Kultur
27.02.2015

Als Weltmusik noch nicht erfunden war

Die französischen Balkanjazzer Bratsch kommen auf ihrer Abschiedstournee nach Österreich.

Sie haben Balkan, Kletzemer und Spielarten von Jazz schon miteinander vermischt, als es das Wort "Weltmusik" noch gar nicht gab.

Nach mehr als 40 Jahren wollen die Wandermusikanten von "Bratsch", deren Bandname sich von der Bratsche , dem Begleitinstrument der fahrenden Musiker ableitet, nun sesshaft werden. Die französischen Balkanjazzer beenden mit Jahresende ihr Band-Projekt, wie Gründer Bruno Girard im KURIER-Gespräch erzählt. "Wir haben Jahrzehnte lang alles unserem gemeinsamen Projekt untergeordnet. Jetzt ist es Zeit, eigene Wege zu gehen", sagt der Geiger und Bratschist. In den späten siebziger Jahren begannen russische Folklore und osteuropäische Klänge zaghaft in Paris Fuß zu fassen. Damals lernte Bruno Girard, der seit seinem neunten Lebensjahr Geige spielt, den Gitarristen Dan Gharibian kennen, dessen armenische Wurzeln die gemeinsame Musik beeinflussen sollten. Doch erst viel später, mit dem Fall der Mauer und der Ostöffnung, mit den Filmen von Emir Kusturica ("Die Zeit der Zigeuner") und Tony Gatlif ("Vengo") wurde Balkanmusik breitenwirksam, der Begriff "Weltmusik" zum Hype. Bratsch, heute mit Bruno Girards Sohn Théo bereits in der zweiten Generation, gehören zu den populärsten Livebands ihres Genres, in Frankreich sind sie Stars, international zählen Kollegen wie Calexico zu ihren Fans.

Mitreißend und melancholisch zugleich, verbinden sie politisches Engagement mit folkloristischer Ballade und einer Prise zarter Ironie– Swing, Musette und Tarantella. Am 8. März kommt das Quintett aus Gitarre, Violine, Klarinette, Kontrabass und Akkordeon nach Salzburg, am 10. März nach Wien und am 11. nach Baden und jeder, der sich nun zum ersten Mal hört, wird sich fragen: Warum erst jetzt?