Roter werdende Punkte

Der Wetteransager war vor der Einführung des Binnen-I einmal ein einfach erklärter Beruf.
Harald Schume
Ein Porträt eines Mannes mit braunen Augen vor einem grauen Hintergrund.

Es gibt Berufe, die sind so komplex, dass sie selbst nach viermaligem Nachfragen nicht erklärt werden können. Verfahrenstechniker, zum Beispiel. Es gibt aber auch welche, die scheinen so simpel, dass dagegen jedes Kinderspiel wie ein unlösbares Rätsel anmutet. "Wetteransager" hat man diesen Beruf früher genannt, also vor Einführung des Binnen-I.

Heute wird im ORF die abendliche Moderation zwischen Christa Kummer und Marcus Wadsak aufgeteilt. Es hat den Anschein, dass sie nicht mehr als zwei Minuten am Tag arbeiten.

Ein Traum-Job also.Ein bissl herumfuchteln vor einer Wand und auf Pfeile deuten. Die blauen bedeuten "kühle Atlantikluft", die roten "heiße Mittelmeerluft". Dazwischen fallen Sätze wie " Andau war der heißeste Ort", "die Punkte werden immer roter" oder "Gewitter hat es gegeben". Weil man sich dann doch nicht so genau festlegen will, wird es immer und überall "ein bisschen unbeständig". So kann man nie falschliegen.

Freilich steckt viel Fachkompetenz und Zeit hinter diesem Beruf, die Vorwürfe sind also gemein. Was auch gemein ist: Dass im Sprachgebrauch immer "Er" das Wetter angesagt hat. Auch wenn er eine Sie ist.

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