Eigennutz und Lüge

APA10027070 - 30102012 - WIEN - ÖSTERREICH: vlnr.: Nicholas Ofczarek als "Iwan Petrowitsch Wojnizkij" und Gert Voss als "Alexander Wladimirowitsch Serebrjakow" am Dienstag, 30. Oktober 2012, während der Fotoprobe zu "Onkel Wanja" im Akademietheater in Wien. Das Stück hat am 02. November Premiere. APA-FOTO: GEORG HOCHMUTH
Molières Klassiker Tartuffe in Starbesetzung mit Gert Voss als Orgon im Akademietheater.

Die aktuelle Politik war Luc Bondy Inspiration bei der Regie-Arbeit an Molières „Tartuffe“. „Das Stück wurde schon 120 Milliarden Mal gespielt, aber es ist immer noch ein irres Stück.“

Es gehe in der Komödie aus dem 17. Jahrhundert um die Lüge, „die in der Politik ja mittlerweile selbstverständlich geworden ist“, sagt der Festwochen-Intendant in Anspielung auf den Schwarzgeld-Skandal um den französischen Ex-Budgetminister Jerome Cahuzac.

Im Stück um Scheinheiligkeit, Eigennutz und Lüge, neu übersetzt und bearbeitet von Bondy und Peter Stephan Jungk, spielen neben Gert Voss als Orgon u. a. Edith Clever, Johanna Wokalek und Joachim Meyerhoff als Tartuffe. Der Verführungs- und Verstellungskünstler Tartuffe macht sich im Haus des vermögenden Orgon vollkommen unentbehrlich, indem er vorgibt, dessen Defizit an Lebenssinn mit Religion zu füllen. Mit der hypnotischen Kraft eines Sektenführers dringt er in alle Geheimnisse der Pariser Bürgerfamilie ein, deren Oberhaupt ihm in kompletter, lächerlicher Selbstverleugnung folgt und sogar Haus und Vermögen überschreibt.

Religiöse Heuchelei

Bei der Uraufführung löste „Der Tartuffe oder Der Betrüger“ (Original: „Tartuffe ou L'Imposteur“) 1664 einen Skandal aus. Nicht einmal König Ludwig XIV. konnte seinen Protegé Molière noch schützen. Zu scharf war die Kritik an den religiösen Heuchlern, die obendrein für jeden erkennbar waren.

Auch 350 Jahre später verblüfft die Komödie durchaus mit Wiedererkennungseffekten und Bezügen zur heutigen Gesellschaft.

Welche Methoden wendet ein archetypischer Opportunist wie Tartuffe heute an, um ans Ziel seiner Wünsche zu gelangen? Welche Verführungskünste setzt er ein? Wie rücksichtslos ist er in der Wahl seiner Mittel?

Info: 28. und 29. 5.; 4., 5., 8., 10., 12., 14., 18., 21. 6. (19.30 Uhr), 16. 6. (19 Uhr) im Akademietheater.

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