Nova Rock: Beweis erbracht, Musik wurscht

Rammstein, KISS, Deichkind dominieren ein schwächlich besetztes Nova Rock.
Till Lindemann von Rammstein singt während eines Konzerts ins Mikrofon.

Es gibt ja seit Jahren die freche Unterstellung, dass die Musik bei großen Festivals bestenfalls ein nicht weiter störendes Hintergrundgeräusch sei. Auf ein Festival gehe man wegen des zwischen Schlammparty und Bungee-Jumping angesiedelten Drumherums. Wenn man dann um drei Uhr Früh, unterhaltungschemikalisch leicht gehandicapt, gemeinsam unter 20.000 Zelten das eigene sucht, kommt man sich halt menschlich rasch näher. Angeblich gibt es genug Besucher, die nur feiern und keine einzige Band sehen.

Das Line-up – also die Parade der im Angebot befindlichen Bands – des heurigen Nova Rock in Nickelsdorf kann man nicht anders interpretieren denn als Versuch, diese These zu beweisen. So schwächlich, so überraschungsarm, so wenig interessant war es noch nie.

Der einzige Knaller im heurigen Programm sind die Masken-Opas von KISS, die bei uns noch nie auf einem Festival gastierten, verlässlich die ganz große Rock-Kinderjause servieren und auch artig eine „Megashow“ versprochen haben. Doch ehrlicherweise muss man dazusagen: KISS verhalten sich zu real existierender Rockmusik so wie die Harlem Globetrotters zu richtigem Basketball. Strenge Maßstäbe darf man zwischen Blutspucken und Raketen-aus-der-Gitarre-abschießen nicht anlegen, vor allem nicht, wenn Paul Stanley seine inzwischen an eine schlecht geölte Tür erinnernde Stimme erhebt: Ich wurde erzeugt für lieben dich, Säugling!

Dass das durchgeknallte Hamburger Kunst-HipHop-Kollektiv Deichkind – nicht die größte, aber die interessanteste Band im Line-up – gleichzeitig mit KISS auf der zweiten Bühne spielt, muss als programmtechnische Gemeinheit gewertet werden.

Das große R

Die gemessen an der reinen Wasserverdrängung größte Band sind heuer Rammstein. Sie enttäuschten Freitag gegen Mitternacht nicht: Mehr Explosionen als bei einem Jerry-Bruckheimer-Film, dazu schwer mahlende Gitarren und das noch schwerer rollende „R“ von Sänger Till Lindemann.

Und dazu diese Bühnenshow, stets im Niemandsland zwischen Kasperltheater und „Wollt ihr den totalen Krieg?“ angesiedelt. Immer, wenn Keyboarder Flake bei „Mein Teil“ in den Kochtopf gesteckt wird, kann man sich des Gefühls nicht erwehren: Das Ganze ist pures Kabarett, nur kriegt es niemand mit. Und noch eine Frage drängt sich auf: Wie würden die ganz ohne Materialschlacht klingen, sagen wir, bei MTV Unplugged, barfuß, auf bunten Teppichen, mit Kerzenleuchtern als einzigem Pyro-Effekt?

Fazit: gute , aber sehr vorhersehbare Show.

Die Headliner-Show auf der zweiten Bühne durfte Hollywood-Schmusebär Jared Leto mit seiner Band Thirty Seconds To Mars übernehmen. Ein dreckiger Job – weil zur Hälfte die Völkerwanderung Richtung Rammstein einsetzte – aber jemand musste ihn ja machen.

Ein Sänger mit Sonnenbrille und langen Haaren singt in ein Mikrofon.
Zweitbild 30 Seconds To Mars
Leto gewann den Preis für die schamloseste Anbiederung des Tages, indem er eine rot-weiß-rote Flagge schwenkte, dem Publikum erklärte, es lebe im schönsten Land der Welt, und es aufforderte: „Teach me how to speak Austrian!“ Sorry, but we speak German!

Letos Musik klingt ein bisschen wie die Simple Minds, mit den Mitteln des modernen Rock umgesetzt, sehr pathetisch, ein wenig auf Weltschmerz-Beschallung für traurige Facebook-Userinnen getrimmt, aber gut ins Ohr gehend. Alles sehr nett, würde er nicht ständig Sachen brüllen wie „Reckt eure geschlechtsverkehrenden Fäuste in die Luft!“

Aus, mehr ist nicht zu erzählen. Weiters spielten Durchschnitts-Kapellen wie Sabaton, Within Temptation oder die hochgradig nervenden Testosteron-Dodeln von Airbourne mit ihren lachhaften Schwanzrock-Posen.

Am Sonntag beschließen dann die interessanten, aber zuletzt etwas brustschwachen Kings Of Leon, die Nova-Rock-Fixgäste Korn und die stets überbewerteten Volbeat das Festival.(Runterscrollen um weiterzulesen)

Tag 2: Große Hitze beim Nova Rock

Eine Gruppe junger Leute feiert mit Getränken und aufblasbaren Tieren in einem Pool.

