, doch während es nach dem Zweiten Weltkrieg in Hollywood um Korngold ruhiger wurde, setzte Steiner seine Karriere mit immer neuen Erfolgen fort. Als Korngold 1957 seinen 60. Geburtstag feierte, hielt Steiner eine Laudatio, die mit den Worten endete: „Ich kann es gar nicht verstehen, lieber Korngold, dass ich in Hollywood nach wie vor gefragt bin, aber nach dir kein Hahn mehr kräht!“

Korngold erwiderte: „Schau, lieber Max, das mit dem Erfolg ist ganz einfach. Seit 20 Jahren schreibst du von mir ab, und seit 20 Jahren schreib ich von dir ab. Da darfst du dich nicht wundern, dass du erfolgreicher bist als ich.“

Fred-Astaire-Musicals

Anzufügen ist noch, dass Max Steiner die Melodien für mehrere Fred-Astaire-Musicals, für „Vom Winde verweht“ und „Casablanca“ (allerdings nicht das Hauptmotiv „As Time goes by“) geliefert hatte und Korngold für „Robin Hood“.

Ehe wir uns voller Stolz über so viele oscargekrönte Österreicher auf die Brust klopfen, sei festgehalten, dass die meisten von ihnen überhaupt nur deshalb in die Vereinigten Staaten gelangt waren, weil sie die Nationalsozialisten als Juden aus ihrer Heimat vertrieben hatten.

Zu ihnen zählen auch Walter Reisch, der 1954 den Oscar für das beste Drehbuch („Titanic“) bekam und die Produzenten Sam Spiegel („Lawrence von Arabien“) und Eric Pleskow („Einer flog über das Kuckucksnest“, „Rocky“ und „Der Stadtneurotiker“).Während der heute 88-jährige Eric Pleskow, dessen Filme 14 Oscars einstreiften, in Wien zur Welt kam, stammten andere mit dem Award geehrte Filmleute aus den Kronländern der österreichisch-ungarischen Monarchie. So wurden Fred Zinnemann, Sam Spiegel und Billy Wilder – der dann in Wien das Gymnasium besuchte und hier auch als Reporter arbeitete – in Galizien geboren und Erich Wolfgang Korngold in Brünn. Der Regisseur Michael Curtiz, der für „Casablanca“ den Oscar für den besten Film des Jahres 1942 erhielt, kam noch zu k. u. k. Zeiten in Budapest zur Welt, drehte aber seine ersten großen Filme in Wien.

Oscar für die beste Musik

In mehreren Fällen ist es eine Streitfrage, ob der Oscar „uns“ gehört. So wurde die heute 103-jährige, zweifache Oscar-Preistägerin Luise Rainer, als sie 1935 nach Hollywood kam, von ihrer Produktionsfirma als „Star from Vienna“ präsentiert, obwohl sie in Düsseldorf geboren wurde – weil Schauspieler aus Hitler-Deutschland in den USA verpönt waren. Allerdings hatte sie ihre Karriere tatsächlich am Wiener Theater in der Josefstadt begonnen. Aus Berlin stammte der ebenfalls als Österreicher geltende (und in Wien aufgewachsene) Komponist Frederick Loewe („My Fair Lady“, Oscar 1959 für das Filmmusical „Gigi“).

In unseren Tagen sind die Gründe für eine nachträgliche „Austrifizierung“ von Oscar-Preisträgern wesentlich humaner: Sowohl der Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck, der 2007 für „Das Leben der Anderen“ mit dem Oscar prämiert wurde, als auch Chistoph Waltz (2010 für „Inglourious Basterds“ und heuer nominiert für „Django Unchained“) besitzen die deutsche und die österreichische Staatsbürgerschaft und werden da wie dort als Oscar-Preisträger in Beschlag genommen.

Der kleine Bruder

In Wien kam Maximilian Schell zur Welt, der am Beginn seiner Karriere oft als „kleiner Bruder“ seiner um fünf Jahre älteren Schwester Maria Schell bezeichnet wurde. Als ihm 1962 der Oscar als bester Hauptdarsteller für die Rolle eines Verteidigers in dem Film „Das Urteil von Nürnberg“ verliehen wurde, dachte er, dass sich das damit endlich ändern würde. „Doch was geschah?“, lächelt er heute, „ich kam nach Deutschland, schlug die Zeitung auf, und da stand in großen Lettern: ,Der Bruder von Maria Schell gewinnt den Oscar.’“

Die Herren Stefan Ruzowitzky (Oscar für „Die Fälscher“, 2008) und der heuer für „Amour“ fünffach nominierte Michael Haneke mögen den Hinweis verzeihen, dass in den USA – wenn auch oft zu Unrecht – kein Oscar so wenig Ansehen genießt wie der für den besten ausländischen Film. Womit wir einmal mehr beim großen Spötter Billy Wilder angelangt wären. Als der in den 1950er-Jahren mit den Dreharbeiten zu „Boulevard der Dämmerung“ begann, wies er seinen Kameramann an: „Johnny, immer etwas unscharf und leicht verwackelt. Ich möchte unbedingt den Oscar für den besten ausländischen Film gewinnen.“