Abbado: "Don Carlo" ist ein Meisterwerk

Daniele Abbado
Foto: KURIER / Deutsch Gerhard Daniele Abbado gibt als Regisseur sein Wien-Debüt.

Der italienische Regisseur Daniele Abbado gibt mit Giuseppe Verdis "Don Carlo" in der Staatsoper sein Wien-Debüt. KURIER traf ihn zum Gespräch.

Um die wichtigsten Fragen gleich einmal zu beantworten: Ja, Daniele Abbado ist mit Stardirigent Claudio Abbado verwandt. Er ist dessen Sohn. Und ja, Vater und Sohn haben in "schönster Harmonie" auch schon zusammengearbeitet. Vater Claudio am Pult; Sohn Daniele als Regisseur.

"Wenn man in so einer musikalischen Familie aufwächst, ist es ganz selbstverständlich, dass man Interesse am Theater entwickelt", sagt der 1958 in Mailand geborene Künstler. An der Wiener Staatsoper ist Daniele Abbado zum ersten Mal zu Gast; als Regisseur von Giuseppe Verdis "Don Carlo".

Abhängigkeiten

APA/ROLAND SCHLAGERAPA8218998 - 12062012 - WIEN - ÖSTERREICH: Ramon Vargas in der Rdes Don Carlo und Krassimira Stoyanova als  als Elisabetta am Dienstag, 12. Juni 2012, während eProb Probe der Oper "Don Car4; dme am 16. Juni an der Wder Wiener Staatsoper Foto: APA/ROLAND SCHLAGER Verdis „Don Carlo“ am Ring: Ramón Vargas singt die Titelpartie; Krassimira Stoyanova ist seine Elisabeth.

"Das ist ein Meisterwerk, das ich schon immer einmal machen wollte. Aber bisher hat es sich nie ergeben, obwohl ich den halben Verdi teils schon mehrfach durch habe. Wie auch Wagner, Mozart und die modernen Komponisten liegt mir Verdi extrem am Herzen." Was Abbado an "Don Carlo" fasziniert? Lachend: "Alles. Da geht es primär um Abhängigkeiten. Carlo ist seinem Vater Philipp ausgeliefert, und dieser wiederum dem Großinquisitor. In dieser Oper sind letztlich alle Gefangene. Ihrer selbst und der anderen. Das wollen wir auch mit einem düsteren Einheitsbühnenbild zeigen."

Ob am Ende das Gute siegt, Carlo also vor der Inquisition gerettet wird? "Ich denke, ja. Zum Finale greift in Gestalt des geheimnisvollen Mönchs, von dem wir nicht wissen, ob er Kaiser Karl V. ist, das Überirdische ein. Jetzt ist auch der Großinquisitor am Ende seiner Macht. Verdi wollte auch zeigen, dass wir auf dieser Welt alle irgendwie Gefangene sind. Und das hat er in wundervolle Musik gesetzt. Hier an der Staatsoper haben wir wundervolle Sänger für all diese Partien."

Freiheiten

Und gibt es bereits Gespräche über weitere Projekte am Ring? "Nein, bisher noch nicht. Aber ich würde mich natürlich sehr freuen, obwohl ich als künstlerischer Leiter des Theaters in Reggio Emilia natürlich auch viele Verpflichtungen habe. Aber auch viele Freiheiten. Dort darf ich mitentscheiden, was wir machen. Und wir machen mit großem Erfolg immer wieder zeitgenössische Oper. Die nämlich muss man dem Publikum nur so einfach transportieren, dass die Menschen diese Stücke verstehen.

Wie aber geht es Abbado an seinem Theater finanziell? Der Regisseur lacht: "Nach der – höflich formuliert – unseligen Regierung Berlusconi wieder etwas besser. Das ändert jedoch nichts daran, dass sich alle Kultureinrichtungen verstärkt um Sponsoren bemühen müssen. Ich denke, das ist ein Modell für die Zukunft."

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(kurier) Erstellt am
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