Berlusconi und Cameron unter Beschuss
Seine EU-Kollegen hatten Berlusconi am Sonntag massiv unter Druck gesetzt: Italien müsse mehr tun, um die hohe Staatsverschuldung abzubauen. Kaum zurück in Rom, musste Berlusconi das Kabinett zu einer Sondersitzung für Montagabend einberufen. Sein Plan, das Pensionsalter in Italien auf 67 Jahre anzuheben, stößt auf heftigen Widerstand der Koalitionspartner. Zudem sind weitere Schritte zum Schuldenabbau nötig, etwa der Verkauf von Staatsbesitz.
Zusätzlich musste Berlusconi seinen Landsmann im EZB-Direktorium, Lorenzo Bini Smaghi, zum Rücktritt drängen. Frankreichs Präsident Sarkozy ist schwer verärgert, weil Bini Smaghi nicht wie vereinbart einem Franzosen im EZB-Direktorium Platz macht.
Schwer unter Druck stand am Montag auch der britische Premier David Cameron. Er war mit einem Rüffel Sarkozys nach London zurückgekehrt. Dieser hatte Cameron angeschnauzt: "Sie haben eine gute Chance verpasst, den Mund zu halten. Wir haben es satt, dass Sie uns dauernd kritisieren und uns sagen, was wir tun sollen. Ihr (Briten, Anm.) sagt, dass ihr den Euro hasst, ihr wolltet nicht beitreten - und jetzt wollt ihr euch in unsere Treffen einmischen."
Am Montag war Cameron im britischen Unterhaus mit der größten Rebellion in seiner konservativen Partei seit Amtsantritt konfrontiert: Rund 70 Abgeordnete des rechten Flügels von Camerons Fraktion stellten den Antrag auf ein Referendum über die britische EU-Mitgliedschaft. Der Antrag hatte zwar keine Chance auf eine Mehrheit - doch bei den Tories ist der Richtungsstreit über die Europapolitik wieder voll entbrannt.
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