Alfred Jaklitsch: "Ich will nicht wie ein Guru klingen"

Die Seer
Foto: Die Seer Alfred "Fred" Jaklitsch, Mastermind von Die Seer.

Alfred "Fred" Jaklitsch über seine Band Die Seer, das "Hoamatgfühl" und Andreas Gabaliers Klage.

Saftig grüne Wiesen plus schneebedeckte Berge, große Gefühle und die Liebe zum Lande minus kurzsichtiger Lederhosen-Weltanschauung. Für dieses durchaus mit nachdenklichen Texten angereicherte "Hoamatgfühl" stehen Die Seer seit mehr als 20 Jahren. Dieses "Seerische", wie es Sänger und Mastermind Alfred "Fred" Jaklitsch gerne nennt, wissen viele Menschen zu schätzen und halten deshalb der Band aus dem steirischen Teil des Salzkammerguts seit Jahren die Treue. Für dieses Vertrauen bedanken sich Die Seer in den kommenden Wochen mit einer Österreich-Tournee, deren Auftakt am Samstagabend im niederösterreichischen Reinsdorf über die Bühne ging.

KURIER: Anlässlich der Tour kommen Die Seer am 7. Juli in die Arena nach Wien. Ein Ort, der mehr für Rockmusik als für Volksmusik steht ...
Alfred Jaklitsch: Genau aus diesem Grund freut es mich auch besonders, dass das mit dem Open Air in der Arena, wo normalerweise nur Bands aus den Bereichen Rock und Pop spielen, geklappt hat. Wir wollen mit dieser Show ein neues, urbanes Publikum ansprechen.

Die Tour dreht sich um die Jubiläums-CD"Duette", für die sie u. a. mit Hans Krankl, Umberto Tozzi und Wolfgang Ambros musiziert haben. Wird man Hans Krankl in der Arena auf der Bühne zu sehen bekommen?
Wenn er an diesen Tag in Wien ist und er auch noch Zeit und Lust hat, mit uns ein Lied zu spielen, dann liebend gerne. Auch bei anderen Konzerten ist ein Gastauftritt nicht auszuschließen, aber garantieren kann ich noch nichts.

Sie wollen sich musikalisch nicht ins Schlager-Eck drängen lassen. Wie würden Sie den Seer-Sound beschreiben?
Für mich war und ist es die Verbindung von Grooves aus dem anglo-amerikanischen Raum mit Mundartgesang und Elementen aus der Volksmusik. Wir werfen unterschiedliche Stile in einen Topf und generieren daraus den typischen Seer-Sound. Ich als Songwriter muss mich dafür auch regelmäßig neu erfinden, thematisch und stilistisch neue Sounds ausprobieren, auf und hinter der Bühne das "Seerische" am Leben zu erhalten. Wir sehen uns auch deshalb als keine Schlagerband, weil es bei uns kein Playback gibt. Wir spielen live alles selber und verzichten auf Sounds aus der Konserve. Wir wollen die Menschen mit unserer Musik berühren – mit Texten, die aus dem Leben gegriffen sind.

Sie halten Die Seer bereits seit mehr als 20 Jahren zusammen. Ihr Rezept?
Manchmal bin ich selber verblüfft, dass das schon so lange und so gut funktioniert. Wenn man schon seit so vielen Jahren gemeinsam unterwegs ist, dann versteht man sich nicht nur auf der Bühne, sondern auch dahinter. Dieser Zusammenhalt innerhalb der Band ist mir sehr wichtig, weil das auch das Publikum mitbekommt, ob diese Harmonie nur gespielt oder echt ist.

Sie sind 57, in einem Alter, in dem viele bereits die Tage bis zur Pension zählen. Wie lange wollen Sie noch auf der Bühne stehen?
So lange ich noch Spaß und Freunde an der Sache habe, werde ich Musik machen. Nur um des Geldes willen würde ich das nie machen. Mich treibt auch eine bestimmte Besessenheit beim Songwriting an. Ich will immer Neues erfinden, neue Wege entdecken, die ich dann gemeinsam mit der Band beschreite. Dieser Schaffensprozess macht mir nach wie vor große Freude. Und so lange die nicht versiegt, das Feuer noch brennt, mache ich weiter.

