Saugfähig

Die Kolumne vom Zipp und vom Zumpf regte so manchen Leser an, eigene schmerzhafte Erfahrungen vorzubringen. Nicht nur: Ein E-Mail erhielt interessante Post – eine Dissertation aus dem Jahr 1978 mit dem Titel „Penisverletzungen bei Masturbation mit Staubsaugern“. In der dreht sich alles um die Saugdüse eines Staubsaugermodells namens „Kobold“.
Gabriele Kuhn

Gabriele Kuhn

Die ZIP-Datei hatte nichts mit Zipp-Verletzungen zu tun, sondern enthielt eine Dissertation aus dem Jahr 1978.

von Gabriele Kuhn

über Penisverletzungen mit Staubsaugern

Zum Thema „Zumpf & Zipp“ (siehe Kolumne vom vergangenen Samstag, in der ich den fatalen Zusammenhang zwischen Reißverschluss und Penisverletzung beschrieb) gibt es anscheinend mehr zu sagen, als ich je geahnt hätte.

Zahlreiche Bekennerschreiben trafen ein: „Ist mir leider schon passiert, ich habe heute noch eine Narbe. Das freut meine Frau. Grins.“ Oder: „Ist mir mal bei einem sommerlichen One-Night-Stand zugestoßen, als ich – geil wie Nachbars Lumpi – mein Ding schnell rausholen wollte. Ich trug keine Unterhose. Und schon stand ich in der Klemme.“ Natürlich wurden mir auch erboste Briefe zugesandt: „Das haben Sie nur erfunden – wie blöd muss ein Mann sein, dass ihm das passiert?“ Ich überlege heute noch, was ich darauf antworten soll. Eine Dame aus Wien-Leopoldstadt reflektierte: „Man kann sich auch die Schamlippen einzwicken – und zwar im Druckknopf vom Body, schreiben Sie das mal!“

Ja, die Unter-Welt ist verrückt und ist man einmal in sie vorgedrungen, kommen Dinge zu Tage, die wir vielleicht gar nicht so genau wissen wollten. Was mich zur nächsten Leserpost führt. Herr K. aus W. schickte mir ein E-Mail mit folgendem Wortlaut: „Zum Thema Penisverletzungen vielleicht noch eine kleine Anregung, siehe Attachment.“ Die ZIP-Datei hatte allerdings nichts mit Zipp-Verletzungen zu tun, sondern enthielt eine Dissertation aus dem Jahr 1978. Titel: „Penisverletzungen bei Masturbation mit Staubsaugern“. „Ort“ der Diss: „Urologische Klinik und Poliklinik Rechts der Isar der Technischen Universität München“. Verfasser der Diss: Michael Alschibaja Theimuras, geboren am 17. Februar 1943 in Paris. In dieser Arbeit untersuchte der Mann, um Doktor med. zu werden, insgesamt 16 Staubsauger/Penis-Unfälle aus den Jahren 1966 bis 1972. Und wurde damit – vermutlich ungewollt – berühmt. Wieso?

Deshalb: In Expertenkreisen machte das männliche Verletzungsmuster relativ rasch als „Morbus Kobold“ die Runde. „Kobold“ war ein Staubsauger-Modell der Firma „ Vorwerk“ und als Lust-Motor so beliebt wie gefährlich. Die Spezialität des „Kobold“ war dessen (fatale) Beschaffenheit: Gleich hinter der Saugdüse befand sich der Motor samt rotierendem Propeller. Wer sich am Luftstrom des Saugers aufgeilen wollte, kam – bei angemessener Penislänge – damit in Kontakt. Der Rest ist Kranken-Geschichte.

Die Firma Vorwerk (Slogan für „Kobold“: „Nur Saugen allein genügt nicht“) kämpfte gegen das neue Image, es kam wegen diverser Publikationen sogar zum Rechtsstreit. Dennoch ist die Dissertation bis heute legendär und wurde im Jahr 2004 zum Comedyprogramm. Schauspieler Christoph Maria Herbst („Stromberg“) und Charlotte Roche („Feuchtgebiete“) lasen aus der Doktorarbeit, „untermalt“ wurde der Vortrag mit Dias.

Meine Lieblingsstelle aus den Krankengeschichten: „Wie viele Männer nutzte auch ein 70-jähriger Rentner die Abwesenheit seiner Frau, um die Wohnung aufzuräumen und staubzusaugen. Er trug dabei keine Hose, und als er die Düse des Staubsaugers wechseln wollte, geriet sein Penis in den Staubsaugerpropeller.“

Ich sage nur: Bitte keine blöden Ideen jetzt.

Kommentare