Kultur 16.03.2016

Alles Kaiser: Vierteilige Sonderausstellung zu Franz Joseph

Honorarfreies Pressebild © Bild: /© Schloß Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H/Sascha Rieger

Schönbrunn, KHM, Hofmobiliendepot und Schloss Niederwieden: Ein ausführlicher Blick auf die und hinter die Kulissen des Monarchendaseins.

Mozartjahr, Kaiserjahr: Alle paar Jahre kann Österreich aus Anlass halb- oder ganzrunder Geburts- oder Todestage seine touristischen und kulturhistorischen Kernkompetenzen in voller Pracht präsentieren. Heuer ist wieder Kaiserjahr, ein wirklich rundes noch dazu: Vor 100 Jahren starb Kaiser Franz Joseph, dort, wo er 1830 auch geboren war, im Schloss Schönbrunn. Anlass für eine ausführliche Würdigung, die sich dem mythenumrankten ehemaligen Herrscher auch teilweise kritisch nähert.

In einer vierteiligen Großausstellung von Schloss Schönbrunn gemeinsam mit dem Kunsthistorischen Museum (KHM) zeigt man in Wien und Niederösterreich den Kaiser als Menschen, Herrscher, als repräsentierendes Oberhaupt und auch als Privatmann.

Man zeigt sogar eine seiner Unterhosen.

Ganz offiziell

Drei Minuten dauerten die Audienzen des Kaisers im Schnitt; für den am Dienstag präsentierten Ausstellungsteil im Schloss Schönbrunn muss man sich mehr Zeit nehmen. "Mensch & Herrscher" ist Generalthema in den Schlossräumen, die teils – Berglzimmer, Weißgoldzimmer, Kronprinzenappartment – extra für die Schau geöffnet werden. Dort kann man dann im Pomp schwelgen oder den Blick auf die persönlichen und politischen Dramen richten, die sich hinter der staatsmännischen Fassade abspielten.

Die Beziehung zu "Sisi", natürlich, aber auch historisch belegbare Affären des Kaisers, militärische Siege und Niederlagen, die Schüsse in Sarajewo oder der Wandel der Monarchie unter dem Langzeitkaiser (68 Jahre war er an der Macht): Die Schwierigkeit, zugleich Privatperson und öffentliche Figur zu sein, ist eines der Spannungsfelder, denen sich die Ausstellung widmet. Ein weiteres ist die Diskrepanz zwischen dem peniblen Augenmerk auf die offiziellen Äußerlichkeiten und der Sparsamkeit, mit der sich der Kaiser im Privaten kleidete.

Die zum KHM gehörende Wagenburg in einem Nebentrakt des Schlosses beherbergt den kaiserlichen Fuhrpark – und zeigt im Rahmen der Sonderschau jene Kutschen und Gewänder, die Franz Joseph persönlich verwendet hat. So ist jene Kutsche zu sehen, die den verstorbenen Kaiser auf seinen letzten Weg führte.

Ganz privat

Dass Franz Joseph in den wenigen privaten Momenten eher spartanisch auftrat, sieht man in den zwei weiteren Teilen der Sonderausstellung. Im Hofmobiliendepot rückt man ganz nahe, bekommt Gewichtstabelle, Speiseplan und einen Einblick in die innere Funktionsweise des ersten Beamten des Landes serviert: In den Erhebungsbogen zur Volkszählung 1900 trug er, ganz korrekt, als Beruf "Kaiser" ein.

Und in Niederösterreich wird ein neuer Raum erschlossen: Im Schloss Niederweiden im Marchfeld zeigt sich der Kaiser als volksnaher Jäger, der 55.000 Tiere erlegte. Es gibt, an ausgewählten Terminen, Führungen mit Wildmenü.

Ein Kaiserleben in vier Akten

Schloss Schönbrunn

Wiens besucherstarke Touristenattraktion widmet sich dem ehemaligen Hausherren als „Mensch & Herrscher“. Beleuchtet werden unter anderem: die schwierige Phase gleich nach der Inthronisierung im Revolutionsjahr 1848, die wechselvolle Militär-Geschichte, zukunftsträchtige und fehlerhafte Politentscheidungen, private Schicksalsschläge und die Etablierung als historische Figur; bis hin zum Tod inmitten der Wirren des Ersten Weltkrieges.

Wagenburg

Ebenfalls am Schönbrunn-Gelände gelegen, zum Verband des Kunsthistorischen Museums gehörig. Hier geht es um „Repräsentation & Bescheidenheit“: Das prunkvolle, repräsentationsbewusste öffentliche Bild, das der Kaiser von sich zeichnete, wird hier ebenso nacherlebbar gemacht wie die eher bescheiden auftretende Privatperson. Erstmals seit 50 Jahren ist der prachtvolle Ornat des Hosenbandordens zu sehen, Galauniformen, Zuggeschirre und Kutschen komplettieren das Bild.

Hofmobiliendepot

Am Weg von Schönbrunn zur Hofburg in der Andreasgasse, 1060 Wien. Hier wird es bei „Fest & Alltag“ privat: Der Rest einer vom Kaiser gerauchten Zigarre ist zu sehen, aber auch das Messer, mit dem János Libény 1853 ein – glimpflich verlaufenes – Attentat auf Franz Joseph verübte. Möbel, Hauskappe, sein Zwicker oder eine Unterhose führen ganz nah an die Person heran. Und man kann Franz Joseph auch sehen und hören – aufgrund diverser Film- und Tonaufnahmen.

Schloss Niederweiden

In Niederösterreich – nur zwei Kilometer von Schloss Hof entfernt – wurde für die Sonderausstellung ein neuer Ausstellungsraum erschlossen. Hier geht es um die „Jagd & Freizeit“, um die Freizeitvergnügen des Kaisers. Jagdbilder, Picknickkoffer, ein „Saustecken“ – ein Spazierstock mit dem Kopf eines Wildschweins – und mehr sind zu sehen.

Online

Ausstellungsinfo auf www.franzjoseph2016.at, auf Twitter: @Habsburgsworld

( kurier.at ) Erstellt am 16.03.2016