Amerikas Atomlobby setzt neues AKW durch
Ausgerechnet der Chef der Nuklearen Regulierungskommission (NRC) legte sich quer: Als einziges Mitglied der amerikanischen Atomaufsichtsbehörde sprach sich Gregory Jaczko gegen die erste Baubewilligung für neue Reaktoren seit 33 Jahren aus – doch er wurde von seinen vier Kollegen überstimmt.
„Ich kann die Ausstellung der Lizenz nicht unterstützen, als ob Fukushima niemals passiert wäre“, begründete Jaczko seine einsame Entscheidung. Er wollte die verschärften AKW-Sicherheitsstandards abwarten, die seit dem Unglück in Japan in Ausarbeitung sind.
Anti-Atom-Gruppen wollen die Entscheidung der NRC vor Gericht bekämpfen – doch die Verantwortlichen des Energie-Konzerns Southern Company sind siegessicher. Sie haben jetzt die Baugenehmigung und eine Kreditgarantie der Regierung über 8,3 Milliarden Dollar in der Tasche.
"Atomare Renaissance"
Schon 2016 und 2017 sollen die neuen Druckwasserreaktoren mit je 1100 Megawatt Leistung auf dem Gelände des Kernkraftwerks Vogtle im Bundesstaat Georgia in Betrieb gehen.
Southern Company verspricht Investitionen in Höhe von 10,4 Milliarden Dollar und 25.000 neue Arbeitsplätze.
Amerikas AKW-Lobby träumt von einer „atomaren Renaissance“ in den USA, wo 1979 nach dem schweren Unglück im Atommeiler Three Mile Island bei Harrisburg (Pennsylvania) alle Ausbaupläne schubladisiert wurden. Präsident Barack Obama sieht Atomenergie als eine von mehreren emissionsfreien Alternativen zu fossilen Brennstoffen. Experten erwarten aber keinen AKW-Boom: Die Baukosten seien zu hoch, die Erdgas-Preise viel günstiger.
US-Atomenergie: 20 % des Stroms
Anlagen Derzeit sind an 65 Standorten 104 Reaktoren in Betrieb, 28 wurden in den vergangenen Jahren abgeschaltet. Seit vielen Jahren wird an einem Reaktor in Tennessee gebaut. Etwa 30 Projekte befinden sich in Planung.
Ausbeute Die Atomreaktoren produzieren etwa ein Fünftel des Strombedarfs der USA. Die Regierung ist für den Ausbau und die Modernisierung der AKW. Sie sieht Atomkraft als emissionsfreie Energiequelle und als Chance, die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu verringern.
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