Alles für die Oma

Die Woche im Rückblick.
Michael Hufnagl

Michael Hufnagl

Alles für die Oma!

von Michael Hufnagl

über das Bankgeheimnis.

Zu Beginn soll der „Mensch der Woche“ stehen: Die Oma! Immerhin wird diese als (ehrliche) Besitzerin eines Sparbuchs seit Tagen von heldenhaften Regierungspolitikern als symbolische Hauptfigur eines grandiosen Schauermärchens benützt.

Die österreichische Großmutter bzw. ihr und unser aller Bankgeheimnis muss nämlich beschützt werden. Und zwar a) vor gierigen EU-Bürokraten, und b) vor der Neugier des bösen Nachbarn. Die Oma ist nämlich ein bisserl naiv, ein bisserl ängstlich und ein bisserl deppert. Und deshalb fürchtet sie nichts mehr als das Lüften ihrer Geheimnisse wie die 30-Euro-Überweisungen ans Enkerl. Aber – tata!!! – nicht in diesem Land! In dem Hohepriester des Populismus nicht müde werden, ihrem Wahlvolk in spe die wahren Motive für ihren Widerstand gegen automatische Datentransfers zu verschweigen.

Steuerhinterzieher und Schwarzgeldparksünder dürfen nicht geschont werden, tönte es, aber: Es wäre unverantwortlich, „der Oma ins Sparbuch zu schauen“ (Faymann). „Kommt überhaupt nicht infrage!“ (Fekter). „Das Bankgeheimnis bleibt. Rufzeichen!“ (Spindelegger). Alles für die Oma!

Frechheit

Komischerweise deutet trotz dieser Posen nichts darauf hin, dass die übrigen 26 EU-Staaten, eingeschüchtert von der dumpfen Entschlossenheit Österreichs, das Bankgeheimnis wieder einführen. Statt dessen sagt Frankreichs Budgetminister nur: „Nicht normal“.

Eine Frechheit natürlich. Trotzdem gab es prompt es eine neue Strategie: Für die Ausländer soll das Bankgeheimnis nicht mehr gelten. Für die Österreicher hingegen schon – wegen der Tradition und der Psychologie. Und sollte auch dieser Effekt erwartungsgemäß verpuffen, bleibt nur die Frage: Wie verkauft man das Einknicken als Triumph? Großmutterseelenallein in diesem herzlosen Europa!

In der Zwischenzeit hat Frank Stronach seine als Programm getarnte 60-seitige Binsen-Broschüre „Werte, Transparenz, Fairness“ (kurz: wtf) präsentiert. Und in Tirol für Ordnung gesorgt. Was freilich nicht schwer war. Denn der einst gefeuerte Geschäftsführer (von Ex-Berater Fussi via Twitter „Volldillo“ genannt) offenbarte seinem Herren live im ORF sinnbildlich die Bereitschaft, ihm im Bedarfsfall auch die Magnaten-Füße zu küssen.

Hohn

Ansonsten war es vor allem auf Facebook eine intensive Woche. Dort hat ...

... FPÖ-Pressesprecher Stefan Gotschacher laut Falter Sätze wie „Lieber stehend sterben als lebend knien“ gepostet und – klar – den Zusammenhang mit der Waffen-SS nicht gekannt. Heißt: Rechts um! Job weg!

... der Skispringer Thomas Morgenstern, der sich vor vier Monaten noch als glücklicher Papa hochleben hatte lassen, sein Liebes-Aus verkündet;

... der All-Mächtige Felix Baumgartner dem Volk ein Foto von seinem Rendezvous mit Rockstar Ozzy Osbourne geschenkt. Mit dem Problem, dass nicht Osbourne, sondern Gene Simmons zu sehen war und der Hohn stratosphärische Dimensionen erreichte.

Zum Schluss eine nette Österreich-Schlagzeile: „Opa verirrte sich 250 Kilometer mit dem Auto.“ Überzeile: „Polizei gabelte den bayerischen Odysseus auf“. Zumindest darüber wird sich die Oma freuen.

michael.hufnagl@MHufnagl

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