Kultur
28.12.2017

"Alte Jungs": Ausstieg aus dem Seniorenheim

Harmlose Tragikomödie um vier ältere Luxemburger, die eine Alters-WG gründen wollen.

Die Geschichte ist schnell erzählt: Eine Gruppe von älteren Herren hat es satt, im Altersheim wie debile Kinder behandelt zu werden, will ausziehen und eine Art autonome Wohngemeinschaft für Pensionisten gründen.

Diese Prämisse hat man schnell kapiert. Viel schwieriger schon die Frage: Welche Sprache sprechen sie eigentlich, diese alten Jungs? Ist das Jiddisch? Oder eine seltsame Form von Vorarlbergerisch? Oder doch Französisch?

Stellt sich heraus, es ist luxemburgisch – und das ist auch schon so ziemlich das Aufregendste, was sich über diese etwas zerfranste Tragikomödie Made in Luxemburg sagen lässt.

Dass auch ältere Herrschaften gern ins Kino gehen, sich verlieben wollen und womöglich noch Sex haben, hat die Filmindustrie längst begriffen. Von "Best Exotic Marigold Hotel" über "Abgang mit Stil" und "Ein Mann namens Ove" bis hin zu – auf gut Wienerisch – Karl Merkatz in "Anfang 80" werden Dramedies mit Oldies, but Goldies aus aller Welt vom Stapel gelassen. Nur Luxemburg hat bislang gefehlt.

Kuckuck

Wie sich herausstellt, leiden auch dort ältere Menschen darunter, dass man sie ins Heim abschiebt, auf ihr gespartes Geld scharf ist und ihnen seitens einer ins Karikaturhafte gezerrten Heimleiterin der Pornokanal im Fernsehen abgedreht wird.

Vier alte Knaben beschließen daraufhin den Ausstieg aus dem Seniorenheim bzw. werden von besagter Heimleiterin vor die Tür gesetzt. Gemeinsam versuchen sie Kapital aufzustellen, um eine Immobilie für die geplante Hausgemeinschaft in Stand zu setzen.

Der Charme von Andy Bauschs Ensemblespiel liegt in der unaufgeregten Milieubeschreibung einer luxemburgischen (unteren) Mittelschicht, die vom sozialen Abstieg bedroht ist. Der Kuckuck klebt bereits auf der Xbox und Bagger lauern vor der Schrebergartensiedlung, wo sich Pensionisten und Zugereiste mit Mühe die Miete leisten können.

Allerdings plagen zwangsoriginelle Drehbucheinfälle den Verlauf der Story: Eine skurrile Erbtante wird aus dem Hut gezaubert, eine uneheliche Tochter samt Kind eröffnet einen weiteren Nebenschauplatz und eine medizinische Diagnose sorgt für Drama. Unentschlossen mäandert die Handlung zwischen den einzelnen Figuren hin- und her, weiß nicht recht, ob sie lustig oder traurig sein soll – und entscheidet sich zuletzt für das Harmlose.

INFO: LUX 2017. 111 Min. Von Andy Bausch. Mit André Jung, Marco Lorenzini, Paul Greisch.

KURIER-Wertung:

Psychothriller im Stil von Vincent van Gogh

Als ein Werk der Superlative verkauft sich der vibrierende Animationsthriller "Loving Vincent", der vollständig handgemalt wurde und dabei Bildmotive aus dem Werk von Vincent van Gogh verwendet.

Mord oder Selbstmord? Diese Frage beschäftigt einen jungen Mann, der im Auftrag seines Vater die näheren Todesumstände des berühmten Malers erforscht und in einem französischen Dorf die Bewohner zur Zeugenschaft aufruft. Flirrende, farbenfrohe Bilder im Van-Gogh-Stil werden nur durch bewegungsberuhigte Rückblenden in fotorealistischem Schwarzweiß unterbrochen und strengen das Auge auf die Dauer an. Trotzdem fließen sie zu einer intimen Bilderwelt zusammen, in der sich Vincent van Gogh s letzte Lebensmonate temperamentvoll entfalten.

INFO: GB/PL 2017. 134 Min. Von Dorota Kobiela, Hugh Welchman. Mit Douglas Booth.

KURIER-Wertung:

Bursche mit der Burka spricht mit hoher Stimme

Billy Wilders Cross-Dressing-Klassiker "Manche mögen’s heiß" stand Pate für die derbe Verkleidungs-Klamotte "Voll verschleiert" der iranisch-französischen Filmemacherin Sou Abadi – ein Vergleich, der den naiven Verwechslungs-Slapstick zusätzlich schwächt. Immerhin kann man der Regisseurin nicht vorwerfen, sich über Religionsvertreter ungehörig lustig zu machen: Zwei junge Franzosen – Armand mit iranischen, Leila mit arabischen Wurzeln – sind verliebt. Doch dann kehrt Leilas Bruder schwer islamistisch radikalisiert aus dem Jemen zurück und sperrt seine Schwester ein. Um sie weiterhin besuchen zu können, verkleidet sich Armand hinter einer Burka, spricht mit hoher Stimme(!) und studiert den Koran so überzeugend, dass sich Leilas Bruder in ihn verliebt. Bestenfalls sympathisch.

INFO: F 2017. 88 Min. Von Sou Abadi. Mit Félix Moati, William Lebghil, Camélia Jordana.

KURIER-Wertung:

Donnerhonig macht Bären stark wie Obelix

"Wenn alle immer nett zu dir sind, kannst du gar nicht anders als auch nett zu sein": Es ist der Einfluss von Bamse, dem liebsten und stärksten Bären der Welt, den ein kleines Dorf im Wald dieses Glücksmotto verdankt. Bamse dreht auch noch die größten Gauner um, verwandelt Einbrecher in Fahrlehrer und Piraten in Gärtner. Den nötigen Eindruck verschafft sich der goldfarbige Brummer mit Hilfe des Donnerhonigs, der von Großmutter stammt, Bauchweh verursacht und stark macht wie Obelix. Quasi eine Art Zaubertrank für Bären. Als doch wieder einmal ein verschlagener Fuchs im Club der Harten Kerle an die niederen Instinkte der Dorfbewohner appelliert, beginnt ein neues Abenteuer. Buntes, simpel animiertes und liebes Bärchenabenteuer aus Schweden für (kleine) Kinder.

INFO: Schweden 2014. Von Christian Ryltenius.

KURIER-Wertung: