Ein toter Bär und zahlreiche Illusionen
Wir sind alle längst so durcheinander, dass wir uns sogar einbilden, schon wieder Neuschnee zu sehen.
von Michael Hufnagl
über eine verwirrende Woche
Unser Hirschi hat sein Gold. Unser Schlieri und unser Waltzi sollten ihres demnächst erobern. Damit es uns allen gut geht. Aber selbst in den Augenblicken größter Triumphe dürfen wir bitte unseren Bären nicht vergessen. Der ist nämlich tot. Erschossen.
So fröhlich war er als berühmter Ausflügler durch Tirol getapst. Und so hilfsbereit. Immerhin hatte er die Polizei gar zu einem Mordopfer geführt. Aber nach seinem Auswandern in die Schweiz verwandelte er sich laut Heute „offenbar zu einem echten Flegel“. M13, wie er liebevoll genannt wurde, brach in Häuser ein und wurde zur Gefahr für die Menschen. Also musste er sterben. Heute-Titel: „Gnadenlos: Schweizer knallen einfach unseren Bären ab!“
Es war – einfach – keine gute Woche für Tiere. Auch die Krone präsentierte auf Seite 1 eine Schreckensmeldung: „Esprit muss in den Krankenstand.“ Unser Border Collie, der zum Triumph bei „Die große Chance“ gehüpft war, ist nämlich „überarbeitet“. Er hat eine Entzündung im Zehengelenk und darf acht Wochen lang keine Auftritte absolvieren. Der Manager ist ratlos: „Bei einem Musicalstar wäre das kein Problem, da gibt es Ersatz. Aber bei einem Hund?“
Schimmel
Da wird sogar ein Skandal um Pferdefleisch vergleichsweise zur Lappalie. Obwohl dessen Vorkommen in Lasagne, Würsteln oder Kebab einen ganzen Kontinent bewegt. Freuen tut das zumindest a) die wiehernden Witz-Industriellen, die sich austoben dürfen („In meinem Essen ist Schimmel“). Und b) Menschen wie Margarete Gumprecht. Die Fleischhauerin verkauft nämlich plötzlich um zehn Prozent mehr Stutenmilch bzw. Leberkäse vom Ross. Für sie ist das alarmierende Ergebnis der landesweiten Tests quasi ein Pferdrutschsieg.
Aber: Was können wir noch glauben? Auf Fleischpackungen stehen Unwahrheiten. Peter Hochegger hat als Telekom-Lobbyist angeblich Scheinrechnungen ausgestellt. Ein Dr. Ferdinand von Rohr verkaufte als Bordeaux getarnten Fusel. Und ein 25-jähriger Wiener wird gesucht, weil er als Heiratsschwindler 13 Frauen um deren Marie gebracht haben soll.
Illusionen allerorts. Wir sind alle längst so durcheinander, dass wir uns sogar einbilden, schon wieder Neuschnee zu sehen. Da braucht es schon eine österreichische Konstante zur Beruhigung. Wie z. B. die ORF-Schlagzeile: „Wie erwartet kein Ergebnis haben die Verhandlungen über ein neues Lehrerdienstrecht gebracht.“
Schnoferln
Schon ein Ergebnis gebracht hat hingegen Werner Faymann. Und zwar aus Brüssel mit nachhause. Betreff: EU-Budget. Das jedoch fanden die anderen Parteien ganz mies. Josef Bucher forderte daher die ganze Regierung zum Rücktritt auf und nahm sich dabei in alter BZÖ-Tradition allenfalls sogar ernst. H.C. Strache wiederum meinte, Faymann würde als „teuerster Kanzler in die Geschichte“ eingehen und schwenkte seiner sonderbaren Logik folgend einen Schottenrock. Und die ÖVP zog tagelang Schnoferln, ehe sie sich nach roten Gegenschnoferln als Koalitionspartner ein „akzeptabel“ herausquälte. Ein Streit, zu dem Othmar Karas nur sagte: „Kleinkariertes, peinliches Parteiengezänk.“
Darauf stoßen wir an. 215 Pro-Kopf-Krügerln trinken die Österreicher im Jahr. Vermutlich wissen sie genau, warum.
Twitter: @MHufnagl
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