Das RSO Wien eröffnete das Wiener Festival für Gegenwartsmusik

© © Markus Sepperer

Also begann Wien Modern mit Walzer-Anklängen
10/30/2014

Also begann Wien Modern mit Walzer-Anklängen

Im Konzerthaus wurde mit teils überraschenden Klängen in die Programmschwerpunkte des Festivals eingeführt.

von Peter Temel

Bei der Eröffnung des Festivals für Gegenwartsmusik wurden im Wiener Konzerthaus Hörerwartungen des Publikums auf teils überraschende Weise gebrochen.

Doch zunächst zum gesprochenen Teil: Wien-Modern-Präsident Matthias Naske erinnerte an die 1988 erfolgte Gründung des Festivals durch den heuer verstorbenen Claudio Abbado. Wiederaufführungen seien von Beginn an wichtiger gewesen als Uraufführungen, „Dynamik und Realitätsbezug“ versuche man in Einklang zu bringen.

Eröffnungsredner Philipp Blom spannte einen Bogen von 1914 zu 2014. Der deutsche Historiker („Der taumelnde Kontinent“) ging auf kulturelle Wandlungsprozesse im Vorfeld des Ersten Weltkriegs ein und verwies auf „plurale Grammatiken“, die heute nebeneinander stünden. Die Aufbruchsstimmung von damals sei in Europa einer Angst vor Veränderung gewichen, man wolle, "dass die Gegenwart nicht aufhört".

Irritation durch vertraute Klänge

Das erste Stück des Abends ist als Vorgriff auf den Festivalschwerpunkt „on screen“ zu verstehen, der zeitgenössische Musik und Film/TV in Beziehung zueinander setzt. Bernhard Lang widmet seine „Monadologie XXIII“ (2013) der Filmmusik Stanley Kubricks aus „2001: Odysee im Weltraum“, also Werken von Strauss, Strauß und Ligeti. Wenn ein Festival für zeitgenössische Musik mit dem weithin bekannten "Sonnenaufgang" aus "Also sprach Zarathustra" beginnt, dann sorgt das im Publikum für Schmunzeln bis Unverständnis. Eine Musikrichtung, die schon definitionsgemäß Hörerwartungen durchbricht, wird hier also im umgekehrten Sinne auf die Probe gestellt.

Freilich werden Strauss‘ imposante Klänge schließlich genauso verfremdet, gebrochen, zerhackt, wie der kurz angespielte „Donauwalzer“. Dennoch eine harte Probe für geübte Festivalgeher. Dass Lang die Idee im Gespräch mit dem künstlerischen LeiterMatthias Lošekentwickelt hat, verwundert nicht. Versucht dieser doch das Festival für vielerlei Musikformen zu öffnen.

Zwingender im Sinne der Neuen Musik geht es in Gérard Griseys „Transitoires“ aus „Les Espaces Acoustiques Nr. 5“ von 1981 zur Sache. Die aus Klanganalysen extrahierte Komposition baut sich im ORF-Radio-Symphonieorchester (RSO) bis hin zu explosionsartigen Wallungen auf. Pulsierende Kontrabässe und E-Gitarren lassen zwischendurch an Industrial-Musik denken, bevor alles in einer melodiösen Weise, von einer Solo-Bratsche gespielt, ausklingt.

Jagd nach Frequenzen

Im zweiten Teil folgt schließlich ein Leckerbissen für Feinspitze: Im „Concerto grosso Nr. 2“ des Schwerpunktkomponisten Georg Friedrich Haas wird das bisher schon von Cornelius Meister präzise geführte RSO Wien partiturgemäß und in einem Rückgriff auf die barocke Form des Concerto grosso um absolute Moderne-Experten erweitert. Die Solo-Musiker vom Klangforum Wien, in besonderem Maße geschult an mikrotonaler Musik, hatten auch noch jeweils Stimmgeräte zur Verfügung, um die geforderten Frequenzen exakt zu erreichen.

Wie der Komponist es verlangt, sorgen die Unterschiede in der Präzision bei den Obertönen für vibrierende Klangflächen und gewollte „Störungen“. Eine intellektuell wie sinnlich spannungsreiche Verschmelzung, die für die folgenden drei Wochen auf weitere herausragende Klangerlebnisse hoffen lässt.

KURIER-Wertung:

INFOS: www.wienmodern.at

Programmänderung für Arditti Quartet

Wie Wien Modern am Donnerstag in einer Aussendung bekanntgab, kann das 8. Streichquartett von Georg Friedrich Haas, geplant für den 11. November, nicht aufgeführt werden. Irvine Arditti habe das Festival darüber informiert, dass die Vorbereitungszeit zu knapp bemessen war, um das komplexe Werk angemessen zu präsentieren. Aus künstlerischer Verantwortung dem Werk von Georg Friedrich Haas gegenüber habe sich das Arditti Quartet in Absprache mit der Festivalleitung und dem Komponisten entschlossen, das neue Werk nicht aufzuführen.

Das Arditti Quartet feiert heuer sein 40-jähriges Bestehen, was auch bei Wien Modern mit mehreren Aufführungen gewürdigt wird.

Aktuelles Programm:

Mo 10. November: Arditti Quartet I; 1. Streichquartett, 6. Streichquartett, 4. Streichquartett, 19.30 Uhr, Wiener Konzerthaus, Mozart-Saal Mo 10. November: Arditti Quartet "late at night"; NEU: 3. Streichquartett "In iij. Noct."; 22.00 Uhr, Wiener Konzerthaus, Berio-Saal Di 11. November: Arditti Quartet II; NEU: 2. Streichquartett, 5. Streichquartett, Lair für Streichquartett, 7. Streichquartett; 19.30 Uhr, Wiener Konzerthaus, Mozart-Saal Di 11. November: Arditti Quartet "late at night" ; NEU: 3. Streichquartett "In iij. Noct."; 22.00 Uhr, Wiener Konzerthaus, Berio-Saal

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