Sie heißen Pick-up-Artists

Gabriele Kuhn

Gabriele Kuhn

So genannte Pick-up-Artists gelten als die neuen Mega-Machos und Feindbilder von Feministinnen.

von Gabriele Kuhn

über Pick-up-Artists.

Sie heißen Pick-up-Artists und werden – seit Erscheinen der MachobibelThe Game“ von Neil Strauss – angeblich immer mehr: Männer, die das Aufreißen von Frauen als Wettspiel oder Startup-Projekt verstehen – ohne echtes Herzflimmern. Was zu diesem Zeitvertreib gehört: Tumbe Attraktivitätsskalen, komische Sprachcodes und so manche Gockelei.

Frauenfeind, fieser Kerl, linker Typ: So genannte Pick-up-Artists gelten als die neuen Mega-Machos und Feindbilder von Feministinnen. Eine Begriffsdefinition: PUAs (so die schicke Abkürzung) sind Männer, die die Kunst der Verführung in speziellen Workshops oder durch einschlägige Lektüre optimieren, um möglichst viele Frauen ins Bett zu kriegen.

Die Weiberjagd wird so zur Treibjagd und zum Projekt – im Rahmen eines Systems, das auf emotionale Manipulation setzt. Angeblich wird nichts dem Zufall überlassen – jedes Augenzwinkern, jede Berührung, jedes Wort ist Kalkül. Dementsprechend pfui fällt das Urteil vieler Frauen aus, sie zeichnen ein geradezu teuflisches Psychogramm der Do-it-yourself-Don-Juans. In der FAZ wurde dazu die Soziologin Leonie Viola Thöne zitiert. Sie sagt: „Pick-up-Artists sind manipulative, frauenfeindliche Aufreißer, die einem mehrstufigen Plan vom ersten Ansprechen bis zum Sex folgen und eine große Zahl von einstudierten Verhaltensmustern und Tricks nutzen. Diese Männer wollen Frauen brechen.“

Auch die junge Feministin Clarisse Thorn sagt über die bösen Bussibären wenig Charmantes: „Alle Pick-up-Artisten haben das gleiche Ziel: Sex mit möglichst vielen Frauen.“ Thorns Zugang ist dennoch entspannter. Für ihr Buch „Fiese Kerle?“ begab sie sich in die Szene, um festzustellen, dass die meisten PUAs auch nur Menschen sind – Machos, Komplexler, Draufgänger, Schüchtis. Alle wollen vögeln – und das möglichst oft (aus meiner Sicht eher keine revolutionäre Erkenntnis). Was neu ist: In den USA, aber auch in Deutschland hat sich rund um die Möchtegern-Alphas eine testosteronangereicherte Szene entwickelt. Samt der klassischen Revierpinkel-Hierarchie, die die Kings von den Vollkoffern trennt – Helden gegen Loser, quasi. In Internet-Foren findet intensiver Know-how-Transfer statt, samt prahlerischer Einloch-Schilderungen.

Das größte deutsche Aufreißerforum heißt pickupforum.de und hat fast 100.000 Mitglieder. Wer darin – wie ich – ein wenig stöbert, kommt sich ein bisserl wie auf dem Spielplatz in der Sandkiste vor. Wo die Buben sitzen und mit dem größeren Schauferl oder dem tolleren Bagger prahlen. Die Herren sind zwar körperlich schon groß, aber sonst? Stagnation auf Sandkisten-Niveau – die Schauferln und Bagger heißen jetzt halt Babsi, Manu oder Moni.

Auch nicht uninteressant: Die Herren haben für ihre „Kunst“ eigene Codes und Regeln entwickelt (Wenn Sie mich fragen: lächerlich, siehe Abschnitt „Sandkiste“). Wie eine Frau aussieht, wird auf einer Attraktivitätsskala eingestuft, die „Einser-Hasen“ heißen jetzt HBs: Hot Babes. Am unteren Ende logieren UGs: Ugly Girls, hässliche Frauen. Wer ein HB trifft, hat vor allem das im Sinn: sexuelle Eskalation, auch FC genannt – für Fuck Close. Ein AMOG (Alpha Male Other Guy) könnte da störend wirken, wichtig ist – anyway – die IOS bei ihr zu checken – Indicators of Interest (und mit „Interest“ ist nicht ihr Interesse an spätmittelalterlicher Lyrik gemeint). Mit Pusteln reagieren PUAs übrigens auf das Syndrom „LMR“: Last Minute Resistance (der Frau, knapp vorm Einlochen). Da sage ich nur: MIGALGA – Mitleid ist gut, aber leider grad aus.

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