Neue Donau-Chefin: "Sagen, was man will"

Frauen müssen sich aktiver um höhere Positionen bewerben, rät Johanna Stefan von der Donau Versicherung. Und fordert mehr Kinder-Betreuungseinrichtungen.
Eine Frau mit blonden, lockigen Haaren und Brille schaut aufmerksam zur Seite.

Johanna Stefan ist erst die zweite Frau in Österreich, die es an die Spitze einer großen Versicherung geschafft hat. Die Generaldirektorin der Donau über Selbstbewusstsein, Karriere-Tipps und Status-Symbole.

KURIER: In der Versicherungsbranche ist der Frauenanteil hoch, warum gibt es trotzdem so wenig Chefinnen?

Johanna Stefan: Die Donau hat im Vorstand ein Drittel Frauen, in der erweiterten Geschäftsleitung sind es 60 Prozent und auch im mittleren Management haben wir einen hohen Frauenanteil. Ich bin seit 12 Jahren im Unternehmen, hier herrscht Chancengleichheit.

Dann ist die Donau eine löbliche Ausnahme. In der Branche aber ist die Luft für Frauen in Spitzenpositionen dünn. Außer der Donau hat nur noch die Ergo-Gruppe mit Elisabeth Stadler eine Generaldirektorin.

An der Qualifikation kann es nicht liegen. Frauen sind heute sehr gut ausgebildet, wir haben mehr weibliche als männliche Uni-Absolventen. Die biologische Situation spielt sicher auch eine Rolle, Österreich hat im internationalen Vergleich Nachholbedarf bei den Einrichtungen für Kinderbetreuung. Und aus meiner Erfahrung kann ich Frauen nur raten, ihre beruflichen Wünsche zu artikulieren und sich aktiver um höhere Positionen zu bewerben. Frauen sind weniger offensiv als Männer und müssen lernen, zu sagen, was sie wollen.

Offensichtlich mangelt es immer noch an Selbstbewusstsein – auch den jungen Frauen?

Das will ich so nicht generalisieren. Aber Frauen sind selbstkritischer. Männer haben beim Eintritt in ein Unternehmen eher den Zugang: mehr verdienen, mehr erreichen. Frauen müssen selbst Schritte setzen und nicht darauf warten, bis sie entdeckt werden.

Quasi, ich bin ohnehin so tüchtig, das wird den Herren da oben schon irgendwann auffallen?

Davon müssen sich Frauen verabschieden. Es ist wichtig, selbst über seine Leistungen zu sprechen. Das muss Frauen bewusster werden. Ich bin 27 Jahre in der Branche. Als nach einigen Jahren mein Abteilungsleiter ging, bin ich zum Vorstand und habe gesagt, ich interessiere mich für diese Position. Ich habe sie auch erhalten.

Österreich wird von einer Serie von Korruptions-Skandalen erschüttert. Die Beteiligten sind fast ausschließlich Männer. Sind Frauen weniger korrupt?

Ich würde nicht sagen, dass Frauen die besseren Menschen sind. Sie haben sicher weniger Gelegenheit. Möglicherweise haben Frauen aber auch weniger Prestigedenken und sind daher weniger anfällig.

Eine Frau mit Brille sitzt an einem Schreibtisch und liest Dokumente.

Ist Frauen die Klasse des Dienstwagens also weniger wichtig?

Mit Männern gibt es oft etliche Diskussionen über Dienstautos. Für Frauen hat ein Dienstwagen einen anderen Wert. Nämlich den eines Fortbewegungsmittels.

Planen Sie spezielle Frauenförderungsprogramme?

Ich möchte verstärkt Frauen in den Vertrieb holen und den Anteil von 20 auf 30 Prozent steigern. Damit haben wir schon 2011 begonnen.

Ist der Vertrieb eine gute Karriere-Basis?

Ja, viele Karrieren kommen aus dem Vertrieb. Man erhält eine umfangreiche Ausbildung. Versicherungen sind Dienstleistungsunternehmen und man ist nahe am Kunden. Das nimmt man auch mit, wenn man in andere Positionen kommt.

Wie viele Stunden pro Woche gehen in Ihrer Position für den Job auf?

So zwischen 60 bis 80. Da ist auch die Unterstützung der Familie wichtig. Ich habe mich sicher leichter getan, weil mein Mann für meinen Beruf volles Verständnis aufbringt und ich keine Kinder habe. Wir brauchen in Österreich grundsätzlich mehr Einrichtungen für Kinderbetreuung. Das ist viel sinnvoller als mehr Kindergeld. Ich möchte auch Frauen während der Karenz mehr einbinden. Führungskräfte sollen bei regelmäßigen Treffen informieren, was sich im Unternehmen tut.

Werden Sie grundsätzlich eine neue Strategie fahren?

Die Donau ist seit Jahren sehr erfolgreich, ich werde mich an der Front einbringen, aber ich habe nicht vor, diesen erfolgreichen Weg mit Gewalt zu ändern. Die Schwerpunkte werden weiterhin das Firmenkundengeschäft und die Vorsorge – Gesundheit, Pension, Pflege – bleiben. Wir haben derzeit 860.000 Kunden, das Ziel für die nächsten Jahre ist die Million.

Donau: Erste Chefin seit 145 Jahren

Karriere Die Steirerin Johanna Stefan startete nach dem Studium an der WU Wien und dem Internationalen Lehrgang für Marketing Management im Rechnungswesen der Österreich-Tochter der britischen Sun Alliance. 2000 wechselte sie zur Donau, wo sie 2006 Marketing- und Vertriebschefin wurde. Seit 2007 im Vorstand, mit 1. Juni erste Generaldirektorin der 1867 gegründeten Versicherung. Hobbies: Reisen in exotische Länder, Gartenarbeit.

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