Kultur 17.07.2017

Alt-J im Interview: Morbide Albtaumbilder

Gus Unger-Hamilton (links) und Joe Newman von der britischen Band Alt-J © Bild: Jack Plunkett/Invision/AP

Das Alternative-Trio eröffnet am Donnerstag das heurige "Out Of The Woods"-Festival.

Ein Pool irgendwo in London: Joe Newman, Sänger von Alt-J, und Keyboarder Gus Unger-Hamilton stehen am Rand, während ihre Freundinnen im Wasser planschen. Aber das ist kein feier Tag für die Musiker, sie arbeiten hier an ihrem kürzlich veröffentlichten Album "Relaxer".

"In dem Song ,3WW’ gibt es die Zeile: ,Die Mädchen vom Pool sagen hi’. Dazu wollten wir einen Sound, der diesem Text Atmosphäre gibt. Also haben wir die beiden gebeten, zum Pool zu kommen, ein bisschen zu planschen, dabei ,Hi’ zu sagen und haben das mit dem Laptop aufgenommen", erzählt Unger-Hamilton im KURIER-Interview.

Es gibt noch mehrderartige Sound-Tricks, die Alt-J in " Relaxer" eingebaut haben. Für den Song "Pleader" fuhr das Trio in die Ely Cathedral in Chambridgeshire, wo Unger-Hamliton als Bub im Kirchenchor gesungen hatte.

"Wir haben dort einen Knabenchor und die Kirchenorgel aufgenommen, weil wir für diesen Song ein feierliches Feeling haben wollten." Und auf "House Of The Rising Sun" (kein Cover, sondern eine Neubearbeitung mit etwas anderer Melodie und neuem Text) spielt ein Orchester von 20 Gitarren, das Alt-J nur für diese Aufnahme zusammengestellt haben.

Dämonisch

Nicht nur deshalb hat "Relaxer" durchwegs dichte Atmosphäre. Mit diesem Album sind Alt-J noch ein bisschen exzentrischer geworden, mischen verspielt diverse Stile ineinander, haben hier ein Streich-Orchester dabei, dort eine Collage aus Geräuschen. Und immer das Wechselspiel zwischen harmonischer Schönheit und bedrohlich dämonischen Tönen.

Insofern ist der Titel "Relaxer" irreführend. Das Album ist im Gegenteil extrem spannend und geht tief unter die Haut. "Das Wort ,Relaxer’ stammt aus dem Song ,Deadcrush’. Da hatten wir am Ende die Zeile ,I am a relaxer’ im Text. Die haben wir dort wieder rausgenommen, aber da hatten wir uns schon darauf festgelegt, dass das ein schlagkräftiger, überzeugender Albumtitel ist."

"Deadcrush", erzählt Unger-Hamilton weiter, handle davon, dass jemand eine Frau entdeckt, sich in sie verliebt und draufkommt, dass sie längst tot ist. Ausgegangen seien die drei dabei von einem Gespräch über weibliche Idole, die viel zu früh verstorben sind.

Ähnlich morbid ist das Cover des Albums: Es zeigt ein stilisiertes Mordopfer und ist ein Screenshot aus dem alten, surrealen Playstation-Game "LSD Dream Emulator". "Wir sahen das Bild im Internet und haben es gleich gemocht – ohne zu wissen, woher es stammt", sagt Unger Hamilton. "Als wir das dann rausgefunden hatten, haben wir es gleich noch viel mehr gemocht!"

Leslie Feist, Headliner des Finaltages
© Bild: APA/HERBERT PFARRHOFER

"OUT OF THE WOODS"-INFOS

Programm-Highlights:

Donnerstag, 20. Juli, Hauptbühne: Milky Chance (21.00), Alt-J (22.30)

Freitag, 21. Juli, Hauptbühne: Metronomy (19.30), Foals (21.00), Phoenix (22.45)

Samstag, 22. Juli, Hauptbühne: Kensington (17.00), The Strumbellas (18.15), Benjamin Clementine (19.30), SOHN (21.00), Feist (23.00)

Infos & Karten:

Alle weiteren Infos zu dem Festival im Zelt von Wiesen gibt es unter: www.outofthewoods.at

Tageskarten und Festivalpässe gibt es unter: 01/96 0 96 oder www.oeticket.com

Out Of The WoodsHighlights des ProgrammsDonnerstag, 20. Juli, Hauptbühne: Milky Chance (21.00) Alt-J (22.30) Freitag, 21. Juli, Hauptbühne: Metronomy (19.30), Foals (21.00), Phoenix (22.45) Samstag, 22 Juli, Hauptbühne: Kensington (17.00), The Strumbellas (18.15), Benjamin Clementine (19.30), SOHN (21.00), Feist (23.00) Infos & KartenAlle weiteren Infos zum Festival in Wiesen: www.outofthewoods.at Tageskarten und Festivalpässe unter 01/96 0 96 oder www.oeticket.com
( kurier.at ) Erstellt am 17.07.2017