„Vorbilder“: Links ein Modell von Peter Noevers „Contemporary Art Tower“, dahinter  eine  Zusammenstellung unausgeführter Entwürfe   

© MAK/Katrin Wißkirchen

150 Jahre MAK
06/13/2014

Zukunft, Gegenwart und Jetztzeit in einem Museum vereint

In der Doppelschau "Vorbilder/Nachbilder" zeigt das MAK seine Definitionen von angewandter Kunst.

von Michael Huber

Gehen Sie wieder einmal ins MAK, Sie werden es kaum wiedererkennen. Äußerlich hat sich der Backsteinbau am Stubenring kaum verändert – doch innen wird umgekrempelt, was das Zeug hält.

Neue Sammlungsaufstellungen sind hier zu sehen, dazu das neue "Design Labor" im Untergeschoß. Und nun eine Design-Ausstellung, die, anders als manch bisherige Präsentation, weniger wie ein Postulat und eher wie ein kluger Essayband daherkommt und die Ambition, "angewandte Kunst" neu zu zeigen, auch einlöst.

"Vorbilder" heißt die Schau, die von Thomas Geisler und Tulga Beyerle kuratiert wurde und das 150. Bestandsjubiläum des Museums zum Ausgangspunkt nimmt. Gegründet wurde das einstige "Museum für Kunst und Industrie" nämlich als Vorbildsammlung für Kunsthandwerker: An den exquisiten Stücken sollten Gestalter Maß nehmen, um ihre eigene Praxis zu verbessern.

Ideen schmieden

Das Kuratorenduo spielte diese Idee an heutige Designer und Denker weiter: Sie durften ihrerseits kleine "Vorbildsammlungen" zusammenstellen.

Stefan Sagmeister, Österreichs Paradedesigner in New York, holte dazu einen Jaguar E-Type Roadster ins Museum. Designforscherin Sabine Seymour präsentiert neue Hightech-Mode, die leuchtet oder ihre Oberfläche verändert. Die niederländische Trendforscherin Lidewij Edelkoort zeigt ein kugelförmiges Minenentschärfungsgerät, das vom Wind über Felder getrieben wird – und optisch auch als Skulptur durchgehen könnte.

In diesen Ideenparcours eingeflochten sind Vitrinen, die die Geschichte des MAK anhand ausgewählter Objekte und der Persönlichkeiten, durch die diese ins Museum kamen, aufrollen. Ein Puppenhaus aus dem Besitz des großen Wiener Sammlers Albert Figdor (1843–1927) ist etwa zu sehen, oder ein Manga-Skizzenbuch des japanischen Meisters Hokusai, das Anton Exner (1882–1952) dem Haus vermachte.

In Schönheit scheitern

Auch das Modell des zum "Contemporary Art Tower" umgebauten Flakturms im Arenbergpark – ein Lieblingsprojekt des Ex-Direktors Peter Noever – feiert in der Schau seine Renaissance als Museumsstück. Die Vitrine steht gleich neben der Sammlung gescheiterter Projekte, die der Kurator Hans Ulrich Obrist zusammenstellte.

Jede Generation definiert ihre "angewandte Kunst" neu – diesen Eindruck kann die Schau "Nachbilder" im Kunstblättersaal noch verstärken: Ausstellungsfotos aus 150 Jahren zeigen dort, dass dieses Museum den Zeitgeist nicht nur konservierte, sondern auch von ihm geformt wurde. Bis 5. Oktober.

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