Kultur
05.12.2011

Albertina: Radikale Veränderung der Welt

175 Grafiken aus der Sammlung des Dirigenten und Geschäftsmannes Gilbert Kaplan zeichnen ein umfassendes Bild des Surrealismus.

Die typische Melone, die Pfeife, die keine ist - Magritte ist in der Albertina derzeit nicht zu verfehlen. Und auch wenn man die große Retrospektive zum belgischen Surrealisten durch hat, hat der Surrealismus noch kein Ende: Ab heute, Mittwoch, ist in der Albertina-Bastei die Privatsammlung des Geschäftmannes, Dirigenten und Mahler-Experten Gilbert Kaplan zu sehen.
Die Schau "Surrealismus" (bis 15. Jänner) vereint 175 Grafiken von u. a. Max Ernst, Joan Miró und Salvador Dalí. Sie betten Magrittes Werk ein in eine breite Sicht auf den Surrealismus und dessen durchlässige Grenzgebiete zum Dadaismus.

Spontan

Eigentlich scheint die Form der Druckgrafik ja gerade für den Surrealismus nicht besonders geeignet: die diversen Formen der künstlerischen Anzapfung des Unbewussten, die die Vertreter der losen Strömung entwickelt haben, sind eng mit Spontaneität und intuitivem Kunstschaffen verbunden, betont Albertina-Direktor Klaus-Albrecht Schröder. Und sind damit der Starrheit diametral entgegengesetzt, die das kleinteilige Erstellen von Grafiken mit sich bringt.
Aber Mirós "Schwarzrote Serie" (1938) etwa könnte exemplarisch für den Mehrwert stehen, den Grafiken für die Surrealisten bergen. Zwei Druckplatten, deren Abbild mehrfach übereinander gedruckt wurde, erzeugten unwillkürliche, traumhaft-entrückte - letztlich eben surreale Linien- und Figurenmuster.
Die Sammlung von Gilbert Kaplan, der auch Leihgaben für die Magritte-Retrospektive beigesteuert hat, ist in der Albertina erstmals in der gesamten Bandbreite zu sehen: ein umfassendes, im Erleben letztlich aber zart repetitives Bild der Kunstströmung. In den Arbeiten zu entdecken gibt es "eine Haltung zur Welt, dem Inneren, dem Unbewussten, die sich formal sehr unterschiedlich ausdrückt", so Schröder.
Auch die ikonischen Bilderwelten Dalís fehlen da nicht, und
sein "Onan"-Druck steht exemplarisch für ein Anliegen der Surrealisten: Mit der bürgerlichen Moral ein wenig aufzuräumen. Mit links hat Dalí gezeichnet, mit rechts "bis zum Knochen masturbiert".
Überhaupt: immens anschaulich, vor allem durch die schiere Zahl der Werke, werden in der Albertina-Ausstellung die Aneckpunkte der Surrealisten klargemacht: die Respektlosigkeiten gegen die Tradition, gegen die Rationalität, eben auch die Moral.

Bart

Und auch die geschichtliche Entwicklung: In neun thematischen Abschnitten zeichnet die Schau (Kuratorin: Gunhild Bauer) die Ausformungen des Surrealismus von den Anfängen über dadaistische Einflüsse bis zur Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg nach. So ist neben Werken von Max Ernst auch Duchamps "L.H.O.O.Q." zu sehen, für das er die Mona Lisa mit einem Bärtchen versehen hat.
Die Surrealisten wollten "die Welt radikal verändern", sagte Kaplan. Und betont: Eine derart umfassende Kollektion zusammenzutragen ist "detektivische Arbeit - und viel Glück".

Albertina: Facetten des Surrealismus

Der Sammler: Gilbert Kaplan (geboren 1941 in New York) ist Geschäftsmann, Journalist und Mahler-Experte. Besonders dessen zweiter Symphonie gilt Kaplans Interesse. Er leitete bisher 50 Orchester, darunter die Wiener und die New Yorker Philharmoniker.

Die Ausstellung: 175 Druckgrafiken aus der Sammlung von Kaplan machen den Surrealismus in allen Facetten erlebbar. Bis 15. Jänner 2012.

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