Doktor Freud im Wilden Westen

Benicio Del Toro spielt in "Jimmy P." einen Indianer, der therapiert wird.
Benicio del Toro und Josh Brolin gehen in „Sicario“ zusammen spazieren.

Panik in Cannes: Ein Mann gab Freitag zwei Schüsse aus einer Schreckschusspistole während einer TV-Sendung unter freiem Himmel ab. Die TV-Bühne am Prachtboulevard Croisette wurde evakuiert. Viele Gäste flohen, u. a. die Festival-Jurymitglieder Christoph Waltz und Daniel Auteuil. Der Schütze wurde festgenommen.

Andernorts in Cannes sagte nach der Premiere von „Jimmy P.“ Misty Upham, die junge US-Schauspielerin aus dem Stamm der Blackfoot-Indianer: „Es ist nicht schwer, sich in Benicio Del Toro zu verlieben.“

Jimmy P.“ von Arnaud Desplechin erzählt die wahre Geschichte einer sehr ungewöhnlichen Psychoanalyse. Sie basiert auf den Aufzeichnungen des ungarisch-französischen Psychoanalytikers und Anthropologen Georges Devereux, der kurz nach dem Zweiten Weltkrieg in einem Spital in Kansas den Blackfoot-Indianer Jimmy Picard (Del Toro) therapierte. Desplechin konzentriert sich ganz auf das Verhältnis der beiden Männer. Durch deren Gespräche erschließt er – mit Fingerzeig auf John Ford – die Landschaft des klassischen Westerns neu.
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Die Wettbewerbsfilme im Überblick:

Eine Frau in einem geblümten Kleid blickt zum Himmel.

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Drei Musiker sitzen in einem Aufnahmestudio und spielen Gitarre.

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Ein Mann kniet vor einer Frau in ländlicher Umgebung, im Hintergrund eine Steinfarm und Pferde.

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Benicio del Toro und ein weiterer Mann gehen in Anzügen durch einen Park.

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Ein barfüßiger Mann und ein junges Mädchen stehen bzw. sitzen vor einem gelben Auto in einer kargen Landschaft.

Ein Mann und eine Frau stehen sich in einem Innenraum gegenüber.

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Marion Cotillard und Jeremy Renner in einer Szene aus dem Film „The Immigrant“.

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Ein Mann tanzt im Gegenlicht vor einer Tür.

Tilda Swinton und Tom Hiddleston umarmen sich in einer Bar, beide tragen Sonnenbrillen.

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Ein Mann mit Mütze fährt im Schneefall ein Motorrad.

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Ein Mann im Anzug zeigt einer Frau ein kleines Foto.

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Nahaufnahme von zwei Frauen, die sich nahe sind, eine mit blauen Haaren.

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Ein Mann im Anzug kümmert sich um einen verletzten Mann.

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Eine Frau küsst eine jüngere Frau mit einem Verband auf der Stirn.

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Ein älterer Mann gestikuliert vor einem Auto, während ein jüngerer Mann daneben steht.

Eine Frau mit Halsband blickt zu einem Mann auf.

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Zwei Männer in Anzügen posieren vor einem Oldtimer.

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Ein Mann mit Brille und gelbem Sakko sitzt auf einer Steinbank.

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Ein Mann mit Bart massiert eine Frau, während eine weitere Person im Hintergrund liegt.

Eine Frau mit blonden Haaren raucht in einem eleganten Restaurant.

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Nach François Ozons flachem Teenage-Drama „Young & Beautiful“, ist „Jimmy P.“ der zweite und bei Weitem stärkere französische Wettbewerbsbeitrag an der Croisette. „Freud meinte, die Psychoanalyse sei in erster Linie für Menschen der Mittelklasse “, so Desplechin , „aber Devereux war der Ansicht, dass sie für alle Menschen anwendbar ist, nicht nur für Wiener Großbürger.“

Ganz so einfach war es allerdings nicht: Da Indianer an Geister glauben, mussten die Analytiker eigene Methoden finden, um zwischen Geisterglaube und Wahnvorstellungen zu unterscheiden, erzählt Upham, mit ihrer Kollegin die erste indianische Frau, die je in einem Film mitwirkte, der offiziell von Cannes eingeladen wurde.

Western

Den Analytiker Devereux spielt übrigens Frankreichs Schauspiel-Star Mathieu Amalric mit gewohnt fiebriger Exzellenz. In täglichen Sitzungen lockt er seinen Patienten, der an grausamen Kopfschmerzen leidet, aus der Reserve. Amalric ist von von Del Toro „total beeindruckt. Außerdem ist er im Gegensatz zu mir fast bedrohlich groß. Und mit diesem Gefühl von Angst wollte ich ein bisschen spielen.“

Rauschende Roben und strömender Regen

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