2014 gab Byrne den „Guardians of the Galaxy“ den richtigen Look.

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Interview
01/07/2015

Hamlet und andere Superhelden

Die Kostümdesignerin Alexandra Byrne kreiert für Blockbuster der Marke Hollywood.

von Karl Oberascher

Knapp 600 Menschen braucht es, um einen durchschnittlichen Hollywood-Film zu drehen. Bei Comicverfilmungen dauert der Abspann aber deutlich länger. 2.718 Menschen arbeiteten etwa an "Marvel’s The Avengers" – dem bis dato erfolgreichsten aller Superheldenfilme. Eine davon war Alexandra Byrne. Hinter den Kulissen der Traumfabrik ist die 52-Jährige eine der gefragtesten Kostümdesignerinnen Hollywoods und kann auf fast zwei Jahrzehnte Erfahrung zurückblicken.

Nach den barocken Kostümen in Historienfilmen – mit "Elizabeth" gewann sie 2008 den Oscar für das beste Kostümdesign – kreiert sie mittlwerweile ganze Sonnensysteme. In "Guardians of the Galaxy" sorgte sie für den richtigen Look der verschiedenen Planetenbewohner. Denn Byrne gilt als Spezialisten für die ganz großen Dinger: Die aufwendigen Superheldenfilme sind mit einem Budget unterhalb der 100-Millionen-Dollar-Marke nicht zu machen. Mit dem KURIER sprach sie über ihre Karriere und die Tricks einer Kostümdesignerin.

Wie wird man Kostümdesignerin in Hollywood?

Alexandra Byrne: Eigentlich habe ich Architektur studiert, weil ich als Bühnendesignerin arbeiten wollte, und Architektur ist da ein vernünftiger Zugang. Ich war also zuerst 15 Jahre am Theater . Einige der Regisseure, mit denen ich gearbeitet habe, sind dann zum Fernsehen oder ins Kino gegangen und ich habe diesen Wechsel quasi mit ihnen mitgemacht.

Sie gelten als Spezialistin für historische Filme, haben zuletzt aber vor allem Superheldenfilme gemacht...
Ja, das hat sich ganz natürlich ergeben. Mitte der 90er habe ich mit Kenneth Branagh "Hamlet" gedreht. Als er 2011 dann in "Thor" Regie führte, hat er mich einfach gefragt, ob ich wieder mit ihm arbeiten will. Das war mein Eintritt in die Comic-Buch-Welt. Der Designprozess ist aber im Prinzip derselbe, auch wenn das Ergebnis sehr unterschiedlich aussieht.

Wie genau kann man sich diesen Prozess vorstellen? Designen Sie die Kostüme gemeinsam mit den Schauspielern?
Bei Comicverfilmungen startet man natürlich mit dem Comic selbst. Dann gibt es unzählige Meetings mit allen verantwortlichen Personen – vom Regisseur bis zum Drehbuchautor. Anschließend werden in sogenannten "Mood-Boards" die ersten Entwürfe gemacht, die allerdings schon sehr weitreichend sein können. Und ab da ist es ein Dialog zwischen dem Regisseur und mir. Erst sehr spät redet dann auch das Casting mit, wo es dann darum geht, das Kostüm für den jeweiligen Schauspieler zu adaptieren. Es ist wie ein großer Kochtopf voll mit Ideen.

"Guardians Of The Galaxy" tanzt in Sachen Superheldenoutfits ja etwas aus der Reihe. Eine Waschbär-Kostüm mussten sie wohl noch nie designen, oder?
(lacht) Das stimmt. Aber so ist das mit jedem Film. Jedes Projekt ist ein eigener Lernprozess. Man fängt immer wieder von vorne an.

Superhelden leben ja auch von ihrer Physis. Wieviel wird da nachgeholfen? Die berühmten Bauchmuskeln aus "300" sollen ja am Computer nachmodelliert worden sein.
Bei den Kostümen wird CGI (Anm. Computer Generated Imagery) möglichst wenig eingesetzt, weil das unglaublich teuer werden würde. Es kommt also wirklich auf den Schauspieler an – und natürlich haben wir auch unsere Tricks, mit denen wir etwas nachhelfen können. Man muss ja nicht immer alles zeigen. Aber die meisten arbeiten einfach hart daran, in Form zu kommen.

Sie arbeiten bei Filmen mit Produktionsbudgets von 100 Millionen Dollar aufwärts...
Ja, aber auch hier wird knapp kalkuliert. Kein Produzent wird zu dir sagen: "Da, bitte, nimm so viel Geld du willst." Alle Abteilungen arbeiten mit wirklich knappen Mitteln. Und meistens soll man sogar mehr produzieren, als das Budget hergibt. Die Filmbudgets sind wirklich so akkurat durchgeplant wie noch nie.

Zwischen Helden und Historie

Alexandra Byrne steckte "Thor" in sein Ritterkostüm und verpasste den "Guardians Of The Galaxy" (ab morgen auf DVD erhältlich)die gefragte Portion Retro- Futurismus. Bevor sie zur Expertin für Superheldenfilme wurde, stattete Byrne vor allem Historienfilme aus.

1995 war sie mit "Jane Austens Verführung" erstmals in Hollywood engagiert. Für "Elizabeth – Das goldene Königreich" gewann die 52-Jährige 2007 den Oscar für das beste Kostümdesign. Ihr jüngstes Projekt "Marvel’s The Avengers 2 – Age of Ultron" startet im April weltweit in den Kinos. Mit einem Produktionsbudget von 250 Mio. US-Dollar ist er die Kinohoffnung Hollywoods für 2015.

170 Millionen Dollar hat er gekostet, 772 Millionen Dollar hat er eingespielt: Die "Guardians Of The Galaxy" sind der erfolgreichsten Vertreter des Superhelden-Zunft des vergangenen Jahres und glänzen dabei mit ungewöhnlichen Eigenschaften: Viel Spielwitz, Komik ... und einem waschechten Bär, den Waschbär namens Rocket Raccoon. Ab 8. Jänner ist der klamaukige Weltraumabenteuer nun auf DVD, Blu-ray und 3D Blu-ray erhältlich.
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