Tagebuch: Von Lanzinger bis Krøll
Den Anwalt von Karl-Heinz Grasser empört ein "unfassbarer Skandal". Die Rede ist ausnahmsweise nicht von KHG oder vom Fall Kampusch, sondern von einem Mann, der im Gegensatz zu anderen Klienten des Manfred Ainedter keine Feinde hat. Matthias Lanzinger war am 2. März 2008 in Kvitfjell, wo jetzt Klaus Kröll dominiert, folgenschwer gestürzt. Der Klinik in Oslo seien längst, so Jurist Ainedter, vom Gericht fatale Fehler bei der sehr spät erfolgten OP nachgewiesen worden. Lanzinger büßte einen Unterschenkel ein. Die Norweger haben vier Jahre danach trotz bereits abgesegnet gewesener Schadenersatzsumme noch keine Krone überwiesen, sondern einen schwedischen Gutachter angefordert. Lanzinger jammert nicht. Er hat schon nach dem Unfall kein Mitleid wollen und auch den letztverantwortlichen Weltcup-Direktor Günter Hujara wegen Pannen am Rennschauplatz nie öffentlich kritisiert. Das Schicksal will es, dass Hujaras Schwiegersohn inzwischen Lanzingers Trainer ist. Der managt das ÖSV-Behindertenteam, mit dem Lanzinger 2013 zur WM und 2014 zu Olympia will. Für dieses Ziel legte Jungpapa Matthias (Laura ist sechs Monate alt) während des Winters sein Betriebswissenschaftsstudium auf Eis. Lanzinger bekam keine Wild Card. Er musste mit den höchsten Startnummern durch Furchen carven und erkennen, dass Menschen mit Handikap wie Profis trainieren. Die Mühen lohnten sich. In Tignes raste er erstmals aufs Stockerl. Als mittlerweile dreifacher Meister hat er sich in allen Disziplinen für den Weltcup qualifiziert. Mit Skiern von Hannes Reichelt und Kröll alias Krøll. Zur Information für Lanzingers Anwalt: Der Name des steirischen Siegers bedeutet auf Norwegisch "Probleme machen".
Kommentare