Ein Meisterwerk des (sarkastischen) Kinos: "The Life and Death of Colonel Blimp", entstanden 1943

© Öasterreichisches Filmmuseum

Adolf Wohlbrück
04/22/2014

Die Vertreibung der Eleganz

Der Wiener emigrierte 1936 und brillierte in britischen Vorzeigefilmen.

von Alexandra Seibel

Als Ralph Fiennes seine Rolle als exquisiter Concierge in dem Film "The Grand Budapest Hotel" einstudierte, half ihm sein Regisseur Wes Anderson bei der Vorbereitung. Er zeigte ihm Filme von einem Schauspieler, den er schon sehr lange liebte: dem Wiener Adolf Wohlbrück.

Wohlbrück spiele mit einer wunderbaren Präzision, die ihn sehr inspiriert habe, schwärmte Fiennes im KURIER-Interview über den Kollegen.

Dass Fiennes als Brite die Arbeiten des Wieners Wohlbrück kennt, ist nicht weiter verwunderlich: Wohlbrück war als überzeugter Nazifeind und Sohn einer jüdischen Mutter, der auch aus seinem Schwulsein keinen Hehl machte, 1936 nach England emigriert. Dort setzte er als Anton Walbrook seine antifaschistische Arbeit und seine Filmkarriere fort.

Er brillierte unter anderem in britischen Vorzeigefilmen wie Michael Powell & Emeric Pressburgers "Die roten Schuhe" (1948) oder spielte den rachsüchtigen Dr. Falk in deren Fledermaus-Adaption "Oh...Rosalinda!!" (1955).

Das österreichische Filmmuseum zeigt nun (noch bis 5. Mai) eine Werkschau des großartigen Schauspielers und Max-Reinhardt-Schülers, in dessen markantem Tonfall immer auch ein leiser Hauch der Ironie mitschwingt.

Adolf Wohlbrück, am 19. November 1896 in Wien geboren, schien die Eleganz angeboren – als wäre er bereits im Smoking auf die Welt gekommen. In seiner Rolle als süffisant-charmanter Gesellschaftsmaler Paul Heideneck in Willi Forsts erstklassigem Film "Maskerade" (1934) malt und verführt er die Damen der Oberschicht in Serie. Als er eine seiner Kundinnen – die Gattin eines ehrbaren Chirurgen – nur mit Muff und ansonsten nackt zeichnet, entfesselt er einen veritablen Skandal im frivolen Wien. Erst die brave Paula Wessely als Leopoldine Dur schafft es, die Wogen zu glätten und dem umtriebigen Galant die Fesseln der Ehe anzulegen.

Kosmopolit

Wohlbrück blieb stets Kosmopolit. Als Max Ophüls nach dem Krieg nach Europa zurückkehrte, drehte er Arthur Schnitzlers "La Ronde" in Frankreich. Er fügte dem Original-"Reigen" die Figur eines Spielleiters in Gestalt des feinsinnigen Wohlbrück hinzu.

In einer fünfminütigen Kamerafahrt verwandelt dieser ein Pariser Filmstudio in das nostalgisch-morbide Wien der Jahrhundertwende. Mit Zylinder, Frack und Spazierstock setzt er Schnitzlers berühmtes Liebeskarussell in Gang.

Auch hier ist Wohlbrücks Stimme mit dem Unterton der leichten Weltenmüdigkeit wieder unverwechselbar und sein Spiel von – wie sagte Ralph Fiennes doch so schön? – von wunderbarer Präzision.

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