Beruf Tierarzt: "Ohne gröbere Verletzungen"

Gabriela Harra-Klarner ist Tierärztin, ein Job für Idealisten mit Einfühlungsvermögen
Eine Frau lächelt mit einem hellen Labrador im Vordergrund.

Kleintiere, Vögel und Exoten behandelt Gabriela Harra-Klarner in ihrer Tierordination am Elderschplatz, aber keine Gifttiere. Das wäre ihr zu gefährlich, dazu hänge sie zu sehr an ihrem Leben. Die Praxis gibt es seit 2007, 100 Patienten pro Woche kommen zu ihr. Mehr als die Hälfte sind Hund und Katz.

1 Tierärztin ist ein Traumberuf – wie traumhaft ist er wirklich? Es ist jedenfalls ein Idealistenberuf. Man muss es gerne machen, mit Liebe, oder man lässt es besser bleiben. Man wird nicht reich damit, verdient aber ganz okay. Zeit zum Geldausgeben habe ich keine.

2 Warum wollten Sie Tierärztin werden? Und wieso nicht Humanmedizinerin?

Ich wollte das von Kind an, meine Eltern wollten es mir tunlichst ausreden: Damals war man sich einig: Frau und Tierarzt verträgt sich nicht. Ich habe meinen Willen durchgesetzt, mir vorgesagt, wenn ich was will, krieg’ ich das auch. Humanmedizin war nie Thema für mich.

3Vor allem der Jobeinstieg ist schwierig, die Gehälter am Anfang sehr niedrig. Wie haben Sie es in den Beruf geschafft?

Ich habe schon während des Studiums in etablierten Praxen und Kliniken mitgearbeitet, viel volontiert, mich durchgewurschtelt. Am Anfang ist es sehr hart: man ist Akademiker und hat es trotzdem schwer.

4 Wie viel verdienen Sie heute?

Das weiß ich nicht genau, die Bilanz 2011 zeigt ein Nettoeinkommen von 1300 Euro im Monat. Ich bin trotzdem glücklich. Ich hatte nie das Animo, reich zu werden.

5Wie kommen Sie mit der Tiervielfalt zurecht? Es gibt Grundlinien, die bei Säugetieren oder Reptilien ähnlich sind. Die Verschiedenheit macht’s ja so interessant.

6 Wie bringen Sie es übers Herz, Tiere einzuschläfern? Ich sehe darin nicht, das Tier umzubringen. Wenn ich dem Tier nicht mehr helfen kann und ein Leidensweg programmiert ist, helfe ich dem Tier und dem Besitzer, dass es schneller geht. Ich hatte durchaus ethische Bedenken, aber ich greife ja nur ein, wenn es gar keine Lebensqualität mehr gibt.

7 Wie oft werden Sie gebissen, gekratzt, verletzt?

Winzige Sachen negiere ich. Ich arbeite seit 1997 mit Tieren, ich hatte noch nie eine gröbere Verletzung. Ich spüre früh, wenn der Körpertonus raufgeht und das Tier etwas im Schilde führt.

8 Was sind Ihre größten Herausforderungen?

Die Patientenbesitzer, die sind oft schwieriger zu therapieren als die Tiere. Die Ignoranz der Menschen ihren Tieren gegenüber frustriert.

9 Wie schwierig ist es, eine eigene Praxis aufzubauen?

Die Anfangsinvestitionen in die Geräte sind groß. Ohne Röntgen und Ultraschall und einem kleinen Labor geht nichts. Auch chirurgische Instrumente braucht man, ich mache alles außer Wirbelsäulen-OPs.

10Was tun Sie, wenn Sie merken, dass ein Tierbesitzer sein Tier schlecht hält?

Ich suche das Gespräch, der Amtstierarzt ist in Österreich oft vergebene Liebesmühe. Im Extremfall versuche ich, das Tier einzubehalten.

11Ist die eigene Praxis alles, was Sie wollten – oder kommt da mehr?

Ich will nicht mehr in Richtung Klinik, auch nicht vergrößern, sondern das so erhalten.

12 Was machen Sie in der Früh als Erstes? Gute Luft reinlassen, mich den Patienten widmen.

13 Wie schwierig sind Diagnosen bei Tieren?

Sie zeigen sehr viel, man muss mit einer Handfertigkeit rangehen. Ich habe mein Wissen und eine hohe Fühligkeit. Oft habe ich einen Gedanken, bevor der Besitzer etwas sagt.

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