Kultur
03.02.2018

A-ha in Wien: Wenig Mut, viel Feeling

Die Norweger zeigten ihre "Unplugged"-Show

Seit 15 Jahren wurden A-ha immer wieder eingeladen, eine "MTV-Unplugged"-Show aufzuzeichnen. Es klappte nicht – bis zum Sommer 2017. Dabei, erzählte Sänger Morten Harket damals, wollte das norwegische Trio seine Songs aber nicht nur "akustisch covern", sondern ihnen die Chance geben, "etwas Anderes zu werden".

Als A-ha Freitag mit der "Unplugged"-Show in der Wiener Stadthalle zu Gast waren, war das nicht immer offensichtlich. Unterstützt wurden Harket, Keyboarder Magne Furuholmen und Gitarrist Pal Waaktaar-Savoy von drei Streicherinnen und – neben Drummer, Bassist und einem weiteren Keyboarder – auch von dem Multiinstrumentalisten Lars Horntveth. Der hat die "Unplugged"-Show produziert und Instrumente wie Vibrafon, Saxofon und Cembalo in das Set eingebaut.

Allerdings waren in der Stadthalle all diese im Pop-Kontext exotischen Instrumente die meiste Zeit parallel zur üblichen Pop-Band im Einsatz, wodurch ihre charakteristischen Sounds selten zur Geltung kamen, und nur wenige der A-ha-Hits in ihrem Ausdruck transformiert klangen. Etwas mehr Mut zu Lücken und Raum für die Exoten, zu unkonventionelleren, variantenreicheren Arrangements, wäre schön gewesen.

Spaß haben

Das war aber auch das einzige Manko des Konzertes. Anders als bei der MTV-Aufzeichnung (nach nur zwei Probewochen), sind das Trio und seine Mitmusiker jetzt nach ein paar Monaten auf "Unplugged"-Tour sehr gut eingespielt. Harket und seine Freunde müssen sich nicht mehr darauf konzentrieren, was sie machen, können sich so mehr in die Musik und ihre Feeling reinfallen lassen und Spaß damit haben.

Das überträgt sich auch auf die 5000 Zuschauer. Die Hard-Core-Fans freuen sich über weniger Bekanntes wie "Summer Moved On" aus dem Jahr 2000 oder "Over The Treetops" aus der Mitte der Nuller-Jahre, aber auch über den tollen neuen Song "Break In The Clouds".

Und die, die dachten, sie könnten sich nur an "Take On Me" erinnern, staunen, wie viele andere Hits A-ha noch hatten, wie viele ihrer Melodien sich wie die von "Hunting High And Low", "Forever Not Yours" oder dem James-Bond-Song "The Living Daylights" heute immer noch so wohlig vertraut anfühlen.

Illustriert wird das mit einer geschmackvoll gestalteten Show, die sich von erst nur weißem Licht über schwarz/weiße-Animationen auf der LED-Wand langsam steigert – bis hin zu Videos von der norwegischen Natur und bei "Stay On These Roads" einem Spaziergang an einer Küste, der sich über alle Jahreszeiten zieht.

Traurig

Da reißt es dann bei "The Sun Always Shines On TV" alle von den Sesseln. Natürlich kommt dann noch der Song, auf den alle gewartet haben: "Take On Me", der Über-Hit von A-ha, ist unplugged tatsächlich etwas Anderes geworden, entpuppt im akustischen Gewand seine traurige, sehnsüchtige Natur und ist in Wien ein würdiger, bewegender Abschluss eines schönen Abends.

KURIER-Wertung: