"Join!": Ein überlanger Schulskikurs-Witz

Franz Koglmanns „Join!“ enttäuscht bei den Wiener Festwochen.
Eine Frau in silbernem Kostüm posiert auf einer Bühne vor einem Tisch mit zwei Personen.

Offiziell werden die Wiener Festwochen erst am Freitag eröffnet. Und das ist sogar gut. Denn damit gilt: Einfach Schwamm drüber über das, was sich unter dem Titel „Join!“ in der Halle E des MuseumsQuartiers abspielt.

Einen bösen Opern-Wirtschaftskrimi wollten Komponist Franz Koglmann, Librettist Alfred Zellinger sowie Regisseur Michael Scheidl – die Gruppe „netzzeit“ ist Koproduzent – vorlegen. Das Ergebnis jedoch ist ein überlanger Schulskikurs-Witz, bei dem es für die Besucher nicht einmal vorzeitige Fluchtmöglichkeiten gibt. Tipp: Bei den bei der Uraufführung nicht wirklich geforderten „Zugaben“ würden immerhin die Notausgänge geöffnet.

Sonst aber ist man im wahrsten Sinne des Wortes gefangen in der Welt des Konzerns Gen&Brain, zumindest nach einem gemeinsamen Coffee-Break auf der Bühne der Halle E, wo das Publikum im Sitzen oder Stehen und mittels Live-Video die diversen Hahnenkämpfe der Führungskräfte verfolgt.

Impressionen des Stückes

Eine Theaterszene mit Tänzern und einem großen projizierten Gesicht, das telefoniert.

Ein Mann in einem karierten Morgenmantel steht auf einer Bühne vor einer Stadtkulisse.

Eine Frau mit blonder Mähne und Gesichtsbemalung vor einer Skyline.

Zwei Schauspieler mit Laptops stehen auf einer Bühne vor einer gemalten Stadtkulisse.

Eine Theaterszene mit Schauspielern vor einer Skyline und einem großen Porträt.

Eine Theaterszene mit vier Personen an Tischen vor einer Stadtkulisse und einem großen Porträt.

Vier Schauspieler in Kostümen, die an „Star Trek“ erinnern, stehen auf einer Bühne vor einem Logo.

Auf einer Bühne sitzen drei Schauspieler an einem Tisch vor einer gemalten Stadtkulisse.

Eine Frau in einem roten Kleid sitzt an einem Tisch, während ein Mann sich zu ihr beugt.

Vier Schauspieler in Kostümen posieren vor einem Bühnenbild mit einer futuristischen Stadt.

Eine Frau in einem silbernen Kostüm steht auf einer Bühne vor einem Mann im Star Trek-Outfit.

Eine Frau in silbernem Kostüm tanzt vor einer sitzenden Frau auf einer Bühne.

Eine Frau im roten Kleid und ein Mann in „Star Trek“-Uniform stoßen mit Getränken vor einer Fischkulisse an.

Eine Frau in silbernem Kostüm posiert auf einer Bühne vor einem Tisch mit zwei Personen.

Eine Gruppe von Darstellern in Kostümen posiert auf einer Bühne und zeigt mit den Fingern nach oben.

Vier Darsteller in Kostümen tanzen auf einer Bühne vor einem großen Logo.

Eine Frau steht auf einer Pyramide aus als Löwen verkleideten Personen auf einer Bühne.

Eine Frau springt vor einer Gruppe von Personen mit Affenmasken auf einer Bühne.

Es geht um einen Chip, mit dem man rund um die Uhr online sein kann, um materielle Weltherrschaft, um Soft Skills und Hard Skills (gesungen und gesprochen wird in deutscher und englischer Sprache) sowie um das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung. Die „Brave New World“ eines Aldous Huxley lässt ebenso grüßen wie ein George Orwell – Regisseur Michael Scheidl fügt mit Zitaten aus „Planet der Affen“, James Bond, Star Trek, Barbarella oder Supergirl weitere Trash-Elemente hinzu. Nur: Trash sollte sich – um Spaß zu machen – auch als Trash deklarieren; hier aber nimmt sich das Ganze ernst.

Da hilft auch Koglmanns zwischen Klassik, Jazz, Operette und Musical angesiedelte Musik nichts mehr. „Join!“ mäandert trotz des sehr guten Ensembles „die reihe“, des Dirigenten Carsten Paap und teils starker Sänger öde vor sich hin. Wie das Musical „Natürlich Blond“ bewegt sich auch „Join!“ auf dem Niveau eines (schlechten) Blondinenwitzes, ohne jede Lachgarantie.

KURIER-Wertung: ** von *****

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