Bummeln? ¡Vamos!

Romantisch. Oder?
Sie sagt die Wahrheit, und er fühlt sich als König.
Michael Hufnagl

Michael Hufnagl

Gabriele Kuhn

Gabriele Kuhn

Ich habe es ohne Gram und Grant und trotz fehlenden Talents zur dumpfen Passivität würdevoll geschehen lassen.

von Michael Hufnagl

über die Szenen im Urlaub

Sie

Empörung. Nicht beim Mann, sondern bei so manchem Leser. Die „Freunde des geplagten Hufnagl“ (vielleicht wird demnächst eine kleine Selbsthilfegruppe gegründet) sind solidarisch mit dem Opfer meines „Konsumterrors“. Ich darf erinnern: Vergangene Woche beschrieb ich den Interessenskonflikt, der sich im sonnigen Barcelona auftat – weiblicher Shoppingwunsch boykottiert männlichen Kulturauftrag. Prompt wurde ich per Mail beschimpft: Was ich nicht für eine Banausin und schlechte Mutter sei. Eine, die das Kind dumm und den Mann an ihrer Seite unglücklich mache. Danke für die Anteilnahme, aber 1.) weiß das Kind im Schlaf, dass es a² + b² = c² heißt. Und 2.) Der Mann mag mich immer noch. Ätsch.

Dienst an der Sache

So war’s wirklich: Von fünf Tagen in Barcelona fielen drei auf Feiertage – da hat fast alles zu. An diesen Tagen bepilgerten wir so ziemlich alles, was die Stadt an Pilgerstätten hergibt. Wir sahen so manche Kirche von innen. Wir wissen jetzt, wo Gaudí werkte, wohnte und allenfalls Lulu ging. Wir haben Straßenmusikanten Euros gegeben und einem Taschendieb eine ganze Geldbörse (für die Freunde des armen Hufnagl: Es war seine!). Wir sahen eine Karfreitagsprozession und die heiligen Spielstätten des FC Barcelona. Die nur vom Bus aus, aber immerhin. „Geshoppt“ haben wir eineinhalb Tage – dies mit einem hingebungsvollen Mann, der sagte: Diese Stunden stelle ich mich in den Dienst der Sache. Die Sache heißt übrigens: 13. Geburtstag. Und so litt unser aller Osterhase weniger an Diskussionen im Stile von Blaue Bluse, gelbe Bluse oder doch lieber wieder eine schwarze? oder Ist mein Hintern zu dick für den Rock? Sondern eher an der Tatsache, dass es in keinem der Konsumtempel Sitzgelegenheiten für erschöpfte Männer gibt, die gute Miene zum teuren Spiel machen.

Twitter: @GabrieleKuhn

Er

Ich habe zum Konsum einen eher pragmatischen Zugang. Man mag ihn auch langweilig, bieder oder typisch (wofür auch immer) nennen, aber ich lebe tatsächlich nach einem sehr simplen Grundsatz: „Hoppla, ich brauche eine Hose. Ich sollte daher demnächst in ein Hosenfachgeschäft gehen, um eine Hose zu erstehen.“ Und wenn es so weit ist, bemühe ich mich, den Shopping-Akt so kurz wie möglich zu gestalten. Ich käme dabei aber nicht auf die Idee, nach dem Motto „Wenn ich schon unterwegs bin“ Kleidung quasi auf Verdacht zu suchen .

Ich habe aber sehr wohl Verständnis dafür, wenn die Mehrheit meiner Kleinfamilie für ein paar Stunden lustvoll durch Geschäfte bummeln will. Mehr noch, wenn wir uns in einer Stadt mit Chic und Pfiff befinden.

Ich habe hingegen nicht das geringste Verständnis dafür, dass es in 99 Prozent aller Geschäfte tatsächlich keine Sitzgelegenheiten für Mitbummler wie mich gibt. Das ist doch vertrottelt. Da sehnt man sich dann richtig nach weiblichen Schuhwünschen, um seine Geduld wenigstens sitzend (zur Not einen Schuhkauf vortäuschend) beweisen zu dürfen.

Dem Dieb zum Trotz

Ich habe es dennoch ohne Gram und Grant und trotz fehlenden Talents zur dumpfen Passivität würdevoll geschehen lassen. Daher beanspruche ich für mich den Titel „König von Barcelona“ (und da braucht mir jetzt der Messi-Floh im Anspruch auf die Krone nicht blöd kommen).

Mehr noch, da mir unmittelbar vor Betreten der ersten Boutique mit einem Griff klar wurde, dass mein Geldbörsel spontan den Besitzer gewechselt hatte. Ich aber trotzdem nicht unter Berufung auf das Schicksal („Kinderleins, Gott Visa will offenbar nicht, dass wir österliche Opfer bringen“) zum Spielverderber wurde. Im Gegenteil: König Miguel hat Volksnähe demonstriert. Und sich eine neue Hose gekauft.

Twitter: @MHufnagl

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