Porträt von Vea Kaiser mit dunklen, gewellten Haaren und einem sanften Lächeln.

Vea Kaisers "Fabelhafte Welt": Pannen und Triumphe

Über Lehren, die man aus den Hochs und Tiefs des Lebens ziehen könnte – aber nicht muss.

In den letzten Wochen hatte ich eine private Pechsträhne. Zuerst ging die Internetleitung ein. Bis ein Bagger die Straße aufgräbt, haben wir kein "Smart Home", sondern ein "Dumm Home": Es funktionieren weder Fernseher noch Heizung noch Gartenbewässerung noch Gegensprechanlage noch ein Drittel aller Lichter. Kurz darauf erbrach zuerst das kleine, dann das große Kind. Beide ins frisch überzogene Bett und immer dann, wenn mein Mann außer Haus war.

Man könnte meinen, die medizinische Versorgung sei der Hauptvorteil daran, mit einem Arzt verheiratet zu sein. Nein, denn Körperflüssigkeiten aller Konsistenzen stören ihn nicht. Dazu kommt: Bettüberziehen ist mein Endgegner. Sollte diese Kolumne je abrupt enden, wird wahrscheinlich ein Spannleintuch gewonnen haben. Und dann verpassten wir auch noch das Finale des Song Contests, auf das wir uns sehr lange gefreut hatten.

Beruflich erlebte ich ein Kontrastprogramm: erfreuliche Verkaufszahlen, wunderbare Lesungen mit großartigem Publikum und traumhafte Hotels. Autorinnen werden oft spartanisch untergebracht – es ist ja "nur für eine Nacht" –, doch zuletzt wurde ich verwöhnt von der österreichischen Gastfreundschaftskunst. Zwei Schlussfolgerungen könnte man nun ableiten: A) Auf Tiefs folgen Hochs. B) Man sollte öfter wegfahren.

Verreisen wir nicht alle, um Bedürfnisse zu stillen, die daheim zu kurz kommen? Entspannung, Sport, Lesen, Achtsamkeit, Abenteuer, Neues lernen? Das, was wir suchen, mag sich unterscheiden. Aber fällt es uns nicht allen unterwegs leichter, jener Mensch zu sein, der wir gerne wären? Zum Beispiel: eine Schriftstellerin, die morgens mit klarem Kopf losschreiben kann, weil sie nachts träumte und nicht von der Bettwäsche traumatisiert wurde.

Vea Kaiser

Über Vea Kaiser

Vea Kaiser ist die Autorin der Nr.1-Bestseller „Blasmusikpop“, „Makarionissi“ und „Rückwärtswalzer“. Ihre Bücher wurden vielfach preisgekrönt und in mehrere Sprachen übersetzt. Die studierte Altphilologin lebt mit Familie am Wiener Stadtrand und schreibt für die freizeit die wöchentliche Kolumne „Fabelhafte Welt“.

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