Grippe, Arnie und Sexismus – die Woche im Rückblick

Michael Hufnagl

Michael Hufnagl

Steigt die Temperatur weiter so rasant,dürften wir zur geplanten Eröffnung in Schladming alle tot sein.

von Michael Hufnagl

über eine fiebrige Woche

Es war eine fiebrige Woche. Da erscheinen Kanzler Faymanns Worte im Rahmen der Umweltkonferenz passend: „It doesn’t help to just close our eyes“. Genau. Sehen wir uns lieber Fakten an. Wie z. B. der KURIER seine Lesergemeinde mit dem Titel alarmierte: „ Grippewelle – jetzt sind schon 100.000 erkrankt“. Und wie Österreich am gleichen Tag seiner Schlagzeilengleichung Wahrheit x 2 = Aufreger treu blieb: „Grippewelle explodiert – 200.000 sind krank“.

Aber sogar diese Zahl ist nur pipifax im Vergleich zu jenem Fieber, das traditionell unwidersprochen ein ganzes Land zu erfassen pflegt. Bereits am Dienstag wusste die Krone von einem „Ski-Fieber“ zu berichten und offenbarte dazu ein Thermometer, das fast 42 Grad anzeigte. Steigt die Temperatur weiter so rasant,dürften wir zur geplanten Eröffnung in Schladming vermutlich alle tot sein.

Arnoldismus

Was besonders traurig wäre, denn: Wer bewundert dann unseren (in Worten: UNSEREN) Arnold Schwarzenegger? Und wer übernimmt die Beweisführung für das Phänomen des unheilbaren Arnoldismus (medizinischer Fachbegriff für den krankhaften Bauchlage-Reflex heimischer Medien bei Erscheinen des steirischen Hollywoodstars, inkl. „Arnie-Fieber“).

Diesmal jedenfalls kam die Eiche als Initiator der R20-Konferenz nach Wien, wo er – g’lernt is g’lernt – die Hauptrolle des coolen Klima-Propheten übernahm. Mit Sätzen wie: „Luft, Wasser, Energie sind nicht republikanisch oder liberal ...“ Und im Unterschied zu Frank Stronach, von dem diese Weisheit auch stammen könnte (allenfalls bereichert um paar „Werte“-Parolen), wurde er dafür ehrfürchtig beklatscht.

Es scheint daher nur eine Frage der Zeit, ehe endlich eine fundamentale Textänderung der Bundeshymne dem Glanz dieses großen Österreichers Genüge tun wird:

Land der Berge / Land am Strome / Schwarzenäcker / Land der Dome ...

Den rot-weiß-roten Töchtern ist die Aufnahme in den Hymnentext ja schon gelungen. Vor Sexismus sind sie deshalb nicht geschützt. Dafür dürfen sie sich in Anbetracht eines gewaltigen Twitter-Aufschreis zum Thema „Männer, lasst das!“ über die politische Reaktion wundern.

Anlassgesetzgebung

Diese ist nämlich nicht eine grundlegenden Debatte, sondern ausschließlich eine Bearbeitung der Frage, ob das Strafrecht auch für Po-Grapschen gelten sollte. „Ja“, sagt Frau Heinisch-Hosek (SPÖ). „Nein“, sagt Frau Karl (ÖVP) und strapaziert wieder einmal das Wort „Anlassgesetzgebung“. Die dürfe es nämlich nicht geben. Ungeklärt lässt auch sie wieder, was denn außer Anlässe für Gesetze verantwortlich sein sollte.

Viel klarer ist da schon der Kanzler. Der wird nämlich für eine „Zustandebringung“ eines neuen Lehrerdienstrechts ein Gespräch mit Fritz Neugebauer suchen (na dann ...). Und er wird den Wasser-Grundversorgungsauftrag in der Verfassung verankern lassen, um das Privatisierungsfieber zu senken und die drohende Ausverkaufs-Pandemie zu verhindern.

Gegen den Anstieg der Arbeitslosigkeit um 6,9 % und die absolute Mehrheit für die Fraktion „G’sunde Watsch’n is okay“ wird Faymann sicher auch etwas einfallen. It doesn’t help to just close our eyes. Heißt: Ein paar Placebos sollten sich bis zur Wahl noch ausgehen.

michael.hufnagl@kurier.at

Twitter: @MHufnagl

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