Drei Porträts von Kindern aus Syrien, die flüchten mussten

Drei Porträts von Kindern aus Syrien, die flüchten mussten

© Muhammed Muheisen/UNICEF

Kiku
03/09/2021

10 Jahre Krieg in Syrien: Kinder-Porträts: 12 Gesichter, 12 Schicksale

Zweifacher Pulitzer-Preisträger Muhammed Muheisen bringt „vergessene Stimmen der Kinder Syriens“ ans Licht.

von Heinz Wagner

Am Donnerstag lädt das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, die UNICEF, Medien zu einem virtuellen Besuch von Flüchtlingslagern in Syrien und Jordanien speziell zur Lage von Kindern und Jugendlichen. Anlass: Der (Bürger-)Krieg hat vor rund zehn Jahren begonnen.

Die Videorundgänge sind voraufgezeichnet, schließlich, so UNICEF, „wollen gerade wir die Kinderrechte wahren und darauf achten, nicht Kinder vorzuführen“, so eine Mediensprecherin zum Kinder-KURIER.

12 Porträts

Wir veröffentlichen vorab Fotos des zweifachen Pulitzer-Preisträgers Muhammed Muheisen, der seit einem Jahrzehnt unterwegs ist, „um das tägliche Leben und die Herausforderungen syrischer Flüchtlinge zu dokumentieren. Mit diesen Porträts möchte ich den Kindern ein Gesicht geben. Sie sind Teil meiner Fotoreportage „Voices“, die ich zum zehnten Kriegsjahr Syriens zusammengestellt habe“, schreibt er.

Nour Abdulrazaq

„Ich und meine Zwillingsschwester Manar haben immer die Kampfjets beobachtet und sie am Himmel gezählt“, erzählt Nour Abdulrazaq (12) aus Deir ez-Zor dem Muheisen, der sie im Lager Elefsina nordwestlich der griechischen Hauptstadt dort im September 2018, etwa acht Monate nachdem sie und ihre Familie vor dem Krieg in Syrien geflohen waren, getroffen hat.

Mohammed AlHassan

„Ich erinnere mich nur an den Krieg in Syrien“, sagte Mohammed AlHassan (9) aus Qamishli, fotografiert im Lager Eleonas in Athen, Griechenland., dem Fotografen, zwei Jahre nachdem er und seine Familie vor dem Krieg in Syrien geflohen sind.

Rama Al Hiji

Rama Al Hiji (7) aus Idlib, fotografiert im Eleonas Camp in Athen, Griechenland. Laut Ramas Mutter ist ihre Tochter stark traumatisiert, weil sie in Syrien Dinge erlebt hat, die ein Kind niemals hätte erleben dürfen.

Malak Al Hij

Malak Al Hiji (9) aus Idlib, fotografiert im Lager Eleonas in Athen, Griechenland.

Tabarak Ahmad

Tabarak Ahmad (5) aus Deir ez-Zor, fotografiert im Lager Eleonas in Athen, Griechenland. Muheisen traf sie das erste Mal 2019 und das letzte Mal im Mai 2020. Ahmad al Alaa, Tabaraks Vater, sagte, sie seien froh, in Sicherheit zu sein und sie tun ihr Bestes, um sich zu integrieren und sich ein neues Leben aufzubauen.

Ahmad Mahmoud (10) aus Deir ez-Zor, fotografiert in einer Zeltsiedlung am Rande von Mafraq, Jordanien im Jahr 2016, ein Jahr nachdem er und seine Familie vor dem Krieg in Syrien geflohen waren.

Aseel Fouad

Aseel Fouad (5) aus Deir ez-Zor, fotografiert in einer Zeltsiedlung am Rande von Mafraq, Jordanien.

Hammad Khadir

Hammad Khadir (7) syrischer Flüchtling aus Al Hasaka, fotografiert im Februar 2020 in einem Zeltlager außerhalb von Mafraq in Jordanien

Anas Mohammed

Anas Mohammed (2) aus Al Hasaka, lebt mit ihren Eltern in einer Zeltsiedlung am Rande von Mafraq, Jordanien. Anas wurde in Jordanien geboren. Ihre Eltern sind 2015 aus Syrien geflohen und leben seitdem in Zeltsiedlungen in Jordanien.

Aya Alhariri

Aya Alhariri, die aus Syrien geflüchtet ist und mit ihrer Familie im Lager Azraq in Jordanien lebt, wurde von Muheisen schon im November 2014 fotografiert.

In jedem Bild steckt eine Seele

Der Fotograf versteht sich nicht als Kriegsreporter mit schrecklichen Sensationsfotos, sondern meint, „für mich ist ein Bild nie nur ein Bild – es ist mehr. Es ist eine Geschichte, ein Zeugnis und eine Botschaft aus einem Teil der Welt an den anderen Teil der Welt. Durch meine Fotos werden diese Stimmen gehört und sichtbar.“

2012 und 2013 fotografierte er in Syrien, danach immer wieder in Flüchtlingslagern in Jordanien. 2015 stand er mit seiner Kamera an den Ufern der griechischen Insel Lesbos. War aber auch in Ländern, wo geflüchtete Kinder und Jugendliche – mitunter mit ihren Familien – neue Zuhauses fanden. „Ich sage immer: In jedem Bild steckt eine Seele“, so der empathische Fotograf. „Ich habe die Hoffnung durch ihre Augen gesehen und Hoffnung ist alles, was sie haben.“

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Ans Herz gewachsen

Zahra Mahmoud ist eines dieser Kinder, die ihm besonders ans Herz gewachsen sind. „Sie ist Teil meines Lebens, so wie ich ein Teil ihres Lebens bin. Ich traf Zahra Mahmoud zum ersten Mal im Jahr 2015, kurz nachdem sie und ihre Familie vor dem Krieg in Syrien geflohen waren und in einer Zeltsiedlung im benachbarten Jordanien Schutz gesucht hatten. Sie war traurig, still und die Narben des Krieges waren überall in ihrem Gesicht zu sehen. Ich wollte unbedingt ihre Geschichte mit der Welt teilen und es wurde zu meiner Mission, diese Geschichte am Leben zu erhalten.“

Seitdem hat Muheisen das Mädchen und seine Familie mindestens einmal im Jahr besucht und über die Jahre „vor meinen Augen und vor meiner Kameralinse wachsen sehen … Indem ich Kinder porträtiere, sind sie nicht mehr nur „der syrische Flüchtlingsjunge oder das syrische Flüchtlingsmädchen“, sondern sie stehen mit ihrem Namen und ihren Träumen für eines von unzähligen Schicksalen. Die Menschen, die ich fotografiere, haben Namen, Träume, Erinnerungen und Hoffnungen, und ich gebe mein Bestes, um ihre Geschichten der Welt zu erzählen.“

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Größter Wunsch: Wieder in die Schule gehen

„Ich wünsche mir, wieder zur Schule zu gehen. Wir mussten unser Zuhause in Syrien verlassen, nachdem es durch einen Luftangriff zerstört wurde, ich kann mich noch an das Geräusch der Kampfjets am Himmel erinnern. Es war so beängstigend“, sagte Manar Abdulrazaq (12) aus Deir ez-Zor dem Fotografen im Lager Elefsina nordwestlich der griechischen Hauptstadt. Manar. Dort traf er sie im September 2018, etwa 8 Monate nachdem sie und ihre Familie vor dem Krieg in Syrien geflohen waren.

Follow@kikuheinz

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