ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz an seiner "Medienorgel": Karikatur von Thomas Wizany, 2009

© Thomas Wizany, 2015

Kunst
01/25/2015

An Medienorgel und Lagerfeuer

Das Karikaturmuseum Krems zeigt das Verhältnis von Fernsehen und satirischer Zeichnung in einer Ausstellung - bis Jänner 2016.

von Michael Huber

Arge Verwicklungen im österreichischen Rundfunk“, betitelte Gustav Peichl alias „Ironimus“ eine Karikatur im Jahr 1956. Besagter Rundfunk war da gerade einmal ein Jahr auf Sendung. Doch ÖVP und SPÖ – bei Ironimus durch Männer mit Trachtenjanker respektive Drei-Pfeile-Anstecker personifiziert – hatten sich bereits heillos im Gewühl von Mikrofonen und Kabeln verheddert.

In der Ausstellung „Das Fenster zur Welt“, die bis 10. Jänner durch die Linse der Karikatur auf Österreichs Medien- und Zeitgeschichte blickt, bleibt das politische Gerangel konstantes Thema.

Dass Fernsehen in Österreich außergewöhnlich lange einem Monpol unterlag und auch später mit den politischen Kräften im Land eng verbunden blieb, machte das TV-Gerät für Österreichs Zeichner stets zu einem idealen Prisma für den Blick auf die Verhältnisse. Manche Zeichner - wie Erich Sokol, der als Art-Director des ORF auch das bis heute bestehende ovale Logo des Hauses entwarf - hatten zudem einen Insider-Blick auf das Geschehen.

Doch auch wenn Gottfried Gusenbauer, Direktor des Karikaturmuseums Krems und Kurator der Schau, eine dezidiert österreichische Auswahl von Zeichnungen zeigt, lässt er es nicht bei nur einem Thema bewenden. Denn ganz generell ist das Fernsehen als „Sehmaschine“ und Oberfläche der gesiebten und simplifizierten Bilder fast zwingend mit der Karikatur verbunden: Durch die ironische Spiegelung der Medienwelt verbinden Zeichner Sozialkritik, Medienkritik und politischen Kommentar mit nur wenigen Strichen.

Familien-TV

So spürt eine Reihe von Zeichnungen in der Schau dem Einfluss des Fernsehens auf das Zusammenleben nach: Das Bild „Hauskonzert“ von Alfred Gerstenbrand (1957), auf dem sich eine Menschengruppe im Wohnzimmer um das Gerät versammelt, illustriert noch Marshall McLuhans Idee vom Fernsehen als neuem Lagerfeuer. Bei Gerhard Haderers „Fernsehfamilie“ (1990) sitzt schon jedes Familienmitglied isoliert vor einem eigenen TV-Schirm.

Dass das Weltgeschehen seit dem Siegeszug der „Flimmerkiste“ stets auch durch die Mechanismen des Fernsehens gefiltert wird, ist ein weiterer roter Faden der Schau.
Erich Sokol thematisierte diesen Umstand anlässlich des WM-Siegs von Muhammad Ali 1965, Rudolf Angerer angesichts der Mondumkreisung 1968; KURIER-Karikaturist Michael Pammesberger – er ist ebenso wie KURIER-Zeichner Tex Rubinowitz mit mehreren Blättern vertreten – machte die Medienperspektive auf Österreichs „Großereignisse“ des Jahres 2008, das Keller-Drama in Amstetten und die Fußball-EM, offensichtlich. Das letzte große Medienereignis, die Anschläge auf „Charlie Hebdo“ in Paris, hat Gusenbauer mit einem Bild des US-Zeichners Ruben L. Oppenheimer noch rasch mit berücksichtigt.

Infos

Die Ausstellung „Das Fenster zur Welt – Fernsehen in der Karikatur aus den letzten 60 Jahren“ ist bis zum 10. Jänner 2016 im Karikaturmuseum Krems zu sehen. Mehr als 40 Arbeiten von 26 Karikaturisten und Karikaturistinnen sind ausgestellt. Noch bis 22. Februar läuft außerdem eine Ausstellung des famosen Zeichners Jakob Kirchmayr sowie eine Schau des Malers und „Titanic“– Illustrators Rudi Hurzlmeier.

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