Kultur
13.04.2017

Hacken soziale Medien die Demokratie?

Kann Facebook Wahlen drehen? Wie kommt man gegen Fake News an? Und wie steht es um die Demokratie in Zeiten der Filterblase? Darüber wird beim Festival "4GameChanger" unter anderem mit Randi Zuckerberg diskutiert.

Randi Zuckerberg war von Anfang an dabei: Die Schwester des Facebook-Gründers war eine der ersten zehn Mitarbeiterinnen und leitete von der Gründung bis 2011 das Marketing des erfolgreichsten sozialen Netzwerkes der Welt: Facebook. Am 25. April wird sie beim Festival 4GameChanger in Wien zu Gast sein.

Facebook startete als Uni-Netzwerk und wurde rasch zu einem Tool, seine Freunde und Bekannten im Internet zu treffen und Urlaubsbilder, alberne Fragebögen und Spielchen auszutauschen. Mittlerweile ist das Freundenetzwerk ein milliardenschwerer Marktplatz für Nachrichten, Meinung, Werbung und persönliche Daten. Zudem wird über soziale Medien zunehmend Politik gemacht. Die Wahlwerber kämpfen nicht mehr nur um Stimmen, sondern im Rennen um die Aufmerksamkeit auch um Likes.

Kann Facebook Wahlen mitentscheiden?

"Social Media hacks Democracy": Unter diesem Title diskutieren bei 4GameChanger Experten über die Auswirkungen der sozialen Medien auf die Demokratie. Den impulsgebenden Vortrag dazu hält David Wilkinson von Cambridge Analytica. Das ist jene Datenagentur, die verspricht, Wähler aufgrund ihres Facebook-Profils besser zu kennen als ihre eigene Familie – und sie so gezielt anzusprechen, dass sie ihre Wahlentscheidung drehen können.

Heiß wurde diskutiert, ob Cambridge Analytica bei der Brexit-Entscheidung eine mitentscheidende Rolle gespielt haben könnte. Dass sie auch noch von der Trump-Kampagne mit einem Millionen-Budget ausgestattet wurden, machte die Big-Data-Spezialisten zum Gespenst der Politik im Social Media Zeitalter.

Twitter-Politik

Überhaupt sind die wichtigsten Netzwerke auf dem Weg zur größten Meinungsmaschine auf dem Erdball. Die Zeiten sind vorbei, in denen ein US-Präsident nur über einen Sprecher seine Sicht der Dinge verlautbaren ließ. Donald Trump gibt mit seinen unverblümten Twitternachrichten den Takt für politische Debatten vor.

Auch in Europa versuchen Parteien, über die sozialen Netzwerke Nachrichten zu generieren - und agieren so selbst wie Medien. Die Themenwahl und der angeschlagene Ton wird hier aber von der jeweiligen politischen Agenda bestimmt und nicht von einer unabhängigen Redaktion.

Emotionen

Der Algorithmus von Facebook begünstigt eindeutig emotionalisierende Botschaften. Was mehr Likes oder Reactions bekommt, taucht auch häufiger in den Zeitleisten auf. Wer emotionalisieren will, nimmt es aber auch häufig mit der Wahrheit nicht ganz so genau. "Fake News" sind seit dem schmutzigen US-Wahlkampf ein politischer Kampfbegriff.

Emotionen führen nicht selten zu Hass, in Form von diskriminierenden und diffamierenden Postings. Viele User sind sich nicht darüber im Klaren, dass sie sich auf sozialen Medien schnell in einer breiten Öffentlichkeit bewegen, was immer öfter zu Gerichtsverfahren führt.

Ein weiteres Phänomen ist das Entstehen von Filterblasen. Durch die Auswahl jener Leute, denen ich folge, werde ich tendenziell mit solchen Nachrichten oder Kommentaren konfrontiert, die meine eigene Meinung widerspiegeln. Innerhalb solcher Blasen findet politische Agitation ein ideales Biotop vor.

Debatte

Nach der Keynote von David Wilkinson wird bei 4GameChanger diskutiert: "Kann Facebook Wahlen drehen oder ist das nur ein Marketing Gag? Wie kommt man gegen Fake News an? Und wie retten wir die Demokratie in Zeiten der Filterblase?" Am Podium sitzen Andreas Bierwirth von T-Mobile Austria, Markus Breitenecker von ProSiebenSat.1 PULS 4, Digitaljournalistin Ingrid Brodnig, Veit Dengler von der NZZ Group und Randi Zuckerberg von Zuckerberg Media. Geleitet wird die Debatte von Corinna Milborn (Puls 4) und Martin Thür (ATV).

Infos: 4GAMECHANGER auf Facebook