Sie beobachten das Musikbusiness seit Jahren. Wie sehr treffen die Seer die Veränderungen der Branche?
In wirtschaftlicher Hinsicht hat sich einiges verändert. Wir sind damals mit der CD angetreten, haben dann den Wandel zum MP3 überlebt und werden hoffentlich auch das Streamingzeitalter gut meistern. Alle diese Veränderungen haben das Live-Erlebnis in den Vordergrund gerückt, bei dem man den Menschen ganz unmittelbar mit Emotionen überzeugen muss. So lange es diese Plattform gibt, finde ich das Musikmachen spannend.

Wie würden Sie die Botschaft hinter der Musik zusammenfassen?
Man könnte es auf "Lebe deinen Traum" oder "Gspiar di guat" reduzieren, Diese Botschaften reichern wir mit einer gesunden Portion weltoffenem "Hoamatgfühl" an.

Die Seer Foto: Die Seer Apropos "Hoamat". Was ist das für Sie eigentlich?
Mit dem Begriff Heimat verbinde ich viele Bereiche in meinem Leben. Es gibt die geografische oder musikalische Heimat. Mir ist wichtig, den Begriff Heimat politisch zu entstauben. Der Begriff hat in letzter Zeit sehr gelitten, daher möchte ich ihn wieder mit positiver Energie besetzen. Wir haben immer schon ein Heimatgefühl ohne politische Gedanken transportiert. Heimat steht für mich auch für Geborgenheit. Und die Sehnsucht danach wird in der globalisierten Welt und der schnelllebigen Zeit immer größer.

Wie wichtig ist Ihnen das Leben am Land, die Zeit in der Natur?
Ich hatte einige Möglichkeiten in meinem Leben, in die Stadt, in urbane Gegenden zu ziehen, aber dafür bin ich nicht der Typ. Ich bin einfach gerne in der Natur, brauche die Ruhe, die Stille, damit ich mich selber "gspiarn" kann. Ich will jetzt nicht klingen wie ein Guru, aber ich glaube, dass die Verbundenheit zur Natur für den Menschen wichtig ist. Ein Spaziergang im Wald ist gut für die Seele. Da werden mir wohl viele zustimmen.

Wie schwer ist es, Ihr Privatleben von Fans fernzuhalten?
Das Wort Fan mag ich nicht, weil es automatisch eine Diskrepanz zwischen dem Künstler auf der Bühne und dem Publikum errichtet. Für mich sind es Menschen, die unsere Musik mögen. Und die haben sehr viel Verständnis für das Privatleben der Seer. Es gab in den 21 Jahren noch nie gröbere Probleme und Grenzüberschreitungen. Für jeden scheint klar zu sein, wo unser Privatleben beginnt. Aber für uns ist das Gespräch mit den Menschen im Publikum natürlich sehr wichtig.

Die Seer Foto: Die Seer

Die Liebesbriefe halten sich also in Grenzen?
(lacht) Was mich betrifft, ja. Ich gehe bereits auf den Sechziger zu... Ich hatte in den 80er-Jahren das Vergnügen, Teil der Boyband Joy zu sein – damals hat es noch andere Szenen gegeben. Aber diese Zeiten sind vorbei.

Der Wiener Konzerthaus-Chef Naske sagte kürzlich, er würde Andreas Gabalier nicht in seinem Haus auftreten lassen. Gabalier ließ daraufhin eine Wettbewerbsklage einbringen. Hätten Sie ähnlich reagiert?
Nein. Aber das muss jeder Künstler für sich entscheiden. Mehr will ich dazu auch nicht sagen, da es noch nicht zu einem Prozess gekommen ist. Warten wir mal ab, in welche Richtung sich das entwickelt.

INFOS: Zwischen den Stühlen – und damit auf dem richtigen Platz: Die Seer machen seit1996 Musik, die sich in keine Schublade stecken lassen möchte.  Volkstümlichen Schlager, nachdenkliche Rock-Balladen, aber auch zünftige Hüttengaudi – die Seer können alles.

Die nächsten Live-Termine:
24. 6. – Kirchberg in Tirol
30. 6. – Graz/Messegelände
7. 7. –   Wien/Arena
www.dieseer.at

(kurier) Erstellt am
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