Einkehrschwung im Jammertal – die Woche im Rückblick

Michael Hufnagl

Michael Hufnagl

Denn es ist passiert, was nicht passieren kann, was nicht passieren soll, was nicht passieren darf.

von Michael Hufnagl

über Österreich, Land der Wuzler

Gut, dass es Kevin Hundstorfer gibt. Der junge Mann ist nämlich Weltmeister. Und mit solchen ist die Nation im Moment ja derzeit nicht gesegnet. Hundstorfer hatte einige Tage, bevor das Fußballteam gegen walisische Giganten wieder einmal eindrucksvoll seine Rolle als Jausengegner bestätigte, den Wuzel-Titel erobert. Heißt: Kein Mensch weltweit beherrscht den Tischfußball besser als der 21-jährige Oberösterreicher.

So richtig verwundern tut das freilich nicht, denn immerhin handelt es sich dabei um eine sportliche Tätigkeit, deren Ursprung im Wirtshaus zu finden ist. Aber damit nicht genug. Auch im Damen-Doppel ging der WM-Titel nach Immer-wieder-Österreich. Land der Wuzler, na bitte – und das trotz einer internationalen Konkurrenz, deren Dimension z. B. einem Skivolk völlig fremd ist. Aber ...

… schon sind wir beim Einkehrschwung im Jammertal.

Güldenes Fest

Denn es ist passiert, was nicht passieren kann, was nicht passieren soll, was nicht passieren darf. Seit Wochen wird die Ski-Nation Österreich auf einen nie dagewesenen patriotischen Glückstaumel vorbereitet, auf eine Demonstration rot-weiß-roter Einzigartigkeit, auf ein güldenes Fest im eigenen Schladming, und dann das: drei Rennen, eine Medaille, und zwar die Bronzene im Blinddarm-Bewerb namens Super-Kombi. Davor: Zwei Super-Gs ohne ein Super. Die Reaktionen auf die Enttäuschung sind dreierlei. Es gibt:

1. Die Skandalisierer. Sie fordern ein flächendeckendes Schämen, wissend: Hätte Marcel Hirscher, statt ausgebootet zu werden, mitfahren dürfen, wäre alles ganz anders gekommen. Er nämlich hätte Gold, Silber und Bronze geholt.

2. Die Beschwichtiger. Sie fordern Geduld und verweisen darauf, dass vier Fahrer in den Top 10 eh ein achtbares Ergebnis seien (stimmt, vermutlich werden die Skifans noch in vielen Jahren über diese kompakte Teamleistung schwärmen).

3. Die Ignoranten. Sie fordern grundsätzlich Wurschtigkeit. Und genau sie werden spätestens zwei Tage nach Ende der WM, egal, wie viele Medaille diese noch bringen mag, wie immer die Sieger sein.

Erfreulich am Ski-Wahn, der diese Woche dank Opernball chauvinistische Verstärkung bekam (der größte, schönste und überhaupt Ballsaal des Universums), ist nur:

1357,6 km/h

Die Politik bzw. das, was superwahljahrhysterische Funktionäre dafür halten, rückt in den Hintergrund. Die Duelle …

... SPÖ gegen ÖVP (wer schafft es, mit Abers zu Demokratiepaket oder Ländersteuern weniger zu langweilen),

FPÖ gegen Team Stronach (wer krakeelt lauter „Das Boot ist voll“),

… oder FPK gegen BZÖ (wer macht sich als Haider-Erbe lächerlicher) erscheinen in der Wahrnehmung so bedeutend wie zum Beispiel die Nachricht, dass Felix Baumgartner mit beeindruckenden 1357,6 km/h statt wie bisher gedacht mit lächerlichen 1342,8 km/h Richtung Erde fiel. Und zwar aus 38.969,4 Metern Höhe, um dem nutzlosen Wissen auch an dieser Stelle den Rest zu geben.

Erkenntnis der Woche: Hießen Österreichs Regierungspolitiker Niemetz, stünde das Volk hinter ihnen. Von 41.200 Facebookern, die sich der Initiative „Rettet die Schwedenbomben“ bis dato angeschlossen haben, träumen rot-schwarze Parteigranaten nur. Solidarität mit einem Kalorienkönig! So schaut’s aus im Land der Weltmeister!

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