Im falschen Theater!
So hat es der Mann nebenan vermutlich schwer mit mir.
über die Szenen einer Redaktionsehe.
Sie
Meine Mutter hat mir vieles beigebracht, aber nicht, einen Mann für sein Mannsein zu bewundern. Dafür bin ich ihr bis heute dankbar. Nicht auszudenken, was mit mir geschehen wäre. Aber so. So hat es der Mann nebenan vermutlich schwer mit mir, doch dazu kann ich nur folgende Binsenweisheit flöten: „An Problemen wächst der Mensch.“ So betrachtet, müsste der Mann nebenan längst ein Gigant sein. Denn zu seinem Problem, mich als Problem zu haben, kommt noch das Problem, sich selbst als Problem zu haben. Ein Problem-Fall, also. Sie können nicht folgen? Dann treten Sie ein, in das Reich des Absurden.
Es ist kompliziert 1. Problemstellung: Fahre zum Raimundtheater, um dort eine Karte gegen eine andere Karte auszutauschen. 2. Problemlösungsansatz: Mein an sich weltkluger Mann spricht tagelang darüber, dass er zum Raimundtheater fahren müsse, um eine Karte zu tauschen. Stimmt, das Leben ist verdammt kompliziert. Nach Tagen ist es so weit: Er bricht auf, nachdem er zuvor drei Mal gestöhnt hat: Wäh, so blöd, jetzt muss ich dorthin fahren. Da ist sicher ein Stau. Da sind sicher viele Leute. Milder Unmut keimt in mir auf: Fahr einfach! Sicherheitshalber frage ich: Du weißt, wo das Raimundtheater ist? Er schenkt mir dafür einen „Hältst-du-mich-für-völlig-deppert“-Blick. Und geht ab. 3. Die Stunden rücken voran. Irgendwann öffnet sich leis’ die Tür zu unserer Wohnung und ein erschöpftes männliches Wesen schleppt sich ins Vorzimmer. Es ist still. Ich wage ein Nau, wie war’s, alles okay? Und verkneife mir ein Wie war der Aufstieg zum Nanga Parbat? Der Mann nebenan schaut mich an und sagt nur: Du wirst lachen, ich war beim falschen Theater. Ronacher, bingo. Ich sage nichts, denke nur: Danke, Mutti, schön blöd wäre jetzt, müsste ich bewundernd so tun, als wäre das alles völlig normal.
Er
Die Frau nebenan hat in ihrem heutigen Text einen sehr klugen Satz geschrieben: „So hat es der Mann nebenan vermutlich schwer mit mir“. Tja. Hätte sie dabei auch noch auf das Wort „vermutlich“ verzichtet, wäre die Formulierung makellos.
Der Rest ihrer Erzählung ist der beste Beweis dafür, wie mühsam es sein kann. Ich ergänze die Geschichte jetzt um meine Sichtweise. 1. Ich bin einem unerklärlichen Selbstverständnis folgend tatsächlich zum falschen Theater gefahren. 2. Na und? 3. Dieser Ausflug musste im Rahmen einer extrem arbeitsintensiven Woche stattfinden. Heißt: Neben dem üblichen Schreiben war auch ein Konzept zu verfassen sowie dessen Präsentation vorzubereiten und durchzuführen. Weiters galt es, gemeinsam mit der Tochter Binomische Formeln, Äquivalenzumformungen und das Pythagoreische Tripel zu erforschen. Weil nämlich so eine Matheschularbeit hat nicht sie, die haben immer wir. Und während die Autorin links lange Tage im Büro verbrachte, durfte ich auch Haushalt und Hund schupfen. Da kann man dann schon einmal Raimundtheater und Ronacher verwechseln (herrje, ich jammer’ schon wie sie ...).
Funkeln in den Augen Aber jetzt kommt’s erst. 4. Um mir keine Blöße zu geben, hätte ich ihr die Geschichte verschweigen können. Da ich aber eine Frohnatur bin, habe ich sie erzählt. 5. Sofort sah ich das Funkeln in ihren Augen, weil sie a) den Lapsus geahnt hatte und b) die Story witterte . „Lustig“, sprach sie harmlos. „Darf ich das schreiben?“ 6. Ich willigte großzügig ein.
7. Sie stürzte sich wie eine Löwin über die Ronacher-Beute und zerlegte sie lustvoll mit Zähnen und Krallen in alle Einzelteile (links nachzulesen). 8. Gegönnt. 9. Umgekehrt würde ich das nie tun. 10. Obwohl – die Geschichte vom iPhone in der Klomuschel sollte irgendwann geschrieben werden.
Twitter: @MHufnagl
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