Kultur 07.12.2011

About a Boy - von Nick Hornby

© Bild: APA

Eine Komödie über einen kleinen und einen großen Buben, die voneinander lernen. Der Popliterat schuf damit einmal mehr einen Hollywoodhit.

Nick Hornby schreibt Romane wie Hollywood-Komödien. Wie herausragende Hollywood-Komödien, möchte man sagen, da es sich sonst kaum um ein Kompliment handeln würde. Aber als solches ist`s durchaus gemeint: "About a Boy" ist eine Komödie im besten Sinne, eine, in der Humor, Situationskomik und Traurigkeit aufeinandertreffen, wo an der Oberfläche der Witz tänzelt, während in der Tiefe Angst und Verzweiflung umherstampfen.

Der 1998 (auch im Verlag Kiepenheuer & Witsch) erschienene Roman hat zwei Protagonisten, zwei Perspektiven. Auf der einen Seite der 12-jährige Marcus, ein von den Mitschülern gehänselter Außenseiter, der von seiner Mutter in die Rolle des Vegetariers und Trägers "sackartiger Pullover" hineingedrängt wurde. Auf der anderen Seite Will Freeman, der die 36 Jahre seines Lebens unter einem einzigen Motto verbrachte: "cool" zu sein. Der Wechsel dieser Perspektive ist reizvoll, zumal beide Buben sind - ein kleiner und ein großer eben -, die zufällig und nur langsam zueinanderfinden. Sie treffen einander über eine Freundin von Will, der sich in eine Gruppe alleinerziehender Eltern hineinschmuggelt, um leichter Frauen aufzureißen. Eine davon ist mit Marcus` Mutter bekannt, in deren Selbstmordversuch Will und seine Freundin hineinplatzen. "Alles nicht mein Problem", denkt Will, denn er ist glücklich in seinem Leben zwischen Bars, Filmen und Freunden. Arbeiten will und muss er auch nicht - er lebt von den Tantiemen eines Weihnachtssongs, den sein Vater geschrieben hat. Will Freeman versucht zwar, ungebunden und ohne jede Art von Verpflichtungen zu bleiben - aber er kann sich nicht mehr aus seiner unfreiwillig entstandenen Rolle als eine Art großer Bruder entziehen. Er unterstützt und hilft Marcus schließlich, kennt er sich doch mit Musik, Baseball und Klamotten aus, mit all jenen Dingen, die aus Marcus einen "normalen" Buben machen könnten. "Du willst kein Schaf sein, okay", erklärt Will ihm. "Aber manchmal ist es gut, sich als Schaf zu tarnen."

Marcus lebt und leidet auf seine Weise - zu den stärksten Stellen im Roman zählen jene, in denen Hornby die Gedankenwelt eines Zwölfjährigen überzeugend darstellt. Als er seine Beschützerin, die ältere und starke Freundin Ellie, etwa als Waffe gegen die Umwelt erkennt, vergleicht er sie mit einer Lenkrakete, kommt jedoch schließlich zu dem Schluss: "Aber in der Welt draußen, wo es keine Wände und Vorschriften gab, machte sie ihm angst. Sie konnte ihm jederzeit in den Händen explodieren." Genau das geschieht am Ende des Buches. Ellie ist Fan von Kurt Cobain, dem Frontman der Rockgruppe Nirvana (deren Song "About a Girl" wohl beim Romantitel mitgedacht werden muss). Am Tag seines Selbstmordes wirft sie eine Schaufensterscheibe ein, hinter der eine Pappfigur von ihrem Idol prangt - sie glaubt, da wolle der Besitzer schnelles Geld mit dem frisch verstorbenen Musiker machen. Ein Hauch von Wahnsinn eben nicht nur bei den beiden Hauptcharakteren.

Nick Hornby (* 1957): „Will sah, wie traurig das war, aber er sah auch, daß es nicht sein Problem war. Kein Problem war sein Problem. Sehr wenige Menschen waren in der glücklichen Lage, sagen zu können, daß sie keine Probleme hatten – aber auch da
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Der Brite Nick Hornby wurde 1957 geboren und gilt als Hauptvertreter der Popliteratur. Seit 1992 hat er ein Dutzend Bücher veröffentlicht, viele wurden tatsächlich von Hollywood verfilmt - etwa mit Hugh Grant oder John Cusack in der Hauptrolle. Mit "About a Boy" hat Hornby ein außergewöhnlich vergnügliches Buch vorgelegt. Und eines, das mit manchmal komischen, manchmal traurigen Fingern auf das Kind in jedem von uns zeigt.

Erstellt am 07.12.2011