NOVA ROCK 2013: BESUCHER
Eine Gruppe von Festivalbesuchern entspannt sich am Strand mit Getränken in der Hand.

NOVA ROCK 2013: BESUCHER
Eine große Menschenmenge vor einer Bühne beim Nova Rock Festival.

NOVA ROCK 2013: BESUCHER
Mehrere Personen entspannen sich in einem Pool mit aufblasbaren Spielzeugen.

NOVA ROCK 2013: BESUCHER
Eine Gruppe von Menschen planscht und feiert in einem Pool mit Wasserspritzern.

NOVA ROCK 2013: BESUCHER
Eine junge Frau sitzt in einem Planschbecken und isst eine Wassermelone.

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Auf einem schlammigen Festivalgelände macht eine Person Liegestütze, während andere sich an Waschbecken säubern.

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Eine Person fällt in eine schlammige Pfütze, während andere im Hintergrund stehen.

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Zwei Männer stehen auf einem schlammigen Festivalgelände unter einem Wasserstrahl.

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Ein Paar umarmt sich unter einer Dusche auf einem Festival.

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Eine Gruppe von Menschen grillt und isst im Freien auf einem Campingplatz.

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Ein Paar grillt auf einem Festivalgelände mit Müll im Hintergrund.

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Ein Paar küsst sich unter einem Regenschirm mit dem Union Jack auf einem Festivalgelände.

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Ein Mann fährt mit dem Fahrrad und zieht einen Anhänger mit einem Freund auf einem Festivalgelände.

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Ein junges Paar posiert auf einem Festivalgelände für ein Foto.

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Drei junge Leute mit Hüten und Sonnenbrillen posieren vor einem Zelt auf einem Festivalgelände.

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Ein Mann mit Sonnenbrille und großem Strohhut raucht auf dem Nova Rock Festival.

NOVA ROCK 2013: BESUCHER
Ein junger Mann mit selbstgebastelter Krone und Kutte auf einem Festivalgelände.

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Luftaufnahme eines großen Musikfestivals mit Bühne, Menschenmassen, Zelten und Wohnwagen.

NOVA ROCK 2013: LUFTAUFNAHME
Ein Rocksänger mit Sonnenbrille und Lederjacke performt auf der Bühne.

NOVA ROCK 2013: THE 69 EYES
Ein Gitarrist mit langen Haaren und Gesichtsbemalung spielt auf einer lila Ibanez-Gitarre.

AUSTRIA MUSIC
Ein Sänger mit Corpse Paint und einem Nietenkostüm singt in ein Mikrofon.

NOVA ROCK 2013: CRADLE OF FILTH
Eine Frau schüttet sich Wasser aus einer Plastikflasche über den Kopf.

iamx - Nova Rock 2013 - florian wieser…
Ein Musiker mit Sonnenbrille und Kapuze singt und spielt Gitarre.

iamx - Nova Rock 2013 - florian wieser…
Eine große Menschenmenge jubelt auf einem Musikfestival mit erhobenen Händen.

NOVA ROCK 2013: PARKWAY DRIVE / CROWD SURFER
Ein Mann wird während eines Konzerts von der Menge auf Händen getragen.

NOVA ROCK 2013: PARKWAY DRIVE / CROWD SURFER
Ein tätowierter Mann mit Mikrofon gestikuliert auf einer Bühne.

NOVA ROCK 2013: PARKWAY DRIVE /
Ein Mann wird während eines Konzerts von der Menge getragen, während ein Sicherheitsmann zusieht.

NOVA ROCK 2013: PARKWAY DRIVE / CROWD SURFER
Zwei Männer singen mit Mikrofonen auf einer Bühne.

bauchklang - Nova Rock 2013 - florian wieser…
Ein Mann mit Bart singt in ein Mikrofon.

bauchklang - Nova Rock 2013 - florian wieser…
Ein Mann mit Brille singt in ein Mikrofon.

bauchklang - Nova Rock 2013 - florian wieser…
Eine Sängerin mit Sonnenbrille und silberner Jacke steht mit ausgebreiteten Armen auf einer Bühne.

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Eine Sängerin mit Sonnenbrille performt auf einer Bühne mit einem Mikrofon in der Hand.

saint lu - Nova Rock 2013 - florian wieser…
Ein Mann steht auf der Menge vor einer Bühne mit einem Notausgang-Schild.

NOVA ROCK 2013: PARKWAY DRIVE / CROWD SURFER

Durstiger Baum

Ansonsten sind wie immer die Festival-Verkleidungen der Besucher besonders sehenswert. Die schönste heuer: ein junger Mann, der als Baum ging. Leider schwankte der Baum ziemlich – Bäume sind halt das Biertschechern nicht so gewöhnt.

Ach ja: Der anfangs erwähnte Beweis ist erbracht: Trotz schwachen Line-ups besuchen heuer über die drei Tage gerechnet 150.000 Menschen das Nova Rock.

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