, das Krokodil auf der Mondscheibe, 1912; Klemens Brosch (Titel TBA) Landesgalerie Linz des OÖ Landesmuseum

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Kunst
12/20/2016

Akribie und Selbstzerstörung

Die bedrückende Linzer Schau „Klemens Brosch – Kunst und Sucht des Zeichengenies“, noch bis 8.1.2017.

von Michael Huber

Es ist ein wundersames Werk, das sich da in Hunderten Blättern ausbreitet: Mit extremer Sorgfalt und Detailtreue sind hier Tiere, alte Schuhe und Blumen, aber auch Granatexplosionen, monströse Gestalten und albtraumhafte Szenarien dargestellt. Zugleich scheint das Werk von Klemens Brosch aus der Zeit gefallen – es ist weder traditionell noch modern, es passt zur Kunst der Secession, zum Symbolismus und dem Surrealismus und zugleich nirgendwohin.

Die außergewöhnliche Ausstellung, die noch bis 8. Jänner 2017 in derLandesgalerie Linzsowie im LinzerStadtmuseum Nordicozu sehen ist, erzählt aber noch eine bedrückende Geschichte. Denn Klemens Brosch war ein Sklave seiner Morphiumsucht, die ihn schließlich dazu veranlasste, sich am 17. Dezember 1926, im Alter von 32 Jahren, das Leben zu nehmen.

Es ist der Dichte der Schau zu verdanken, dass sie dieses Schicksal so ergreifend näherbringt: Die Linzer Museen besitzen den Großteil der über 1000 Werke Broschs, die Kuratorin Elisabeth Nowak-Thaller beschäftigt sich seit mehr als 30 Jahren mit dem Künstler. Zugleich verbindet die Doppel-Schau Kunst- und Gesellschaftsgeschichte und macht deutlich, wie sich die Laufbahn des gequälten Künstlers, der an der Welt zerbrach, auch aus dem Geist der Zeit ergab: Es ist keine untypische Geschichte für Angehörige der Generation, die im späten 19. Jahrhundert in ein Milieu aus Sprachlosigkeit und Endzeitstimmung hineingeboren wurden.

Wunderkind & Junkie

Brosch, einem Sohn aus bürgerlichem Haus, eilte früh der Ruf als „Wunderkind“ voraus; zugleich hatte er eine Lungenschwäche und galt als empfindsam. Naturstudien und unter dem Einfluss des Symbolisten Max Klinger entstandene esoterische Sinn-Bilder prägen sein Frühwerk. Mit dem Maler Franz Sedlacek und anderen gründete Brosch 1913 die – noch heute aktive – Künstlervereinigung MAERZ und wurde von der Kritik gefeiert.

Die Wende kam – wie für viele andere auch – durch den ersten Weltkrieg. Hier sah Brosch nicht nur die Gräuel der Massenvernichtung, er bekam auch Morphium zur Schmerzlinderung verschrieben. Die Substanz sollte ihn nicht mehr loslassen.

Die Schau im Nordico fokussiert speziell auf die Alltagskultur der Zeit, in der Morphium teils stark verharmlost wurde. So ist der genannte „Giftgaden“ im Haus des Apothekers Sepp Melichar rekonstruiert, wo Brosch und seinesgleichen wie in einem Branntweinstüberl einkehren und „Stoff“ bekommen konnten.
Broschs Schaffen litt massiv unter der Sucht, und während die Aquarelle der frühen 1920er das Motiv der Ausweglosigkeit noch eindrucksvoll erfassen, lassen die späten, beinahe an New-Age-Esoterik erinnernden Bilder ratlos zurück.

Ein Comeback-Versuch, während dem der Künstler mit Auftragszeichnungen von Kraftwerksbauten kurz zu seinem akribischen Stil zurückfand, währte nur kurz. Akribisch war nur noch die Planung seines Freitods: Es sei der „logisch gesetzte Schlusspunkt zu dem langen Satz, der mit dem Wort Morphium beginnt“, hieß es in Broschs Abschiedsbrief.
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